Paletten: Qualitätsprobleme und Diebstähle führen zu Mehrkosten für Branche

Arge warnt vor polnischen Paletten und kündigt "Aktion scharf" an

Wien (PWK077) - "Hohe Ausfälle und tausende Arbeitsunfälle durch qualitativ minderwertige ausländische Paletten, tausende gestohlene EUR-Paletten pro Tag allein im Wiener Raum, einige hunderttausend pro Jahr in ganz Österreich", so umreissen Günter Voith, Obmann der Arge Palettenpool, und Thomas Metlich, Präsident des Europäischen Palettenpools, die aktuelle Situation heimischer Industriebetriebe, Spediteure und Händler. Rund 10 Prozent der im Umlauf befindlichen Paletten seien keine Normpaletten, die mit dem EUR-Signet gekennzeichnet sind. Diese, vor allem in Polen hergestellten minderwertigen PKP-Paletten, führen zu akuten Mehrkosten durch höheren Kontrollbedarf und frühere Ausscheidung der Paletten aus dem Tauschkreislauf. Deshalb appellierten heute, Dienstag, die Verantwortlichen an die Unternehmen, das bestehende funktionierende Tauschsystem nicht durch Zukäufe minderwertiger Paletten zu gefährden.

Absolute Voraussetzung für das reibungslose und kostengünstige Funktionieren dieses Tauschsystems ist eine einheitliche Qualität (gem. UIC-Mbl. 435-2) der eingesetzten EUR-Flachpaletten. Gerade diese einheitliche Qualität hat durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage im Westen mit den damit verbundenen Kostendruck auf die Palettenproduzenten, der freie Zugang zu diesem System und die Ostöffnung zu einem massiven Qualitätsproblem bei den EUR-Flachpaletten geführt. Diese Qualitätsprobleme nahmen derart überhand, dass sich die verantwortliche UIC-Arbeitsgruppe -Mitglieder sind die Deutsche Bahn, DSB, FS, NS, MAV, PKP, RENFE, SBB, SNCB, SNCF und die österreichische Rail Cargo als Vorsitzende -erstmals in der über 40-jährigen Geschichte des Palettenpools veranlasst sah, einer verantwortlichen Bahn aus Polen (PKP) die Verwendung des markenrechtlich geschützten Zeichens EUR im Oval zu entziehen.

Dass diese Maßnahme keinesfalls überzogen war und eine schlechte Qualität große Gefahren in sich birgt, beweisen Unfallstatistiken aus Deutschland, wo jährlich qualitativ minderwertige bzw. gefälschte EUR-Paletten ca. 14.000 Unfälle verursachen. Bei 200 werden Personen derart stark verletzt, dass sie dauernd berufsunfähig bleiben. Für Österreich gibt es zwar derzeit keine extra ausgewertete Statistik über Palettenunfälle, wenn man aber den bei Vergleichen mit Deutschland üblichen Faktor 10 heranzieht, können wir mit ca. 1.400 Unfällen rechnen, wobei ca. 20 zu Berufsunfähigkeit von Personen führen.

Gerade die hohe Akzeptanz der EUR-Paletten in der Wirtschaft und die universelle Einsatzmöglichkeiten bringen ein weiteres Problem mit sich. Es handelt sich dabei um den Diebstahl dieser EUR-Flachpaletten. Dieses, bei vielen scheinbar als Kavaliersdelikt angesehene Vergehen, verursacht somit übers Jahr gesehen einen enormen EUR-Palettenabgang für das Tauschsystem und auch für die betroffenen Firmen, die ihrerseits wieder hohe Kosten bei der Nachbeschaffung von neuen EUR-Paletten aufbringen müssen. Eine neue Palette kostet ca. sieben Euro. Die dadurch entstehenden Mehrkosten bewirken wiederum, dass die fehlenden Mengen an EUR-Flachpaletten so kostengünstig wie möglich (mindere Qualität bzw. Fälschungen) beschafft werden und die Spirale beginnt sich wieder von Neuem zu drehen. Zum Vergleich: Eine gefälschte Palette (ohne entsprechende Kennzeichnung) kostet derzeit zwischen 4 und 5 Euro, hat aber lediglich eine Einsatzdauer, die der einer Einwegpalette entspricht.

Derzeit laufen gerade Ermittlungen und werden Beweise in dieser Angelegenheit sichergestellt, damit gegen diese Hehler rechtliche Schritte eingeleitet werden können. "Denn es muss verhindert werden, dass ein gutes und wirtschaftliches System nicht durch wenige ´schwarze Schafe´ von den Kunden in Frage gestellt wird", so Voith. Schließlich müsse der Abgang durch gestohlene EUR-Paletten von den Poolteilnehmern für das Aufrechterhalten des Tausches nachgekauft werden.

Eine Bildschirmpräsentation zu diesem Thema finden sie auf wko.at/Presse (us)

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