Flutkatastrophe: Caritas hilft in Sri Lanka in engem Dialog mit den Betroffenen

4000 Übergangshütten werden errichtet / Caritas-Mitarbeiter Erfried Malle steht für Interviews zur Verfügung

Wien (OTS) - Knapp einen Monat nach der Flutkatastrophe in Südostasien machen die von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen, auch mit Hilfe der Caritas, die ersten Schritte zurück in den Allltag. "Natürlich sitzt der Schock vielen tief in den Knochen. Vor allem jene, die Angehörige verloren haben, sind traumatisiert. Gleichzeitig sehnen sie sich nach einem halbwegs normalen Leben zurück", sagt Erfried Malle. Der Caritas-Katastrophenhelfer Erfried Malle stellt derzeit in Sri Lanka (Diözese Trincomalee an der Ostküste) gemeinsam mit einem lokalen Caritas-Team nach der ersten Nothilfe bereits die Weichen für den Wiederaufbau.
Der erste Schritt zurück in die Normalität ist ein - zumindest Übergangs-mäßiges - eigenes Dach über dem Kopf: "Hilfe, die wirklich hilft, kann nur in engem Dialog mit den Betroffenen entstehen. Wir fragen sie, was sie jetzt am dringendsten brauchen, und machen das, was sie für nötig halten. Es hat keinen Sinn, wenn der Kochtopf, den sie von uns kriegen, komplett anders ist, als jene Töpfe, die sie bisher gewohnt waren."
Die Menschen möchten aus den Lagern raus, damit sie wieder ein wenig zur Ruhe kommen, ein neues Leben beginnen können, weiß Malle aus den Gesprächen mit den Flutopfern. Für den Aufbau von Übergangs-Hütten, in denen die obdachlosen Familien bis zu einem Jahr Zuflucht finden, stellen die Caritas-Mitarbeiter derzeit Pakete mit Hacke, Hammer, Schaufel, Zangen, Besen und Rechen zusammen. "Bei den Hütten bemühen wir uns, dass sie so weit es geht aus natürlichen Materialien bestehen, also etwa Bambus, Bananenblattdächer oder Palmblättern. Aus dem Material, das die Familien von uns bekommen, bauen sie sich ihre eigenen vier Wände selber auf", erzählt Malle. Bereits in den nächsten Tagen sollen die ersten Hütten stehen. Malle:
"Sobald die Landrechtsfragen geklärt sind, starten wir auch mit dem Aufbau neuer Häuser."
In der Diözese Trincomalee-Batticaloa sorgt die Caritas Österreich, auch mit Hilfe von Nachbar in Not, für ein Dach über dem Kopf für rund 4000 Familien (rund 20.000 Menschen). Die Betroffenen werden mit Werkzeugsätzen und Material zum Aufbau von 4000 Übergangs-Hütten ausgerüstet und mit Paketen für den täglichen Alltag notwendiger Dinge wie etwa Kochutensilien, Schlafmatten und Ähnliches ausgestattet. Fischer erhalten Kanus bzw. Aussenbordmotoren, damit sie sich wieder eine Existenz aufbauen können. Längerfristig sollen für die Betroffenen auch Erdbeben-sichere Häuser entstehen. Frauen, die ihre Männer durch die Katastrophe verloren haben, werden etwa zu Schneiderinnen ausgebildet, damit sie sich und ihre Kinder ernähren können. Mindestens bis Dezember 2006 wird die Caritas Österreich in Trincomalee mit dem Wiederaufbau und der Durchführung der Sozialprogramme aktiv sein.
Auf die Frage, wie man als Katastrophenhelfer die schrecklichen Eindrücke verarbeiten kann, sagt Malle: "Ich habe schon viel gesehen, aber hier kommt man selbst als erfahrener Katatrophenhelfer an seine Grenzen. Allein im Fischerdorf Sinna Kinniya sind fast 300 Menschen gestorben, bis zu 200 Metern ins Landesinnere steht dort nichts mehr. Das Krankenhaus sieht aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Doch das Schöne ist, dass wir die Not lindern können. Bei einem Arbeitstag von bis zu 15 Stunden hat man auch gar nicht die Zeit, sich mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. Wichtig ist, dass man das Erlebte später nach der Heimkehr mit Freunden und Familie bespricht und verarbeitet."
Tief berührt ist Malle von der Stärke der Menschen im Flutgebiet:
"Es ist unwahrscheinlich beeindruckend, mitzuerleben, wie sich die Leute selbst im größten Elend bemühen, stark zu sein und nach vorwärts zu schauen. In Sinna Kinniya habe ich mit einem Ehepaar gesprochen, das drei Söhne und eine Tochter verloren hat. Die beiden haben immer wieder versucht, uns zwischen ihren Tränen ein Lächeln zu schenken. Das hilft auch uns Helfern, weiterzumachen."

Der Kärntner Erfried Malle steht in Sri Lanka für Interviews zur Verfügung.
Kontakt über: Silke Ruprechtsberger, Tel: 0664/82 66 909

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