...und die Kunst? VISION KONTRA STAGNATION

Jahrespressekonferenz 2005 des MAK: Peter Noever, Direktor MAK, präsentierte strategische Ziele sowie das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm für dieses Jahr

Wien (OTS) - Unter dem Motto "... und die Kunst? Vision kontra Stagnation" präsentierte Peter Noever, Direktor MAK, am 1. Februar 2005 bei der jährlich stattfindenden Jahrespressekonferenz des MAK strategische Ziele des Hauses sowie das komplexe Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm für das Jahr 2005.

Der Titel dieses Pressegesprächs "... und die Kunst?" verdichtete in aller Kürze das zentrale Anliegen des MAK: Ausgehend von einem Kunstverständnis, das den Entstehungsprozess von Kunst und ihre Weiterentwicklung im Fokus hat, hinterfragt das MAK konsequent den Stellenwert von und den Umgang mit der Kunst. Als Effekt der Privatisierung und der Übernahme privatwirtschaftlicher Methoden laufen Kunst- und Kulturinstitutionen hierzulande Gefahr, im Kampf ums ökonomische Überleben den Dienst an der Kunst aus den Augen zu verlieren. Die Frage "...und die Kunst?" ist damit brisanter denn je.

Die schwierige ökonomische Lage ist nicht wegzudiskutieren. Entscheidend sei, wie man mit der Situation umgehe, so Peter Noever. Als für seine Visionen bekanntes Museum sucht das MAK - in seiner Tradition als vitale Kulturinstitution - nach einem konstruktiven Umgang mit den Gegebenheiten. Vor allem für die künstlerische Strategie des Hauses stellt die beschränkte finanzielle Ausstattung eine enorme Herausforderung dar. Kunst nach Prinzipien der Gewinnmaximierung und nach dem Massengeschmack auszurichten ist und war für das MAK ein undenkbarer (Aus-) Weg. Eine derartige Kapitulation erstickt jede ernsthafte Auseinandersetzung mit Kunst in Stagnation. Kunst benötigt Risikobereitschaft, das Experiment und Mut zur Provokation. Im Bemühen, der Kunst und den Künstlern auch in Zukunft ein Höchstmaß an Freiheit zu garantieren, wurde eine neue Strategie für die Präsentation von Kunst, angewandter Kunst und Architektur erarbeitet, die in den Ausstellungen 2005 erstmals deutlich wird.

Factory Presentation titelt die neue Strategie, die vom Gedanken "Qualität durch Konzentration und Reduktion" inspiriert ist. Üblicherweise breit angelegte monografische Werkschauen werden auf aktuelle und rezente Schaffensphasen der Künstler reduziert. Gleichzeitig wird der Factory-Charakter des MAK - das sich als Ort der Ermöglichung und Anwendung von Kunst definiert - noch deutlicher hervorgehoben. Die Arbeit der Künstler vor Ort wird intensiviert. Synergieeffekte zwischen Museum und Produktionsstätte werden verstärkt genutzt. Mit Factory Presentation verbindet das MAK die Ziele, auch in Zukunft ein möglichst umfangreiches und vielfältiges Programm anbieten zu können und den Künstlern weiterhin Spielräume frei von Zwängen aller Art zu garantieren.

Die Sammlung zu erweitern und damit einem wesentlichen Auftrag des Museums nachzukommen ist derzeit für das MAK wie für alle anderen Bundesmuseen nahezu unmöglich. Als zynisch und zu kurz gedacht stuft Peter Noever die aktuelle Debatte über scheinbar neue Museumskonzepte und über eine mögliche Zusammenlegung von Sammlungsbeständen ein. Statt visionär zu denken wird Bestehendes geschwächt. Noever: "Die Kunst, als das letzte verbindende Element der modernen Gesellschaft, muss ernsthafter diskutiert werden. Gerade eine gewachsene Sammlung ist identitätsstiftend und damit essenziell für die Kunstinstitution Museum."

Das vom MAK entwickelte Projekt CAT - Contemporary Art Tower, das die Umwandlung des Gefechtsturms Arenbergpark - Mahnmal des "Niemals vergessen" - in ein internationales Zentrum für zeitgenössische Kunst vorsieht, ist in diesem Zusammenhang relevanter denn je. Kerngedanke des CAT ist es, Künstlern die Möglichkeit zu geben, im Laufe von etwa fünfzehn Jahren vor Ort an Objekten und Rauminstallationen zu arbeiten. CAT ist die Lösung zur Finanzierung einer international einzigartigen unverrückbaren Sammlung - ohne Einbeziehung des Kunstmarkts, sondern als Resultat der in unterschiedlichsten Formen für den speziellen Raum verwirklichten künstlerischen Positionen.

Die Positionierung des MAK als Ort der Kunst äußert sich auch in einem klaren Bekenntnis zu seinem wissenschaftlichen Forschungsauftrag, das sich 2005 wieder in zahlreichen Projekten aller MAK-Sammlungen niederschlägt. Hervorzuheben ist unter anderem das Forschungsprojekt "Gottfried Semper. Das ideale Museum für Metallotechnik": Das 1852 in London geschriebene und nie veröffentlichte Manuskript (198 Seiten), das die Systematik eines Museums behandelt und Aufschluss über von Semper als vorbildlich angesehene Institutionen, Objekte und Künstler gibt, wurde dem MAK 1867 von Semper selbst geschenkt. Eine Transkription des einzigen vorhandenen handschriftlichen Semper-Manuskripts wird mit einem oder mehreren kurzen Kommentaren von Experten im Herbst 2005 als Publikation veröffentlicht. In der MAK-Sammlung Ostasien und Islam wird 2005 unter dem Titel "Ukiyo-e" ein dreisprachiger, mit allen Blättern illustrierter Gesamtkatalog (Deutsch, Englisch und Japanisch/Romanji) zur Sammlung japanischer Farbholzschnitte des MAK in digitaler Form online erscheinen. Zur gleichnamigen MAK-Ausstellung wird ein eigener Katalog als CD-ROM veröffentlicht.

Die MAK-Vortragsreihe "changing architecture", im Rahmen derer Peter Eisenman bereits im Jänner die Lecture in Englisch "A Space of Difference" gehalten hat, wird 2005 mit maßgeblichen Architekten wie Günther Domenig, Lebbeus Woods und Rem Koolhaas fortgeführt.

Anlässlich des Zehn-Jahres-Jubiläums des MAK Center for Art and Architecture Los Angeles, das sich als Hotspot der Kunst-Avantgarde im kulturellen Leben von Los Angeles etabliert hat, wird der neue MAK-Center-Guide "Schindler by MAK" im Prestel Verlag, München, erscheinen. Die Publikation dokumentiert die Geschichte des Schindler House von 1922 bis heute samt den Aktivitäten des MAK Center und enthält zusätzlich ein Verzeichnis der Bauten Rudolph M. Schindlers. Das MAK Center bietet ein einjähriges Veranstaltungsprogramm im Kontext des Jubiläums, das mit einem Kick-off-Event Ende September eingeläutet wurde. Mit einer Veranstaltung Anfang April 2005 im MAK Wien möchte das MAK all jenen danken, die dieses utopische Projekt ermöglicht haben.

Trotz herausfordernder Rahmen- und Umfeldbedingungen sowie schwieriger finanzieller Voraussetzungen ist es dem MAK auch für das Jahr 2005 gelungen, ein komplexes Ausstellungsprogramm sicherzustellen:
Die Ausstellungshallen werden nach "PETER EISENMAN. Barfuß auf weiß glühenden Mauern", mit "ATELIER VAN LIESHOUT. Der Disziplinator" (22. Juni - 18. September 2005) und "UKIYO-E RELOADED. Die Sammlung japanischer Farbholzschnitte im MAK" (30. November - 26. März 2005) bespielt. "ATELIER VAN LIESHOUT. Der Disziplinator" ist die erste große Ausstellung der Reihe "Factory Presentation". Als rohe und ungeschminkte Werkpräsentation werden zwei große Werkblöcke des Atelier Van Lieshout präsentiert. UKIYO-E RELOADED bereitet -basierend auf der umfassenden Ukiyo-e-Sammlung des MAK - die Kunst des japanischen Farbholzschnitts als Phänomen einer städtischen Massenkultur auf.

In der MAK-Galerie werden im Jahr 2005 drei Ausstellungen eröffnet: "MICHAEL KIENZER. Neue Immobilien" (23. Februar - 12. Juni 2005), "LEBBEUS WOODS. System Wien, the Future of a City" (29. Juni - 16. Oktober 2005) sowie "ALEXANDER RODTSCHENKO. Raumkonstruktionen" (26. Oktober 2005 - 26. Februar 2006).

Der MAK-Kunstblättersaal zeigt "¡LA Cubanidad! Kubanische Plakate 1940-2004" (6. April - 10. Juli 2005), "DIE KUNST DES SPIEGEL. Titel-Illustrationen aus fünf Jahrzehnten" (27. Juli - 28. August 2005), "UAAAAA!!! MANGA. Zur Ästhetik einer Trashkultur" (31. August - 4. Dezember 2005) und "...NACH BINDER. Joseph Binders Einfluss auf das internationale Grafikdesign" (14. Dezember - 12. März 2006).

Aspekte angewandter Kunst werden in den MAK-Studiensammlungen mit fünf Ausstellungseröffnungen thematisiert: "KERAMIK. Aktuelle Tendenzen aus Österreich" (11. Mai - 28. August 2005), "KASCHMIR IM MAK. Paschmina-Shawls und ihre europäischen Varianten" (1. Juni - 2. Oktober 2005), "ENTWURF UND OBJEKT. Zeichnungen Wiener Gold- und Silberschmiede" (15. Juni 2005 - 28. Mai 2006), "SUSANNE BISOVSKY. Austrian Look" (19. - 30. Oktober 2005) sowie "VERLETZLICHE BEUTE. Spätantike und frühislamische Textilien aus Ägypten" (7. Dezember 2005 - 5. Juni 2006).

Die DesignShowcases(C) präsentieren "ACHTUNG. Zeitschrift für Mode" (13. April - 28. August 2005), "CAROL CHRISTIAN POELL. Public Freedom" (19. Mai - 24. November 2005) und "BACK TO A. Design Now. Austria" (14. September 2005 - 12. Februar 2006).

Highlight des Ausstellungsprogramms des MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles, ist "GÜNTHER DOMENIG. Structures that Fit My Nature" (30. März - 12. Juni 2005).

Anlässlich des 50. Jahrestags der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags präsentiert das MAK unter dem Titel ZUSTANDSANALYSEN ein 10-teiliges MAK NITE(C) special-Programm. Zehn österreichische Künstler werden im Zeitraum von Mai bis Oktober 2005 jeweils einzelne Teile und Artikel des Staatsvertrags unter die Lupe nehmen und auf ihre Aktualität, Erfüllung und Nichterfüllung prüfen.

Aktuelle Informationen zum Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm des MAK sind online unter www.MAK.at abrufbar.

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