WirtschaftsBlatt Kommentar vom 26.1.2005: Arbeitszeit: Alle müssen flexibler werden - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Da Österreichs Wirtschaft ja kein Mädchenpensionat ist, schadet ihr ein landesweiter Aufruhr wie der momentane sicherlich nicht. Mit seinen neuesten Aussagen zur Arbeitszeit-Flexibilisierung hat IV-Präsident Veit Sorger erneut viele geschockt - erfreulich daran ist zumindest, dass sich die lange bloss dahindösende Industriellenvereinigung endlich wieder öffentlich in Szene zu setzen vermag. Wir schlagen jedenfalls hiermit vor, dass alle Beteiligten am Boden bleiben und niemand in die Luft gehen sollte. Denn was ÖGB, GPA, SPÖ, ÖAAB, die Grünen oder die freiheitlichen Arbeitnehmervertreter unisono als verbales Erdbeben erleben - Motto: Wahnsinn, Wahnsinn! -, das ist für den obersten Repräsentanten der Industrie im Grunde genommen nicht wesentlich mehr als die Betonung von Selbstverständlichkeiten. Zwei Dinge sollten nämlich unbestritten sein: Wenn Veit Sorger dieses wichtige Thema nicht zur Sprache brächte, müsste man umgehend zweifeln, ob er für seine neue Funktion wirklich geeignet ist. Und würden sich die Herren von der Gegenseite - ein Leutner, ein Sallmutter, ein Matznetter und wie sie alle heissen - nicht furchtbar echauffieren und den ihres Erachtens offenbar verrückt gewordenen IV-Präsidenten in köstlicher Oberlehrermanier abkanzeln, dann wäre wiederum ihr Risiko hoch, die Daseinsberechtigung zu verlieren. Genau deshalb ist derzeit - ohne dass die eine Seite nur halbwegs exakt weiss, was die andere tatsächlich meint - ein hier zu Lande nicht unübliches Scheingefecht der oberflächlichsten Sorte im Gange, das letztendlich niemand auch nur einen Zentimeter weiterbringt. Die unscharfen Parolen von wegen "Lohndumping", "massive Einkommenskürzungen" und "Degradierung zu Menschenmaterial" verunsichern bloss viele Österreicher, was nicht im Interesse der Erfinder sein kann. Denn flexibler müssten nicht nur die Arbeitnehmer und deren Unternehmen agieren, sondern auch alle relevanten Verhandler.
Sorger sollte jedenfalls seine Flexibilisierungs-Vorschläge nicht mehr halb verklausuliert in Referaten und Interviews darlegen -sondern beispielsweise einen runden Tisch initiieren, um mit Sozialpartnern und Experten Tacheles zu reden.

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