Auf Kufen ins Krankenhaus

Rodeln und Eislaufen brachten 2003 rund 9.300 Menschen ins Krankenhaus - Sicher Leben warnt vor Schlitten, die nicht dem Produktsicherheitsgesetz entsprechen

Wien (OTS) - 9.300 Menschen blieben 2003 beim Rodeln oder
Eislaufen in Österreich auf der Strecke. Sie verletzten sich so stark, dass sie ins Spital eingeliefert werden mussten. Nicht nur riskante Manöver oder Ungeübtheit, sondern auch eine schlechte Ausrüstung tragen zu den hohen Zahlen an Verletzungen bei: "Die Sportartikelindustrie sollte in Sachen Sicherheit mehr Verantwortung zeigen. Es ist nicht nur von entscheidender Bedeutung, welche Artikel angeboten werden, sondern auch, welche im Sortiment fehlen. Produzenten und Händler sollten durch ihre Artikel den Gedanken einer 'Culture of Safety' verfolgen", fordert Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts Sicher Leben.

Warnung: Aufblasbare Rodel sind gemäß Produktsicherheitsgesetz gefährlich!

Ob klassische Holzschlitten, Rodel oder Plastikbobs - die fahrbaren Untersätze sind meist schlecht steuerbar, vor allem bei eisigen Bodenverhältnissen. Rund 4.900 Personen fanden sich deshalb 2003 statt auf der Piste in einem Krankenbett wieder. 29 Prozent davon verunglückten nach 19 Uhr beim riskanten Nachtrodeln: Die waghalsigen Aktionen sind oft Abschluss von feuchtfröhlichen Hüttenabenden -Alkohol, mit mehreren Personen überbeladene Schlitten und nächtliche Sichtverhältnisse geben dann einen gefährlichen Mix. Doch nicht nur bei der Tageszeit, sondern auch bei der Piste sollte man wählerisch sein: Forstwege mit starkem Baumbestand oder schneebedeckte Straßen bergen mehr Gefahren als Vergnügen: Über 400 aller Verunfallten krachten 2003 an Baumstämme, etwa 300 an Zäune oder Pfosten. Besondere Vorsicht ist bei aufblasbaren Rodeln geboten: Deren große Auflagefläche lässt nur ein geringes Eintauchen in den Schnee zu -sie werden folglich sehr schnell. Bremst man einseitig, dreht sich das Gefährt unkontrolliert, Steuern ist fast nicht mehr möglich. Die Fahrt geht rasant weiter: Blick nach hinten, Hinterkopf und Rücken voran, was Schädel- und Wirbelsäulenverletzungen nach sich ziehen kann. "Diese Modelle sind derart gefährlich, dass sie aus dem Umlauf genommen werden müssen. Sie sehen aus wie Kinderspielzeug, obwohl nicht mal sportlich durchtrainierte Erwachsene damit zurechtkommen. Es handelt sich um gefährliche, d.h. verbotene Artikel gemäß Produktsicherheitsgesetz", warnt Kisser.

Appell an Sportartikelhersteller: Spezielle Handschuhe für Eisläufer müssen her!

Schlittschuhlaufen zählt mit zu den beliebtesten Wintersportarten in Österreich. Rund 1,3 Millionen Menschen jeden Alters tummeln sich regelmäßig auf Seen oder Eisbahnen. Doch der Freizeitspaß für Winterfreunde bringt nicht nur jede Menge Vergnügen, sondern auch so manchen Tag im Spital: 2003 verletzten sich rund 4.400 Personen in Österreich beim Eislaufen so schwer, dass sie Krankenhaus behandelt werden mussten. 60 Prozent der Verunglückten waren unter 25 Jahre. Fremdverschulden ist nur eine der Unfallursachen, oft sind Übermut oder Selbstüberschätzung im Spiel. 80 Prozent aller Eisläufer stürzen, 17 Prozent stoßen mit einem anderen Sportler oder einem Gegenstand zusammen. Jede zweite Verletzung ist ein Knochenbruch. Besonders betroffen: Handgelenk und Arme. "Bisher hat die Sportartikelindustrie die Eisläufer stiefmütterlich behandelt. Geeignete Eislaufhandschuhe wären dick gefüttert und haben eine Stoßdämpfung am Handgelenk, die den Aufprall abfängt. Derartige Handschuhe gibt es derzeit leider noch nicht", so Kisser. Derzeit die beste Alternative sind jene Handschuhe, die auch Snowboarder tragen. Mit steifen Platten ausgestattet geben sie mehr Halt und schützen vor Verletzungen von Hand und Armen.

Ob Rodeln oder Eislaufen - für Kinder gilt: Helm auf!

Gerade für Kinder haben die scheinbar leicht praktizierbaren Wintervergnügen ihre Tücken: Allein im Jahr 2003 haben sich mehr als 300 Kleinkinder unter fünf Jahren beim Rodeln verletzt, davon 33 Prozent am Kopf. Beim Schlittschuhlaufen fällt diese Bilanz ähnlich dramatisch aus: 26 Prozent der Kinder unter 15 Jahren erlitten auf dem Eis eine Schädel- oder Hirnverletzung. Kisser weiß, warum besonders die Kleinen so schwere verunglücken: "Der Kopf von Kindern ist im Vergleich zum restlichen Körper schwerer als bei Erwachsenen. Außerdem verfügen Kinder über eine geringere Reaktionsfähigkeit und Muskelkraft." Ob Schlittenhang oder Eisbahn - hier könnte leicht Abhilfe geschaffen werden: "Ein gut sitzender Ski- oder Eishockeyhelm mindert das Risiko für Kopfverletzungen um 85 Prozent! Da auch eine leichte Gehirnerschütterung nicht zu unterschätzen ist, sollten Eltern ihre Kinder niemals ohne Helm Rodeln oder Eislaufen lassen", empfiehlt Kisser.

Wien, 26.01.2005

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