WirtschaftsBlatt Kommentar vom 22.1.2005: HVB - Der Feind in meinem Keller - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Die Aktionäre der Hypovereinsbank scheinen irgendwo
in den Tiefen des Unternehmens einen grimmigen Feind sitzen zu haben. Obwohl der Bank alle paar Wochen ein anderer Übernehmer nachgesagt wird und sie alle Jahre treuherzig versichert, jetzt seien aber wirklich alle Verlustbringer beseitigt und einer sorgenfreien Zukunft stünde nichts mehr im Wege, schafft es dieser Feind dann doch wieder, noch ein paar Leichen aus dem Keller zu zerren und den Aktienkurs noch ein bisserl tiefer zu stossen.
Vermutlich steckt dieser Feind auch dahinter, dass der einzige Lichtblick im Konzern, die Österreich-Tochter BA-CA, auf den Ostmärkten nicht unter ihrem Namen, sondern als HVB auftreten muss und zudem jetzt ausgerechnet von jenem Manager an die Kandare genommen werden soll, in dessen Verantwortungsbereich unter anderem auch das gestern aufgetauchte Debakel mit den Immobilienfinanzierungen passiert ist.
Dieser Feind hat es also offenbar darauf abgesehen, die Papiere in den Händen der HVB-Aktionäre zu wertloser Makulatur schrumpfen zu lassen. Grossaktionär Münchner Rück hat gestern auch bereits angekündigt, wegen der HVB-Probleme seine eigenen Gewinnziele reduzieren zu müssen.
Diesmal scheint es der Feind allerdings übertrieben zu haben: Als gestern nach einer Stunde Unterbrechung der Handel mit den HVB-Papieren wieder aufgenommen wurde, machte die Aktie nicht den Köpfler, den man angesichts eines plötzlich aufgetauchten Wertberichtigungsbedarfs in Milliardenhöhe eigentlich erwarten hätte müssen. Im Gegenteil: HVB notierte nach der Unterbrechung fast fünf Prozent höher als vorher, ehe sich die Kurse wieder auf das Niveau der frühen Morgenstunden einpendelten.
Da Aktienhändler nicht überwiegend zu Masochismus neigen, liegt eine andere Interpretation näher: Die Hervorräumung der letzten(?) Keller-Leichen gilt als Signal für die jetzt wirklich unmittelbar bevorstehende Übernahme der HVB.
Was sicher nicht ihr Schaden wäre - wenn es dabei gelingt, den Feind im Keller auszuschalten.
PS: Die HVB-Aktie ging gestern, anderthalb Stunden bevor ihr Handel ausgesetzt wurde, ohne erkennbaren Anlass in einen steilen Sinkflug über. Wäre das in Wien passiert, wo ja bekanntlich alle miteinander verhabert sind, wäre das wohl als Zeichen für Insiderhandel gewertet worden. Aber in Frankfurt gibt es so etwas ja nicht. Dafür gibt es dort halt unerklärliche Phänomene.

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