"profil": Luc Bondy ortet nach Mailath-Pokornys Verhandlungen mit Martin Kusej "enormen Schaden für die Wiener Festwochen"

Festwochen-Intendant Bondy kritisiert die Wiener Kulturpolitik scharf: "Auf sensiblen Leuten herumzutrampeln, als wäre man Ware, ist keine gute Entscheidung"

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, reagiert Luc Bondy auf die vergangene Woche publik gewordenen "vertraulichen Verhandlungen", die Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny mit dem Regisseur Martin Kusej über die Intendanz der Wiener Festwochen ab 2008 geführt hat, "verwundert": Er, Bondy, habe davon nichts gewusst, trete aber der Behauptung Mailaths, Bondy habe erst unlängst Interesse an einer Weiterarbeit gezeigt, entschieden entgegen: Er habe mit Mailath bereits im Sommer 2004 konkret verhandelt. Man wisse genau, dass er interessiert sei, mit seinem Team in Wien weiterzumachen. Aber diese Art der Kulturpolitik, so Bondy, sei in Wien "leider üblich": Wenn die Politiker "mit Künstlern so umgehen, als wären wir Generäle von Streitmächten, dann wird das sehr heikel für das kulturelle Klima einer Stadt. Auf sensiblen Leuten herumzutrampeln, als wäre man Ware, ist keine gute Entscheidung." Für die Festwochen sei Mailaths Vorstoß jedenfalls "enorm beschädigend", sein Festival käme "so ganz unverschuldet ins Gerede".

Kusej, der als neuer Schauspielchef der Salzburger Festspiele nur für zwei Jahre bestellt ist, habe, wie er sagt, durchaus Interesse an der Leitung der Festwochen gehabt. Er sei von Mailath mit "konkreten Unterlagen", "klaren Eckdaten" und sogar "einem Mustervertrag" versorgt worden, man habe "inhaltliche Details", etwa die Gründung eines Festwochen-Aufsichtsrates besprochen, so Kusej gegenüber "profil". Danach sei der Kontakt aber abgerissen, Mailath sei nicht mehr zu erreichen gewesen und es habe schließlich, als er ihn doch erreicht habe, keine klare Absage gegeben - "nur ein nervöses Gestammel, das ich als Hinhaltetaktik interpretiert habe". Kusej gehe es nun darum, "dass die Qualität meiner Arbeit und meine Reputation unbeschadet bleiben - wenn das gefährdet wird und ich mich ausgenutzt fühle, muss ich reagieren".

Mailath selbst entgegnet den Vorwürfen demonstrativ gelassen: Es müsse doch legitim sein, sagt er im Gespräch mit "profil", "dass man drei Jahre vor Ablauf einer Intendantenschaft auch Gespräche mit anderen führt, ohne dass man dabei in die Situation kommt, sich dafür rechtfertigen zu müssen".

Rückfragen & Kontakt:

"profil"-Redaktion
Tel.: (01) 534 70 DW 3501 und 3502

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PRO0007