WKÖ-Haiden: Basel II-Rating geht jeden Unternehmer an

38 % der Unternehmen haben noch nicht von Basel II gehört - WKÖ setzt erfolgreiches Lobbying in Brüssel fort

Wien (PWK038) - Im Rahmen einer Podiumsdiskussion im "Club Basel
II" der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) betonte WKÖ-Vizepräsident René Alfons Haiden, dass "Basel II jedes Unternehmen in Österreich betrifft, egal wie klein es ist, es wird unter die neuen Regelungen der künftig bindenden Kreditvergaberegelungen fallen, die aber schon jetzt schon teilweise von den Banken angewendet werden." Zwar geben 61 % der heimischen Unternehmen in einer WKÖ-Umfrage an, von Basel II schon gehört zu haben, aber nur 16 % sehen sich (lt. OeNB-Umfrage) darauf vorbereitet. 58 % glauben, keine Vorbereitungen treffen zu müssen, da sie davon ausgehen, nicht davon betroffen zu sein. Haiden empfiehlt allen Unternehmerinnen und Unternehmern, sich mit dem Thema Rating - also der Bonitätsbeurteilung des Kreditnehmers durch die Bank - auseinanderzusetzen..

Haiden kündigte an, dass die WKÖ trotz bereits beachtlicher Erfolge, wie die Besserstellung von Krediten unter 1 Mio Euro, weiterhin Lobbying in Brüssel betreiben wird, um weitere Verbesserungen, die auf die spezifische Situation der österreichischen Unternehmens- und Bankenstruktur eingehen, durchzusetzen.". So hat Präsident Christoph Leitl gemeinsam mit Vizepräsident Haiden sowie Experten aus der WKÖ und der Nationalbank im Dezember die österreichischen Abgeordneten zum EU-Parlament in einem von der WKÖ organisierten Workshop über die aktuellen Anliegen der Wirtschaft informiert. Am 18. Jänner. haben Leitl und Haiden sowie der Bundesspartengeschäftsführer der Banken, Herbert Pichler, den Finanzausschuss des Nationalrates über die Anliegen der kreditnehmenden und der kreditgebenden Wirtschaft informiert. "42 % der österreichischen Unternehmen sind Kleinstbetriebe ohne Mitarbeiter und es gibt hierzulande über 800 Geschäftsbanken -genauso viele wie im doch etwas größeren Italien", so Haiden.

Karl Fröstl, Sprecher der Akkreditierten Basel II-Consultants, betonte wie wichtig die gute Vorbereitung der Unternehmen auf das Rating sei. "Jeder Kreditkunde wird schon jetzt in Hinblick auf Basel II von den Banken durchleuchtet. Der Kunde muss die Bank selbst mit Informationen über seinen Betrieb versorgen." Die Basel II-Consultants sind Unternehmensberater, die auf Fragen des Ratings und der Kreditfinanzierung spezialisiert sind. Die aktive, offensive Informationspolitik gegenüber dem Kreditinstitut werde immer wichtiger, da nicht mehr nur der lokale Bankbeamte, sondern auch Kreditabteilungen in den Zentralen der Banken das Rating und somit die Kreditkonditionen und -vergabe bewilligen.

Robert Bodenstein, Obmann Stellvertreter der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Wienappellierte an die Banken, die Ratingsysteme noch zu modifizieren, da es sonst für manche Jungunternehmer schwieriger werden könnte, einen Kredit zu bekommen." Basel II schreibt den Banken nicht vor, nach welchen Kriterien sie ein Unternehmen zu raten haben.

Karl Sevelda, RZB-Vorstandsmitglied, wies darauf hin, dass Unternehmer, die unter 1 Mio Euro Kredit aufnehmen, unter Basel II begünstigt behandelt werden. Künftig müssen Banken für derartige Kredite weniger Bankeigenmittel bereitstellen, als derzeit. Als negativen Aspekt von Basel II befürchtete Sevelda allerdings einen großen Verwaltungsaufwand für die Banken und eine Verbürokratisierung: "Alleine die Umstellung auf Basel II kostet die RZB inklusive ihrer Tochtergesellschaften rund 100 Millionen Euro." Zur speziellen österreichischen Situation merkte er noch an, dass die Bankenfinanzierung hierzulande einen sehr hohen Stellenwert habe. 79 % der Unternehmensfinanzierungen laufe in Österreich über die Banken. Im Euro-Raum sind es 50 %, in den USA nur 25 %. Die Gründe liegen in einem unterentwickelten Kapitalmarkt und einem vor allem in der Vergangenheit stark kreditorientierten Förderwesen. Die Befürchtungen von Unternehmen, künftig schwerer zu Krediten zu kommen entkräftet Sevelda: "Das was Banken künftig durch die Basel II-Regelungen machen müssen, nämlich die ‚Durchleutchtung’ des Kunden um zu einem Rating zu kommen, haben gute Banken schon seit Jahren gemacht. Es ist also eigentlich nichts Neues."

Um das Rating zu verbessern, empfiehlt Matthias Bischof vom Austria Wirtschaftsservice (AWS), die Hausbank "mit Informationen zum Unternehmen zu füttern und sich aber auch nach alternativen Finanzierungsmodellen umzusehen." Das AWS unterstütze Unternehmen dabei und springe auch für Bürgschaften ein. (BS)

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