Heinisch-Hosek: "Wann wird Käthe-Leichter-Preis wieder vergeben?"

Wien (SK) "Wertschätzung, Interesse, Anerkennung und Respekt sollen auch Werte sein, die besonders wir als Politikerinnen und Politiker hochhalten", so SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek am Mittwoch im Nationalrat. Nachdem auf neun Fragen den Käthe-Leichter-Preis betreffend seitens des Frauenministeriums nur eine knappe Sammelantwort gekommen sei, frage man respektvoll nach. Heinisch-Hosek ging kurz auf das Leben und Schaffen der Sozialdemokratin und Jüdin Käthe Leichter ein, die 1942 im KZ Ravensbrück vergast wurde. Mit dem Käthe-Leichter-Preis soll die wissenschaftliche Bedeutung und gesellschaftliche Relevanz von Frauenforschung unterstrichen werden. Von 1991 an wurde der Preis regelmäßig und jährlich vergeben, seit dem Regierungswechsel 2000, ist der Preis nicht mehr vergeben worden. ****

Käthe Leichter, die heuer 110 Jahre alt geworden wäre, war eine der führenden Frauen der österreichischen Sozialdemokratie. Sie hatte in Wien und Heidelberg studiert. In Heidelberg deshalb, weil sie in Wien nicht zu den Abschlussprüfungen zugelassen worden war. Die Jüdin und Sozialistin hatte viele wissenschaftliche Arbeiten zur wirtschaftlichen und sozialen Rolle der Frauen publiziert, sich mit Not und Elend und einer Verbesserung der weiblichen Lebenssituation beschäftigte. 1938 wollte Käthe Lichter ins Exil gehen, wurde aber von einem Gestapo-Spitzel verraten, 1940 ins Frauen-KZ Ravensbrück überstellt und 1942 vergast. "Es wäre wertschätzend, anerkennend und respektvoll, wenn man im heurigen Jubliäumsjahr dem Opfer Käthe Leichter, stellvertretende für viele weibliche Opfer, gedenken würde und den Staatspreis sofort wieder einführt", so Heinisch-Hosek.

Der Käthe-Leichter-Preis war 1991 eingeführt worden und bis zum Jahr 2000 regelmäßig an Frauen für wissenschaftliche Arbeiten in den Bereichen Bildung und Arbeiterforschung vergeben worden. Seit dem Jahr 2000 wurde der Preis nicht mehr vergeben. Eine damals eingesetzte Jury warte bis heute auf einen Auftrag. "Wann kann man damit rechnen, dass der Preis wieder vergeben wird", fragte Heinisch-Hosek. Seit 2000 hatte der Kurzzeitfrauenminister Herbert Haupt einen anderen Preis vorgeschlagen. Aus diesem Preis sei nichts geworden, stellte Heinisch-Hosek fest. Danach wurde der Käthe-Leichter-Preis an das Wirtschaftsministerium weitergegeben, wo nichts geschehen sei, dann sei er wieder an das Frauenministerium zurückgeschoben worden. "Auch dort ist bisher nichts passiert", kritisierte die SPÖ-Frauensprecherin. Heinisch-Hosek fragte die Ministerin Rauch-Kallat, wann der Preis wieder vergeben werden soll, warum sich bisher nichts getan habe, ob es heuer noch eine Vergabe des Preises geben soll und wenn ja, wie hoch der Preis sein soll. In der Antwort der Ministerin sei die Rede davon, dass eine Neuausrichtung durch große gesellschaftliche Veränderung passiert sei. Hier müsse man klären, was damit konkret gemeint sei, so die Forderung Heinisch-Hoseks. In einem Nachsatz hielt die Ministerin fest, dass der Preis nur mehr in mehrjährigen Abständen vergeben werden soll. "Das erscheint uns nicht sehr wertschätzend und anerkennend", so Heinisch-Hosek.

Abschließend zitierte Heinisch-Hosek aus einer Rede einer Preisträgerin des Käthe-Leichter-Preises und fragte: "Wann wird es wieder so sein, dass Frauen diesen Preis erhalten?" (Schluss) js

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