Bildungsexperten bei AK-Tagung einig: Beim Thema Chancengleichheit ist Österreich Entwicklungsland

Linz (OTS) - Gleiche Bildungschancen für unsere Kinder? Diese
Frage stand Donnerstag Abend im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu der die Arbeiterkammer Oberösterreich hochrangige Schul- und Bildungsexperten/-innen eingeladen hatte. Die Antwort fiel recht eindeutig aus: Das österreichische Schulsystem neigt dazu, soziale Unterschiede zu verstärken.

Mag. Peter Schlögl, Chef des Österreichischen Instituts für Bildungsforschung präsentierte Ergebnisse der von der Arbeiterkammer in Auftrag gegebenen Studie "Soziale Situation beim Bildungszugang". Die repräsentative Untersuchung (über 2850 Elternhaushalte) bestätigt: Schulwahl und Zukunftsaussichten eines Kindes hängen in Österreich stark vom Einkommen und vom Bildungsgrad der Eltern ab.

"Überspitzt formuliert könnte man sagen: Akademiker reproduzieren sich selbst", sagte auch Mag. Dr. Claudia Reiter, nationale PISA-Projektmanagerin. Die PISA-Studie zeige zudem, dass die Unterschiede zwischen den schlechtesten Leistungen und den besten Leistungen in Finnland und anderen Spitzenländern vergleichsweise gering sind - offensichtlich ein Effekt der späteren Selektion und der besseren individuellen Förderung jedes Kindes. In Österreich sei die Leistungsvarianz viel größer. Trotzdem sei Finnland auch bei Spitzenleistungen besser als Österreich.

Tenor der anschließenden Podiumsdiskussion, an der auch AK-Vizepräsident Ing. Reinhold Entholzer, die Vizepräsidentin des oberösterreichischen Landesschulrats, Brigitte Leidlmayer, und der Vorsitzende des Dachverbandes der Pflichtschulelternvereine,
Kurt Nekula, teilnahmen: Die frühe Selektion der Kinder, die praktisch nicht vorhandene individuelle Förderung, ideologische Scheuklappen und die Einsparungen im Bildungsbereich zählen zu jenen Faktoren, die Chancengleichheit beim Bildungszugang verhindern.

"Wir müssen uns an jenen Ländern orientieren, die vor uns liegen", stellte AK-Vizepräsident Entholzer in seinem Schlusswort klar, "Chancengleichheit kann nicht heißen: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Es muss darum gehen, möglichst viele Kinder auf ein möglichst hohes Leistungsniveau zu bringen. Gute Bildung für alle ist etwas, das wir uns leisten können und leisten müssen. Schließlich geht es um die Zukunft unserer Kinder."

Die Arbeiterkammer fordert deshalb ein verpflichtendes und kostenloses Vorschuljahr in Zusammenarbeit von Kindergarten und Volksschule sowie "Starthilfe" in der Schuleingangsphase für benachteiligte Kinder, mehr ganztägig geführte öffentliche Schulen sowie eine gemeinsame Mittelstufe aller Kinder.

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