ÖGB zu IV: Veit Sorger sägt am eigenen Ast

Leitender Sekretär Dr. Richard Leutner: Geht´s den ArbeitnehmerInnen gut, geht´s auch der Wirtschaft gut

Wien (ÖGB) - Eine klare Absage an die Forderung des IV-Präsidenten Veit Sorger, die Überstunden abzuschaffen, kommt vom ÖGB: Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit nach Vorstellung der IV, diene nur dazu Überstunden in Normalstunden umzuwandeln und Überstundenschläge für die ArbeitnehmerInnen zu streichen. "Das Ergebnis wäre, dass Arbeitgeber Überstunden weiterhin anordnen können, diese aber nicht bezahlen müssten. Die IV soll nicht an jenem Ast sägen, auf dem sie sitzt. Der Wegfall der Überstundenzuschläge würde nämlich die die schleppende wirtschaftliche Entwicklung weiter verlängern", kritisiert Dr. Richard Leutner, Leitender Sekretär im ÖGB.++++

Die Argumentation der Industriellenvereinigung ist ein alter Hut und immer die gleiche. Alle paar Wochen wird der Wirtschaftsstandort Österreich krankgejammert und die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des Landes beklagt. Das einzige, dass der IV dann einfällt, ist die Forderung "Runter mit den Löhnen". "Gesamtwirtschaftlich wirkt sich diese Verunsicherung der ArbeitnehmerInnen sehr negativ aus. Nach dem Pensionsdebakel jetzt auch noch die Löhne und Gehälter zu kürzen ist auch konjunkturpolitisch der falsche Weg. Damit wird kein Aufschwung erreicht", stellt Leutner fest.

Faktum ist, dass die Arbeitskosten Österreichs im mittelfristigen Vergleich deutlich schwächer stiegen als der Rest Europas, die Produktivität aber wesentlich stärker. Damit sanken die Lohnstückkosten deutlich stärker als bei unseren Mitbewerbern. Leutner: "Das hatte zur Folge dass sich die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs deutlich verbesserte. Die Gewinne der Unternehmen stiegen deutlich stärker, ohne dass die Konjunktur deshalb deutlich und nachhaltig anstieg. Veit Sorger soll den WIFO-Monatsbericht September 2004 nachlesen. Dort ist nachzulesen, dass Österreich bei den Arbeitskosten je Stunde in der Sachgütererzeugung mit 1,6 Prozent ganz unten rangiert und bei der Entwicklung der Lohnstückkosten im Vergleich mit 20 anderen Ländern ein Minus von 2,3 Prozent ausweist. Bei der Stundenproduktivität weist Österreich hingegen ein Plus von vier Prozent aus und liegt damit hinter Irland und Griechenland auf dem hervorragenden dritten Platz unter 23 vergleichbaren Partnern.

Wenn die wirtschaftspolitischen Visionen der IV nur darin besteht, die Löhne durch Verlängerung der Arbeitszeit und durch den Wegfall der Überstundenzuschläge zu senken obwohl die Lohnsteigerungen seit längerem hinter der Produktivitätsentwicklung zurückbleiben, dann sägt die IV damit weiterhin den Ast ab, auf dem sie sitzt. Leutner abschließend: "Die IV soll nicht den guten österreichischen Wirtschaftsstandort krankjammern, um unter diesem Deckmäntelchen die Abschaffung der Überstunden zu fordern. Denn geht´s den ArbeitnehmerInnen gut, dann geht´s auch der Wirtschaft gut." (ew)

ÖGB, 24. Jänner
2005
Nr. 31

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