Faymann: Künstler gestalten Ausstellung "Ich lebe im Gemeindebau"

Gemeindebaukultur aus der Sicht junger Künstler

Wien (OTS) - "Etwa 500.000 Wienerinnen und Wiener - und damit mehr als ein Viertel der Bevölkerung unserer Stadt - leben in einer der 220.000 Gemeindewohnungen. Unumstritten und weltweit anerkannt ist die historische, soziale und architektonische Bedeutung des Gemeindebaus. Auch die Kunst hat im sozialen Wohnbau immer eine wichtige Rolle gespielt. Weltbekannte Künstlerinnen und Künstler wie Alfred Hrdlicka, Anton Lehmden, Rudolf Hausner, Maria Biljan-Bilger und Wolfgang Hutter haben im Gemeindebau ihre Spuren hinterlassen.

In der Kunst spiegeln sich Hoffnungen, Wünsche, Träume aber auch die Sorgen der Menschen wider. Wohnen und Kunst sind seit jeher untrennbar miteinander verbunden. Wo Menschen leben, lebt auch die Kunst. Besonders begrüßenswert ist daher die Initiative der jungen Künstlerinnen und Künstler, ihr Leben im Gemeindebau künstlerisch selbstbewusst für Menschen, denen das Wiener Spezifikum Gemeindebau ein Anliegen ist, darzustellen", erklärte Wohnbaustadtrat Werner Faymann am Montag bei der Eröffnung der Ausstellung "Ich lebe im Gemeindebau".

Die Ausstellung zeigt die Exponate von 10 jungen Künstlern, die entweder im Gemeindebau aufgewachsen sind oder heute dort leben. In den Kunstwerken wird eine Annäherung an den Begriff einer spezifischen Wiener Gemeindebaukultur versucht. Ein Gemeindebauquartett, Fotografien von GemeindebaubewohnerInnen, Videos und Fotostories sowie die computerunterstützte Möglichkeit, den "spezifischen Gemeindebaudialekt" zu erlernen, sind Highlights der Ausstellung. Sie ist von 24.1. bis 30.4.2005, Montag bis Freitag zwischen 14 und 19 Uhr im Theater im Rabenhof zu sehen.

Ziel ist es der Wiener Gemeindebaukultur, die eine Besonderheit Wiens ist, über vielfältige künstlerische Formen selbstbewussten Ausdruck zu verleihen.****

Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler sprechen mit ihrer Kunst die Sprache des Gemeindebaues und wollen die BewohnerInnen desselbigen genauso ansprechen wie die Kunst interessierte Öffentlichkeit. Die künstlerische Auseinandersetzung mit der besonderen Kultur des Gemeindebaus ist eine Form der Wertschätzung, die die AkteurInnen des Projektes aufgrund ihrer persönlichen Erlebnisse der Gemeindebaukultur entgegenbringen.

Gemeindebau produziert Kultur

Der Gemeindebau produziert eine eigene Kultur,
o durch die dörfliche Struktur innerhalb der Stadt,
o durch die Nähe von vielen gleichaltrigen Menschen
o durch typische Institutionen wie den Hausbesorger/der Hausbesorgerin,
o durch die Besonderheit der Eigentumsverhältnisse,
o durch die vielen sozialen Aktivitäten von Pfarren,

Jugendzentren, Betreuungseinrichtungen, Mutterberatungsstellen, psychosoziale Zentren usw.

Diese besondere oft belächelte Kultur ermöglicht ein Miteinander von völlig unterschiedlichen Menschen und Generationen auf engem Raum. Und diese besondere Kultur hat schon manchen kreativen Kopf hervorgebracht. Das möchte das vorliegende Projekt unter Beweis stellen.

Stolz auf Gemeindebau

Es gibt keinen Grund sich für das Leben im Gemeindebau zu genieren. Ganz im Gegenteil. Die im Rahmen dieses Projektes entstehende Ausstellung soll ein anderes Bild - ein selbstbewusstes Bild - vom Gemeindebau zeichnen.

Der Gemeindebau ist nicht besser und nicht schlechter als andere soziale Gebilde. Typisch für die BewohnerInnen des Gemeindebaues ist, dass sie sich der Besonderheit ihrer eigenen Kultur nicht bewusst sind. Im Sinne des Empowerment soll dieses Kunstprojekt das Bewusstsein über die eigene Kultur verstärken und damit die Gestaltbarkeit erhöhen.

Der Rabenhof

Der gewählte Ausstellungsort ist besonders beziehungsvoll: das Theater im Rabenhof befindet sich mitten in einem der größten Gemeindebauten Wiens.

Die Anlage, (zwischen 1926 und 1928 errichtet) wurde von 1987 bis 1992 um 32 Millionen Euro saniert. Die Gesamtwohnungsanzahl beträgt seit der Sanierung 1.138. Der Rabenhof enthält unter anderem eine Zentralwaschküche, einen Kindergarten, eine Kinderzahnklinik, ein Krankenkassenlokal, einen Pensionistenklub, eine Bibliothek sowie mehrere Geschäftslokale. Das 1990 eröffnete Theater war ursprünglich ein Arbeiterfestsaal, der im Zuge der Renovierung umgebaut wurde.

Infos: http://www.ichlebeimgemeindebau.at/

(Schluss) lan

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