"Neues Volksblatt" Kommentar: "Versuchung" (Von Markus Ebert)

Ausgabe vom 20. Jänner 2005

Linz (OTS) - Es gehört zum parteipolitischen Tagesgeschäft, mit dem Finger auf den Mitbewerber zu zeigen und zu betonen, wie sehr dieser falsch liege.
Es gehört aber ebenso zum parteipolitischen Tagesgeschäft, in bestimmten Fragen den Konsens nicht nur zu suchen, sondern ihn auch zu leben. Durchaus konsensfähig etwa mag die Aussage von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel beim gestrigen Widerstandssymposium sein, wonach der österreichische Widerstand gegen das Naziregime in den Jahren 1938 bis 1945 kein Monopol gewisser Gruppen gewesen sei. Ebenso wenig war es ein Monopol bestimmter Gruppen, um den Staatsvertrag zu kämpfen oder sich für die EU-Mitgliedschaft Österreichs einzusetzen.
So wünschenswert im heurigen Gedankenjahr eine kritische Reflexion dieser jüngeren Geschichte Österreichs ist, so wenig sollte daraus das übliche tagespolitische Hickhack mit dem gegenseitigen Aufrechnen von Fehlern werden. Dass die SPÖ dieser Versuchung nicht widerstehen kann und in Bezug auf die nach dem Krieg angeworbenen Ex-Nazis mit dem Finger auf andere zeigt, lässt freilich wenig Gutes erwarten.

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