"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Riedel enttäuscht" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 27. Jänner 2005

Innsbruck (OTS) - Georg Riedel zählt zu jenen Tiroler Paradeunternehmern, auf die das Land bisher immer stolz war. Der Glaspapst schaffte es, seine Gläser weltweit zu einer Marke zu machen. Als Riedel im Vorjahr den an Mitarbeitern vier Mal so großen deutschen Mitbewerber Nachtmann AG schluckte, machte sich Freude breit. Endlich einmal kaufte ein Tiroler Unternehmen in Deutschland einen Mitbewerber, nicht umgekehrt.
Umso bitterer war die Pille, die Georg Riedel jetzt in München servierte. Um wirtschaftlich fit zu bleiben, werden an allen Standorten Mitarbeiter abgebaut. Auch in Tirol. Mindestens 30 Arbeitsplätze fallen weg, bis zu 50 dürften es wohl werden.
Wieder einmal schlägt die Globalisierung gnadenlos zu. Dass die Riedel-Mitarbeiter in Tirol für die Expansion nach Bayern bestraft werden, ist auf der Gefühlsebene nicht nachvollziehbar. Da mögen die wirtschaftlichen Argumente noch so stichhaltig sein. Und wieder einmal fragen sich viele mit Blick auf die Schweiz: Welche Vorteile hat Tirol vom EU-Beitritt wirklich?
Unsicherheit macht sich breit. Austria Tabak wird privatisiert und der neue Eigentümer aus Großbritannien sperrt den Standort Schwaz zu. Tirol war zu wenig attraktiv. Bei Sandoz in Kundl werden Jobs nur noch in einem geringen Ausmaß nachbesetzt. Bis zu 70 Arbeitsplätze wackeln. Was kommt als Nächstes? Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn Swarovski über den Standort Tirol nachzudenken beginnt. Was wenn der neue Jenbacher-Eigentümer General Electric, mit den Know-how aus Tirol an einen günstigeren Produktionsstandort abzieht? Bis dato deutet zum Glück nichts darauf hin. Im Gegenteil, GE Jenbacher nimmt 20 Austria-Tabak-Mitarbeiter auf. Dass die Wirtschaft floriert, ist aber den vielen Klein- und Mittelbetrieben zu verdanken, die im Land brummen. Daher ist in Sachen Standortmarketing noch viel zu tun.

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