Mehr Markt im Gesundheitswesen ist möglich und wünschenswert

Gesundheitsexperten diskutierten über das Gesundheitssystem im Spannungsfeld zwischen Staat, Selbstverwaltung und Markt

Wien (OTS) - Im österreichischen Gesundheitssystem, insbesondere
im Versicherungsbereich, sei mehr Markt möglich und wünschenswert. Dies betonte Werner Eduard Neudeck, Gesundheitsökonom und Professor für Internationale Wirtschaft an der Politischen Akademie in Wien, bei der Diskussionsveranstaltung "Zukunftsmarkt Gesundheit auf Kollisionskurs?". Stefan Felder, Professor für Gesundheitsökonomie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg plädierte dabei für die freie Kassenwahl für Versicherte. Da in Österreich aber schon vor einigen Jahren die Entscheidung zugunsten der Pflichtversicherung (und nicht für die Versicherungspflicht) gefallen ist, urgierte Martin Gleitsmann, Leiter der WKO-Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit, Wahlmöglichkeiten innerhalb der Pflichtversicherung: "Da wünsche ich mir mehr Bewegung in unserem Land und mehr Mut, Neues zu probieren", so Gleitsmann. Gesundheitsministerium Maria Rauch-Kallat, die unterstrich, dass der niederschwellige Zugang zum Gesundheitssystem in Österreich auch in Zukunft gewährleistet sein wird, betonte, dass sie sich vor allem im Gesundheitsförderungsbereich mehr Markt wünsche.

Der Diskussionsabend wurde von Austria perspektiv - Ein Institut der Österreichischen Wirtschaft und der Ärztekammer für Wien in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich, der Industriellenvereinigung und der Tageszeitung "Die Presse" veranstaltet.

Als "rechtfertigbare" Staatseingriffe bezeichnete Neudeck: eine Versicherungspflicht für ausgewählte Leistungen, eine staatliche Subventionierung gewisser Behandlungen und Versicherungsverträge, eine Monopolkontrolle und eine Informationspolitik inklusive Missbrauchskontrolle. "Die tatsächliche Durchführung der Behandlung und die Bereitstellung der Versicherung kann privaten Anbietern überlassen bleiben". Dem Konsumenten-Patienten durchaus zumutbar sei die Finanzierung vieler - vor allem kleinerer und nicht überlebensnotwendiger - Gesundheitsausgaben. Stefan Felder nannte drei "optimale Anreize für Leistungserbringer: Der Preis für eine bezahlte Leistung sollte den tatsächlichen Kosten ihrer Produktion entsprechen , die Vergütung einer Leistung sollte unabhängig davon sein, in welcher Betriebsform sie erfolgt und die Vergütung sollte prinzipiell durch die Leistungsinanspruchnahme ausgelöst werden". Bedingungen für einen zukunftsfähigen Gesundheitsmarkt auf der Angebotsseite sind nach Ansicht des Gesundheitsökonomen eine Aufhebung der sektoriellen Trennung der Leistungserbringung, Monistik in der Finanzierung soweit wie möglich, eine integrierte Versorgung und eine freie Kontrahierung der Leistungserbringer. Auf der Nachfrageseite sprach sich Felder für eine Abkoppelung der Krankenkassenbeiträge vom Arbeitsmarkt, für die Aufteilung in gesetzliche Grund- und private Zusatzversicherung sowie für eine stärkere Selbstbeteiligung der Versicherten aus.

Mehr Eigenverantwortung forderte bei der anschließenden Podiumsdiskussion, die von Martina Salomon moderiert wurde, Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber. Er beklagte im Gesundheitswesen das Fehlen von Gesundheitszielen und eines gesamtheitlichen Ansatzes und wünschte sich mehr Wettbewerb und Prävention sowie Marketing und die Anwendung moderner Managementmethoden. Eine verstärkte Diskussion über das Menschenbild mahnte Johannes Steinhart, der ärztliche Leiter der Krankenanstalt des Göttlichen Heilandes ein. Gesundheit sei ein komplexes Thema, das weit über die Ökonomie hinausgeht. "Das System endet am Einzelfall und wir müssen nachdenken, ob unsere Entscheidungen zu Verbesserungen für den Patienten führen". Auch der Schweizer Gesundheitsexperte Harald Telser von Plaut Economics meinte, in der politischen Diskussion gehe es hauptsächlich um die Kosten, es sei aber notwendig, sich vermehrt mit der Nutzenmessung zu befassen.

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