Generika: Kostenvorteil wird an PatientInnen nicht weitergegeben

Österreich wird Schlusslicht bei Generikaverordnungen in der EU bleiben

Wien (OTS) - Seit 1.1.2005 müssen neue Generika sogar zunächst in die Red Box und sind dort somit chefärztlich zu genehmigen! Das neue Aufnahmeverfahren in den Erstattungskodex verhindert außerdem, dass neue Generika unmittelbar nach Patentablauf zur Verfügung stehen können. "Diese Markteintrittsverzögerung von bis zu 5 Monaten muss korrigiert werden", fordert Wolfgang Andiel, Obmann des Österreichischen Generikaverbandes (OEGV): "Der Kostenvorteil kann in dieser Zeit nicht genutzt werden und fällt zu Lasten der BeitragszahlerInnen." In Österreich liegt der Verordnungsanteil von Generika bei lediglich 13 Prozent, in der EU bei 27 Prozent und in Deutschland sogar bei 54 Prozent im Jahr 2004.

"Generika sind ein wichtiger Bestandteil des Innovationszyklusses von Arzneimitteln. Die mit Generika erzielten Kosteneinsparungen finanzieren den therapeutischen Zusatznutzen von echten Innovationen. Diese Tatsache ist mittlerweile allgemein akzeptiert", erläutert Andiel und weiter: "Je höher der Generika-Anteil umso mehr Geld wird für wirklich innovative Arzneimittel frei."

Kostenvorteil wird an PatientInnen nicht weitergegeben

Trotz des extrem niedrigen Markteintrittspreises für Generika -rund die Hälfte - werden die Kostenvorteile nicht in Form der bereits von der Bundesregierung angekündigten und nicht eingehaltenen gesenkten Rezeptgebühr an PatientInnen weitergegeben. Die gesenkte Rezeptgebühr für alle Generika käme beiden Seiten zugute: den Krankenkassen und den PatientInnen. "Dass der erhöhte Einsatz von Generika zwingend notwendig ist, um die Qualität des Gesundheitssystems sicher zu stellen, hat sich bereits in ganz Europa herumgesprochen, nur nicht in Österreich", stellt Andiel fest.

Das neue Erstattungsverfahren bringt nur Nachteile für Generika

Generika kommen - wie alle neuen Arzneimitteln - zunächst in die Red Box und sind somit ebenfalls chefarztpflichtig. Erst nach bis zu fünf Monaten, wie die Praxis zeigt, sind sie im grünen Bereich und damit für die Ärzte frei verschreibbar. Dieses neue Erstattungsverfahren verzögert außerdem den Zugang zu neuen preisgünstigen Generika, denn der Aufnahmeantrag kann erst nach Patentablauf gestellt werden. Bisher konnten Generika zu diesem Zeitpunkt bereits kassenfrei verordnet werden. Die österreichischen BeitragszahlerInnen bekommen die Rechnung präsentiert. "Es wäre sinnvoll, das Erstattungsverfahren wie in anderen EU-Ländern zu gestalten", betont Andiel: "Generika stehen dort unmittelbar nach Patentfreiwerdung den Patienten zur Verfügung. Denn niemand kann ernsthaft eine Verzögerung um fünf Monate gewollt haben. Das entspräche ja einer vom Hauptverband geschenkten Patentverlängerung! Wir hoffen, dass im Zuge der Evaluierung der neuen Gesetzgebung im Jahr 2006, diese Markteintrittsverzögerung korrigiert wird. Schließlich war es das Ziel der Bundesregierung, den Verordnungsanteil von Generika von derzeit 13 Prozent auf ein europäisches Niveau von 27 Prozent zu heben."

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Ansprechperson: Waltraud Janisch-Lang MAS
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