"Die Presse" Glosse: "Neue Ministerinnen im Zweimonats-Takt" (von Michael Prüller)

Ausgabe 25.1.2004

Wien (OTS) - Da sage noch einer, die FPÖ habe nicht genug Personalressourcen für eine Regierungspartei. Immerhin haben die Freiheitlichen seit ihrem Antritt vor fünf Jahren nunmehr 18 Minister und Staatssekretäre aus ihren Reihen hervorgebracht. Das würde sogar für eine stattliche Alleinregierung reichen. In der Koalition sorgt das aber nicht gerade für Stabilität. Auch die Tatsache, dass seit dem Sommer im Zweimonats-Takt neue Ressortchefinnen in den Ministersesseln Platz nehmen, kann höchstens Gender-Mainstreaming-Fanatiker oder die engsten Freunde des Rotationsprinzips begeistern. Bei dem Tempo wären schließlich bis zum nächsten Mai alle Ministerämter ausgetauscht.
Für sich betrachtet hat die jüngste Umbildung allerdings die Regierung eher stabiler gemacht. Die FPÖ-Spitze konsolidiert ihren Außenauftritt und ihren inneren Zusammenhalt, indem sie statt des wenig strahlkräftigen Haupt die PR-mäßig grundsolide Schwester Jörg Haiders den Ministerbonus ausspielen lässt. Kein großes Risiko, zumal im Sozialbereich bis zu den Wahlen ohnehin keine harten Nüsse mehr geknackt werden. Eine etwas selbstbewusster agierende FPÖ macht auch dem Kanzler weniger Kopfzerbrechen, weil sie bei Herannahen des Wahltermins nicht wieder so leicht zu panikhafter Selbstzerfleischung neigen wird wie beim letzten Mal.
Es schaut also eher nach Biedermeier-Finale aus. Unterhaltsam wird's höchstens, wenn Familie Haubner/Haider doch noch zur Erkenntnis kommt, dass Hubert Gorbachs Vizekanzler-Titel wahlwerbetechnisch das falsche Haupt ziert.

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