SLÖ-Wien: "Antipädagogik und Halbwahrheiten"

Gehrer zeigt gute Ansätze - ihre konkreten Vorstellung sind aber zu kritisieren

Wien (OTS) "Es ist sehr erfreulich, dass sich Ministerin Gehrer für den Ausbau der ganztägigen Betreuung, eine gemeinsame LehrerInnenausbildung und ein verpflichtendes Kindergartenjahr ausspricht", betonte am Mittwoch Regina Grubich-Müller, Vorsitzende des Sozialdemokratischen Lehrervereins Wien (SLÖ Wien). "Betrachtet man aber entsprechende Aussendungen, so sehe ich es als meine Pflicht, hier aufklärend zu wirken", so Grubich-Müller weiter. ****

Ausbau der ganztägigen Betreuung

Laut Gehrer wurden die zum Ausbau der ganztägigen Betreuung zur Verfügung gestellten LehrerInnenressourcen nicht gänzlich genutzt, sie verschweigt aber, dass es für die bereits bestehende Betreuung bis dato keinerlei Lehrerstunden gab. Wien bekam für den Ausbau etwa 16 LehrerInnen, wendet aber tatsächlich an die 200 Dienstposten auf. Das heißt, dass das Bildungsministerium nur zu 10% dem tatsächlichen Bedarf nach ganztägiger Betreuung entspricht. "Zudem reicht es nicht, lediglich LehrerInnen zur Verfügung zu stellen. Die Schaffung der entsprechenden Infrastruktur ist ebenfalls notwendig und stellt manche Länder vor große finanzielle Schwierigkeiten. Hier dürfen die Länder nicht im Stich gelassen werden", so die Vorsitzende des SLÖ Wien.

Gemeinsame LehrerInnenausbildung

Eine Aufnahmeprüfung für LehramtsstudentInnen ist genauso sinnvoll wie eine Aufnahmeprüfung in die AHS, bei der festgestellt werden soll, ob der Schüler / die Schülerin die Matura schaffen wird. Auch bei den LehramtsstudentInnen stellt sich die Frage, welche Indikatoren es denn sind, die darüber Aussage geben können, ob jemand ein gute/r LehrerIn wird - Noch bevor er/sie überhaupt mit dem Studium begonnen hat. Grubich-Müller kritisiert weiter: "Ich halte das für Chancendiebstahl. Vielmehr wäre ein Einstiegspraktikum, das den AspirantInnen die Schulrealität hautnah erleben lässt, mit gezielten Rückmeldeverfahren der StudienbetreuerInnen sinnvoll." Für den SLÖ-Wien ist es auch nicht nachvollziehbar, dass AHS-Oberstufen-LerherInnen aus der gemeinsamen Ausbildung herausgenommen werden sollen. "Ist hier geplant, eine neue Art Zwei-Klassen-LehrerInnen zu schaffen?", fragt Grubich-Müller.

Verpflichtendes Kindergartenjahr

"Die Vorverlegung der Schülereinschreibung zu dem Zweck, jene Kinder herauszufiltern, die mangelnde Deutschkenntnisse haben, ist eine Diffamierung, die schwer zu verurteilen ist", empört sich Grubich-Müller, denn das Sprachdefizit ist nur eines von vielen möglichen Defiziten. Um jene Kompetenzen, die schon beim Schuleintritt erwartet werden zu garantieren, hält Grubich-Müller ein verpflichtendes Kindergartenjahr für die einzige sinnvolle Lösung.

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