Bildung: Gusenbauer ortet Verzögerungstaktik bei der ÖVP

Wien (OTS) - Der Vorsitzende der SPÖ, Alfred Gusenbauer, äußerte im Rahmen einer Podiumsdiskussion am Mittwoch zum Thema "Österreich nach PISA" den Wunsch, "gerne erleben zu wollen, dass zumindest seine Enkelkinder eine moderne Form der Schule besuchen". Für Gusenbauer klingt die Aussage der ÖVP-Abgeordneten Brinek, eine Reform nicht übers Knie brechen zu wollen, nach "einer Verzögerungstaktik". Der SPÖ-Vorsitzende betonte, dass "politische Diskussionen in Österreich oft aufgrund gesetzlicher Normen mit Stillstand enden" und dass die Zwei-Drittel Mehrheit von "denjenigen aufrechterhalten wird, die nichts ändern wollen". ****

Für Gusenbauer ist "der Kindergarten eine der wertvollsten pädagogischen Einrichtungen, die im gesamten Diskurs zu gering geschätzt wird". Besonders das letzte Kindergartenjahr solle "als Vorschuljahr zur Vorbereitung auf den Schuleintritt, auch im sprachlichen Bereich, genutzt werden". Für den SPÖ-Vorsitzenden haben die, die nicht Deutsch können einen besonders großen Nachteil, "der oft nicht mehr aufzuholen ist, wenn eine große Anzahl an Kindern in einer Klasse nicht Deutsch sprechen". Für Gusenbauer wäre es wichtig, dass "alle ihre Kindern in den Kindergarten schicken, denn dort findet die primäre Integration statt".

Eine Ganztagsschule würde "vor allem bessere Chancen für diejenigen bieten, die durch ihre Herkunft sozial und bildungsmäßig nicht privilegiert sind". Zum Thema "Gesamtschule" stellte Gusenbauer einen Vergleich zwischen Finnland und Österreich dar: "In Finnland sind die Schwächeren besser als bei uns und die Besseren auch nicht schlechter - es ist gelungen, einen größeren Teil auf ein hohes Niveau zu bringen", so der SPÖ-Vorsitzende. Gusenbauer merkte aber auch an, dass "nicht jedes Gesamtschulprojekt gleich erfolgreich ist". Hier müsse man "sich die einzelnen Konzepte anschauen".

Der SPÖ-Vorsitzende stimmte der These zu, dass "der Beruf Lehrer einer der wichtigsten Berufe in Österreich ist, denn es geht darum, Kinder und Jugendliche zu fördern, um im Leben bestehen zu können". Gusenbauer hält den Beruf des Lehrers auch für einen sehr schwierigen Beruf, denn "es ist schon schwierig, sich selbst etwas beizubringen, umso anspruchsvoller ist es, jemand anderen etwas beizubringen". Für den Beruf als Lehrer "ist nicht jeder geeignet und es wäre sinnvoll, vor der Ausbildung zu untersuchen, ob Fähigkeiten grundsätzlicher Natur vorhanden sind oder nicht". Gusenbauer hofft, dass für Lehrer in Österreich ein "ähnliches Sozialprestige erreichbar ist wie in den skandinavischen Ländern, wo darauf wert gelegt wird, dass ihre Kinder von den besten Personen unterrichtet werden".

Zwei Tage nach der Publikation der Pisa-Studie sei er, Gusenbauer, im Taxi gefragt worden, "ob unsere Schüler wirklich so viel blöder sind als anderswo", woraufhin er entgegnet habe, dass "unsere Schüler und Lehrer nicht blöder sind als anderswo, aber vielleicht ist das System, wie wir Schule organisieren, von vorgestern".

Auf eine Frage aus dem Publikum über seine geäußerte Skepsis gegenüber einer Verlängerung der Schulpflicht auf zwölf Jahre entgegnete der SPÖ-Vorsitzende, dass es dabei "an der Kernfrage vorbeigeht und sich diese Frage auf der Prioritätenebene nicht oben befindet". Gusenbauer betonte, dass "man auf die Qualität schauen müsse, vor allem bei der vorschulischen Erziehung". Für den SPÖ-Vorsitzenden ist es "nur teilrichtig, dass das duale System stirbt, 120.000 Lehrlinge sind jedoch nicht nichts". Gusenbauer stelle fest, dass es dort, "wo es dieses System nicht gibt, zwei Kategorien von Leuten gibt" und dafür sei er nicht zu haben.

"Der Beruf des Lehrers ist eine Ganztagsbeschäftigung, die sich aus unterrichten, Vorbereitung und Korrektur zusammensetzt", erläuterte Gusenbauer und wies darauf hin, dass eine notwendige Lehrerweiterbildung in der Arbeitszeit stattzufinden hat. Eine Ganztagsschule erfordere einen "höheren personellen Aufwand", so der Vorsitzende der SPÖ, doch "wenn sich Finnland dieses Modell leisten kann, dann wird es sich ein Land wie Österreich mit einem höheren Bruttoinlandsprodukt auch leisten können". Gusenbauer besuchte erst gestern eine Gemeinde im Weinviertel mit 1400 Einwohnern, in einem Bezirk mit einem niedrigen Pro-Kopf-Einkommen, die sich "eine gratis Ganztagsbetreuung für Volksschüler leistet". "Diese Gemeinden zeigen, dass es geht", so Gusenbauer. Für den SPÖ-Vorsitzenden ist es "eine Frage der Prioritätensetzung, wofür ich Geld ausgebe und wofür nicht". (Schluss) sf

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