Strategien im Kampf gegen Übergewicht

Forum Ernährung Heute: Öffentliche Debatte wird zunehmend einseitig geführt!

Wien (PWK048) - Zum hochaktuellen Thema "Kampf gegen das Übergewicht" hat sich das Forum Ernährung heute zu Wort gemeldet. Hintergrund ist die aus Sicht des Forums und falsch laufende Diskussion von "guten" und "schlechten" Lebensmitteln. Diese Schwarz-Weiß-Malerei mag kurzfristig einfach scheinen. Zielführender ist aber die Unterscheidung einer gesunden oder ungesunden Ernährungsweise. Denn nicht einzelne Lebensmittel führen zu Übergewicht und den damit verbundenen gesundheitlichen Problemen, sondern eine positive Energiebilanz.

Bereits 1997 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Fettleibigkeit als ein großes Problem der öffentlichen Gesundheit bezeichnet und spricht mittlerweile von einer weltweiten Epidemie. Heute ist etwa ein Sechstel der Weltbevölkerung übergewichtig, davon sind 300 Millionen Menschen fettleibig. Angesichts dieser Zahlen ist unbestritten Handlungsbedarf gegeben. Die Frage ist nur, wie man dem Problem am besten begegnet. Mit Werbebeschränkungen oder fiskalischen Maßnahmen wird man kaum erfolgreich sein. Zu vielschichtig sind die Ursachen, zu komplex die wirklich erfolgsversprechenden Lösungsansätze.

Der Fachverband der Lebensmittelindustrie und das Forum Ernährung Heute (FEH) haben deshalb gemeinsam eine Initiative gestartet, um die notwendige Ernährungsdiskussion zu moderieren und ein unaufgeregtes, an Sachinhalten orientiertes Gespräch zwischen Behören, Verbrauchern, Medien und Industrie zu fördern. Im Rahmen eines Diskussionsabends erörterten Univ. Prof. Dr. Berthold Koletzko (München) und Univ. Prof. Dr. Felix Stockenhuber (Wien) mit Vertretern der Lebensmittelwirtschaft sinnvolle Maßnahmen gegen die Übergewichtsproblematik.

Koletzko betonte, dass übergewichtige Kinder in erster Linie ein falsches Freizeitverhalten aufweisen. Die geringe körperliche Aktivität ist eine der Hauptursachen für die zunehmende Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher. Bei Grundschulkindern, die täglich mehr als 2 Stunden fernsehen oder Elektronikspiele benutzen, finden wir 1,7fach häufiger Übergewicht. Das zeigt auf, wie wichtig ausreichende Alltagsbewegung, ein attraktives Sportangebot und die Vorbildwirkung der Eltern als Motivationsfaktor ist. Hier sind zunehmend Defizite beobachtbar. Hinsichtlich der Ernährungsweise unterstrich Koletzko, dass Erhebungen bei normal- und übergewichtigen Kindern gleiche Verzehrgewohnheiten für Schokolade, Kuchen sowie Chips, Erdnüsse und Kekse zeigen. Das Ernährungsverhalten bei Kindern unterliegt allerdings deutlichen Veränderungen. Gemeinsame Mahlzeiten am Familientisch werden zunehmend selten. Sozialer Kontext, kulturelle Traditionen und regelmäßige zeitliche Intervalle des Essens drohen verloren zu gehen. Problematisch sind laut Koletzko auch die steigenden Portionsgrößen bei der Außer-Haus-Verpflegung. Mit angebotenen größeren Portionen nehmen Kinder auch deutlich mehr Energie zu sich. Der Experte empfiehlt daher ausreichende körperliche Bewegung, ein attraktives Angebot kindgerechter Speisen zu Hause und in der Gemeinschaftsverpflegung sowie die Belebung einer gemeinschaftlichen Esskultur.

Stockenhuber fokussierte insbesondere die Bedeutung der Bewegung und unterstrich, dass geringe körperliche Aktivität unweigerlich mit einem niedrigen Energieverbrauch, niedriger Muskelmasse und geringer Fettverbrennung verbunden ist. Das Erfolgsgeheimnis sportlicher Aktivität liegt laut Stockenhuber in einer einfachen Formel: langsam genug (Schwellenbereich nicht überschreiten), lange genug (Fettverbrennung beginnt erst nach 20 Minuten) und oft genug (Trainingsaufbau nur bei mindestens 3 Trainingseinheiten pro Woche).

Das Ernährungsbewusstsein und -interesse bei Konsumentinnen und Konsumenten ist im Steigen begriffen. Nützen wir doch diese Bereitschaft, um mit aktiver Informationspolitik den oft zitierten "mündigen Konsumenten" zu forcieren. Transparent gemachte Qualitätskriterien für Lebensmittel sind erkennbare Entscheidungshilfen, die eine eigenverantwortliche Auswahl möglich machen. Ergänzt durch motivierende und erlebbare Gesundheitsförderungsprogramme kann mit Sicherheit mehr zum Positiven bewegt werden als durch rigide Vorgaben und ein ständiges Bemühen des berühmten schlechten Gewissens. Bekennen wir uns zur Verantwortung der Hersteller, der Gesundheitsbehörden, vor allem aber zur Verantwortung der Menschen für ihre Ernährungsweise. Geben wir positive Beispiele, die zum Nachahmen animieren: zu Hause, in der Schule, in Kommunen, in Betrieben, dort wo Menschen leben und arbeiten - um Ihnen die gesündere Wahl schmackhaft zu machen. Geben wir unseren Kindern doch die Möglichkeit, mit der Vielfalt an Lebensmitteln richtig umzugehen. Fördern wir den Spaß an einer sinnvollen aber auch genussreichen Ernährungsweise und die Freude an der Bewegung. Und wir werden Erfolg haben! (US)

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Helga Cvitkovich-Steiner
Forum Ernährung Heute
Schwarzenbergplatz 6
A-1037 Wien
Tel:+43(01)712 33 44
office@forum-ernaehrung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0001