Eisenbahner: Regierung verzichtet mit Gerhard Fuhrmann auf einen exzellenten Fachmann

GdE-Vorsitzender Haberzettl: Schienenregulator muss einem FPÖ-Sekretär Platz machen - Regierung beseitigt Kritiker der ÖBB-Reform

Wien (GdE/ÖGB) - Weil der bisherige Schienenregulator Gerhard Fuhrmann wiederholt Bedenken gegen die ÖBB-Reform und die Zerschlagung des Unternehmens geäußert hat, wird dieser exzellente Fachmann am morgigen Dienstag (1. Februar) durch einen FPÖ-Sekretär abgelöst. Damit zeige die schwarz-blaue Bundesregierung wieder einmal mehr, dass es ihr lediglich um parteipolitischen Postenschacher gehe, kritisierte der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft, Wilhelm Haberzettl, Montag in Wien. ++++

Fuhrmann habe nicht nur in den vergangenen fünf Jahren als Geschäftsführer der Schienen-Control GmbH überzeugende Arbeit geleistet und einen diskriminierungsfreien Zugang zum österreichischen Schienennetz sichergestellt, sondern sei darüber hinaus im In- und Ausland als hervorragender Verkehrsexperte mit rund 30jähriger Erfahrung im europäischen Verkehrsbereich anerkannt und geschätzt. Ob als langjähriger Verkehrsexperte der Wiener Arbeiterkammer, als Alleinvorstand der DDSG, als Verkehrsexperte bei der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU in Brüssel oder eben zuletzt als Schienenregulator in Österreich - in all diesen Funktionen habe sich Fuhrmann durch seine Sacharbeit große Verdienste um die Verkehrspolitik erworben, wofür ihm die Eisenbahnergewerkschaft ausdrücklich danke. Infrastrukturminister Gorbach, der Fuhrmanns heute, Montag auslaufenden Vertrag nicht verlängert habe, sondern ihn durch einen Sekretär des FPÖ-Parlamentsklubs ablöse, mache damit neuerlich deutlich, dass ihm Parteipolitik vor Sachpolitik gehe, sagte Haberzettl.

Dieser Wechsel an der Spitze der Schienen-Control GmbH sei umso bedauerlicher, als gerade jetzt die Diskussion über den gemeinwirtschaftlichen Bereich - und damit auch über den Zugang zum Schienenverkehr - geführt werden müsse. "In dieser Situation auf einen exzellenten Verkehrsexperten wie Gerhard Fuhrmann zu verzichten, ist nicht nur verkehrspolitisch kurzsichtig, sondern muss auch als höchst fahrlässig kritisiert werden", betonte der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft. Erst kürzlich habe Fuhrmann in Bezug auf die ÖBB-Reform große Bedenken geäußert, dass die ÖBB in drei bis vier Jahren wieder in Höhe von drei bis vier Milliarden Euro verschuldet sei, wenn ihr die gesamten Infrastrukturkosten aufgebürdet würden. Fuhrmann habe auch gemahnt, dass die Verkehrspolitik "dramatisch in die falsche Richtung" gehe. "Aber die für diese Verkehrspolitik verantwortlichen Politiker entledigen sich lieber eines unbequemen Kritikers anstatt ihre falsche Politik zu korrigieren", stellte Haberzettl abschließend fest.
(Schluss)

ÖGB, 31. Jänner
2005
Nr. 54

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