SPÖ fordert Frauenstiftung für Oberösterreich

Linz (OTS) - "Frauen, die von Betriebsschließungen betroffen sind, Frauen die gekündigt werden und auch Wiedereinsteigerinnen sollen die Möglichkeit bekommen, eine Ausbildung ihrer Wahl zu machen, mit der sie auch eine Chance haben, einen qualitativ hochwertigen Arbeitsplatz zu bekommen", das ist die Forderung der SPÖ-Frauenlandesrätin Dr. Silvia Stöger. Unterstützt wird sie von der Vorsitzenden des Frauenausschusses des Oö. Landtags, der 2. Landtagspräsidentin Gerda Weichsler, der SP-Landtagsabgeordneten Mag. Gertraud Jahn sowie LHStv. Dipl.-Ing. Haider, die bei der nächsten Landtagssitzung eine Frauenstiftung für Oberösterreich verlangen werden.

"Wir werden uns mit dieser extrem negativen Entwicklung für Frauen am Arbeitsmarkt und bei den Arbeitseinkommen nicht abfinden. Wir werden eine aktive und offensive Politik für die Frauen machen und nicht lockerlassen bis sich die Situation verbessert hat", kündigt LH-Stv. Erich Haider massive Unterstützung für die Frauen an.

"Bei den Betriebsschließungen und Betriebsabwanderungen, die sich leider in jüngster Vergangenheit in Oberösterreich häufen, haben vorwiegend Frauen ihren Arbeitsplatz verloren", erläutert Landtagsabgeordnete Mag. Gerti Jahn. "Die Frauenarbeitslosigkeit, die ohnedies in Oberösterreich zumeist höher als jene der Männer war, ist zuletzt noch einmal erheblich angestiegen (Dezember 2004 plus 7,8 %)".

Pikantes Detail: 48 Prozent der arbeitslosen Frauen haben keinen Berufsabschluss (2003)! "Daher ist es uns ein so großes Anliegen, die Installierung dieser Frauenstiftung rasch voranzutreiben, denn diese Einrichtung würde gerade diesen Frauen die Möglichkeit bieten, ihre Berufsausbildung nachzuholen und damit die Chance auf einen qualifizierten Arbeitsplatz zu erhöhen", räumt 2. Landtagspräsidentin Weichsler ein und fordert insbesondere auch die Frauen der anderen Fraktionen im Landtag auf, den Antrag der SPÖ zu unterstützen.

Frauen werden in Jobs mit Niedrigeinkommen gedrängt

Die vom österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut erstellte Beschäftigungsprognose für Oberösterreich zeigt, dass die Zahl der Arbeitsplätze für Frauen bis 2008 zwar steigen wird, die Hälfte dieser zusätzlichen Beschäftigung für Frauen werden jedoch Jobs mit niedrigen Einkommen und geringen Aufstiegsmöglichkeiten sein.

"Bereits jetzt verdienen die Frauen in Oberösterreich beim durchschnittlichen Jahresbruttoeinkommen laut Lohnsteuerstatistik 2003 um 35,6 %, das sind um Euro 12.869,-- im Jahr weniger als die Männer. Und das auf Basis von ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung! Im Österreichvergleich sind wir dabei an vorletzter Stelle (Einkommensnachteil im Österreichschnitt 30,8%)", erläutert Frauenlandesrätin Stöger. "Wenn nicht rasch gegengesteuert wird, werden die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen noch größer und es werden noch mehr Frauen als Hilfskräfte arbeiten müssen!", zeichnet sie ein düsteres Bild.
So zeigt die Beschäftigungsprognose, dass insgesamt weniger Hilfskräfte in Oberösterreich gebraucht werden, bei den Frauen hingegen werden sie noch beträchtlich ansteigen.

Gleichzeitig wird es aber auch zu einer stärkeren Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften kommen. Es gibt eine Reihe von wachsenden Branchen, die auch für Frauen besonders attraktiv sein können. Etwa bei den wieder dynamisch wachsenden EDV-Berufen, bei unternehmensnahen Dienstleistungen wie Finanzwesen, Werbewesen, Markt- und Meinungsforschung, Untersuchungs- und Prüflabors, Übersetzungsbüros, bei medizinischen Fachberufen sowie auch in handwerklichen Berufen und Ingenieurberufen.

"Dazu braucht es aber die Möglichkeit, solche Qualifikationen nachmachen zu können. Es soll daher eine Frauenstiftung für Oberösterreich geschaffen werden, mit deren Hilfe Frauen, die arbeitslos werden, aber auch Wiedereinsteigerinnen und im Endausbau auch beschäftigte Frauen, die eine bessere Qualifikation brauchen, qualifizierte Ausbildungen nachholen können", unterstreicht Landesrätin Stöger die Wichtigkeit dieser Einrichtung.
Und Landtagsabgeordnete Mag. Gerti Jahn erläutert die Vorteile einer solchen Stiftung: "Frauen können im Rahmen einer Berufsorientierungsphase am Beginn ihre Talente und Neigungen herausfiltern, denn wirklich gut ist man im Beruf, wenn er den eigenen Neigungen entspricht. Es ist jederzeitiger Einstieg möglich. So kann die Arbeitslosigkeitsphase vor einer Qualifizierung möglichst kurz gehalten werden. Die Vermittlungsquote ist hoch - 80 bis 90 Prozent - weil das regionale Arbeitsplatzangebot entsprechend berücksichtigt wird und die Stiftung die Frauen auch bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützt."

Bündelung der Ressourcen schafft Erfolg

Die Stiftung führt die Ausbildungen in der Regel nicht selbstständig durch, sondern managt die Umsetzung des Bildungsplanes der einzelnen Frauen - z.B. Kooperation mit AMS, regionalen Ausbildungseinrichtungen, Fachschulen, etc.
Sie ersetzt auch nicht bestehende Möglichkeiten wie AMS-Kurse oder Implacementstiftungen (eine Stiftung in der Arbeitslose bereits einen Dienstgeber gefunden haben und für dessen Anforderungen aufqualifiziert werden). Hier ergeben sich Möglichkeiten der Kooperation soweit es nicht in erster Linie Kurzqualifizierungen sind.

Stiftungen in Branchen mit hohen Frauenanteil dringend notwendig

Werden größere Betriebe geschlossen, kommt es meist durch die Sozialplanverhandlungen der Gewerkschaften zu einer Betriebsstiftung (Högl, Dreefs, Solvay, Carrera, Steiff). Es gibt in OÖ auch Stiftungen von größeren Betrieben, die sich freiwillig zusammengeschlossen haben um Mitarbeitern, die sie kündigen, die Möglichkeit anzubieten, über diese Stiftungen eine Ausbildung zu machen - z.B. Qualifizierungsverbund Linz-Land oder offene Arbeitsstiftung Steyr. Zumeist sind diese freiwilligen Stiftungen in sehr erfolgreichen Betrieben, die vorwiegend Männer beschäftigen. "In den typischen Frauenbranchen wie z.B. im Handel oder im Gastgewerbe findet man die freiwilligen Stiftungen nicht. Und es geht vor allem auch um die vielen einzelnen Frauen, die ihren Arbeitsplatz in Klein-und Mittelbetrieben verlieren", ergänzt Präsidentin Weichsler.

Die Frauenstiftung könnte beispielsweise an die vom AMS geplanten regionalen Insolvenzstiftungen angegliedert werden. Dann wäre in jeder Region eine entsprechende Einrichtung vorhanden. Das Konzept soll von der Landesregierung gemeinsam mit dem AMS und den Sozialpartnern erstellt werden. Die Finanzierung sollte über Land und AMS unter finanzieller Beteiligung der Betriebe aufgestellt werden. Bei den bereits bestehenden Stiftungen zahlt das AMS das Arbeitslosengeld (im Insolvenzfall auch weitere anfallende Kosten), das Land Ausbildungskosten und der Betrieb ein Stipendium sowie die Kosten der Stiftung. Konzentriert man die Stiftung vor allem auf Branchen mit hohem Frauenanteil und auf Klein- und Mittelbetriebe (KMU) müsste das Land den Betriebsbeitrag für KMU’s fördern, um erfolgreich Betriebe gewinnen zu können.

Neben dem Arbeitslosengeld, das aus der Arbeitslosenversicherung bezahlt würde, ist mit durchschnittlichen Kosten pro Teilnehmerin von 5300 Euro für Ausbildung, Stipendium und Stiftungsmanagement zu rechnen. Unter der Annahme, dass vorerst 500 Frauen dieses Angebot in Anspruch nehmen, ist ein Finanzierungsbedarf von 2,65 Mio. Euro zu veranschlagen. Dazu müsste das Land einen wesentlichen Beitrag leisten. Je höher der Landesbeitrag ist, umso niedriger ist in der Folge auch der von den Betrieben benötigte Beitrag.

"Frauen brauchen die Chance eine Ausbildung nachzuholen, sonst wird ihre Benachteiligung im Beruf noch stärker. Eine Frauenstiftung für Oberösterreich wäre ein entscheidender Schritt vorwärts!", so das Credo der engagierten SP-Frauen.

Tel.: (o732) 7720-11313

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SPÖ-Landtagsklub
Mag. Andreas Ortner

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