ÖGB-Leutner: Regierung soll Ausbildung sichern statt Situation schönreden

Berufsreifeprüfung muss für Lehrlinge gebührenfrei angeboten werden

Wien (ÖGB) - Auch wenn ein paar Jugendliche mehr in Beschäftigung stehen als im Vorjahr, auch wenn die Zahl der angebotenen Lehrstellen in geringem Ausmaß gestiegen ist, sei die Situation auf dem Lehrstellenmarkt nicht weniger alarmierend als in den vergangenen Jahren: "Ich kann den Optimismus von Minister Martin Bartenstein nicht teilen" sagte der Leitende Sekretär im ÖGB, Dr. Richard Leutner. Immer noch gibt es eine Lehrstellenlücke von fast 16.000. "Die Regierung muss das JASG-Auffangnetz sofort um zumindest 9.000 Plätze ausweiten und langfristig die Finanzierung der Lehrlingsausbildung auf einen Ausbildungsfonds umstellen, in den auch die nicht ausbildenden Unternehmen einzahlen", fordert Leutner.++++

Auch die von Bartenstein angekündigte Ausweitung des Angebots an überbetrieblichen Ausbildungsplätzen sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn Privatisierungen und Ausgliederungen gleichzeitig dazu führen, dass in (ehemals) staatsnahen Betrieben immer mehr Ausbildungsplätze wegfallen. Beim bisher größten Ausbildungsbetrieb in Österreich, den ÖBB, sind hunderte hochqualitative Lehrstellen in Gefahr, weil die Bahn nicht mehr über den eigenen Bedarf ausbilden wolle. "Jetzt liegt es an der Bundesregierung, bei den ÖBB sicherzustellen, dass sie die Kapazitäten in ihren Lehrwerkstätten ausschöpft", so der Leitende Sekretär.

Berufsreifeprüfung muss kostenlos angeboten werden

Anstatt die Berufsreifeprüfung, die bereits 1997 eingeführt wurde, als eigenen Erfolg zu verkaufen, sollte die Bundesregierung dafür sorgen, dass diese für die Lehrlinge auch leistbar werde. Derzeit kosten die notwendigen Vorbereitungskurse etwa 4.000 Euro. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hat zwar verstärkte Förderungen angekündigt, diese aber nicht präzisiert. "Der ÖGB fordert, dass die Kurse für die Berufsreifeprüfung flächendeckend gebührenfrei angeboten werden. Es ist nicht begründbar, dass die Matura für Lehrlinge etwas kostet - im Gegensatz zu schulischen Formen", sagt Leutner und kritisiert weiters, dass für viele Lehrberufe eine Berufsreifeprüfung mangels Kursen gar nicht möglich ist oder die Fachbereichsprüfung nicht abgelegt werden kann. "Auch hier ist Bundesministerin Gehrer aufgefordert, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und mit den Sozialpartnern in einen Dialog einzutreten", fordert der Leitende Sekretär im ÖGB.(fk)

ÖGB, 24. Jänner 2005 Nr. 33

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