"Die Presse"-Kommentar: "Abbas und die Islamisten-Massage" von Christian Ultsch

Ausgabe vom 27.1.2005

Wien (OTS) - Positive Nachrichten aus dem Nahen Osten? Derlei löst fast reflexartig Skepsis aus. In den vergangenen Jahren hat man ihn schon so oft vergeblich reanimiert, dass der sogenannte "Friedensprozess" nur noch wie ein rhetorischer Zombie durchs politische Vokabular zu wanken schien: ohne Aussicht auf Rückkehr ins wirkliche Leben.
Und doch gibt der aktuelle Rettungsversuch, eingeleitet von Palästinenser-Präsident Abbas, Anlass zu gewisser Hoffnung. Denn seine Methode, die "Islamisten-Massage", zeigt erste Erfolge. Die radikale Hamas ist plötzlich bereit, sich politisch einbinden zu lassen. Im Norden des Gaza-Streifens können auf einmal palästinensische Sicherheitskräfte stationiert werden, um Raketenangriffe auf Israel zu unterbinden. Und siehe da: Israel antwortet mit Entgegenkommen, stellt die "gezielten Tötungen" militanter Palästinenser bis auf weiters ein und stimmt einem Gipfeltreffen mit Abbas zu.
Doch wirklich berechtigt wird der Optimismus erst dann sein, wenn die moderaten Kräfte das kommende Störfeuer der Radikalen überstehen. Denn der nächste Anschlag kommt bestimmt.

christian.ultsch@diepresse.com

Rückfragen & Kontakt:

Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR0001