Bedenk- und Gedenkjahr für eine große Frau - Margarete Schütte-Lihotzky

Wien (OTS) - Am 18. Jänner 2005 jährt sich der Tod von Margarete Schütte-Lihotzky zum fünften Mal. Sie verstarb nur wenige Tage vor ihrem einhundertunddritten Geburtstag.

1897 in Wien geboren war Architektin Margarethe Schütte-Lihotzky die erste Frau, die an der Wiener Kunstgewerbeschule (heute Universität für Angewandte Kunst) studierte. 1917 gewann sie den ersten Preis in einem Wettbewerb für die beste Lösung "Eine Wohnküche in der äußeren Vorstadt". Bereits mit zwanzig Jahren hatte sie ihren Weg gefunden - soziale Bedürfnisse und Architektur zusammenzubringen. Ab 1920 ist sie Mitarbeitin in der Wiener Siedlerbewegung (u. a. bei Adolf Loos).

Mit der so genannten "Frankfurter Küche" erwarb sich Margarethe Schütte-Lihotzky Ende der 20er Jahre einen Namen. Von der "Mutter der Einbauküche" wurden rund 10.000 Stück verkauft. Auf knappen sechseinhalb Quadratmetern entwarf sie nach dem Vorbild der Speisewagenküche ein "Koch-Labor" für das gewandelte Rollenverständnis der Frauen im Europa der Neuen Sachlichkeit.

1930 ging sie mit Ernst May und seinem Team in die Sowjetunion, wo sie soziale Einrichtungen besonders für Kinder plante. Ihre Arbeiten führen sie auch nach Japan und China.

1938 bis 1940 lebt Margarethe Schütte-Lihotzky gemeinsam mit ihrem Mann in Istanbul. Sie lernte dort den Architekten Herbert Eichhölzer kennen, der eine österreichische antifaschistische Widerstandsgruppe in der Türkei aufbaut, der sie sich anschloss. 1939 wurde sie Mitglied der KPÖ.

Um Verbindung zum österreichischen Widerstand aufzunehmen, reiste sie Ende 1940 nach Wien. Sie wurde 1942 gemeinsam mit Erwin Puschmann, dem damaligen Kopf des kommunistischen Widerstandes, von der Gestapo verhaftet. Sie wurde zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 29. April 1945 wurde sie durch die amerikanische Truppen aus dem Zuchthaus Aichach in Bayern befreit.

Als Margarethe Schütte-Lihotzky im Januar 1947 nach Wien zurückkehrt, sieht sie sich geprellt. Ihr politisches Engagement kostet ihr in Österreich ihre berufliche Karriere, sie bekommt keine Aufträge. Als Kommunistin wurde sie jahrzehntelang boykottiert. Sie arbeitet im Ausland, unter anderem in Bulgarien, Cuba und der DDR.

Trotzdem setzt sie ihr politisches Engagement in der KPÖ und im Bund Demokratischer Frauen fort.

Erst spät kommt sie auch in Österreich zu Ehren. 1980 wurde ihr der Preis für Architektur der Stadt Wien verliehen, 1985 die Prechtl Medaille der TU-Wien. In der Folge wurde Margarete Schütte-Lihotzky mit der Ehrendoktorwürde mehrerer Universitäten ausgezeichnet.

Als ihr 1988 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, auf Vorschlag von Roland Rainer, angetragen wird, lehnt sie ab - von Bundespräsident Kurt Waldheim wollte sie eingedenk der unbewältigten Vergangenheit keine Auszeichnung entgegennehmen. Erst Jahre später stimmte sie schließlich der Verleihung durch Bundespräsident Klestil und Minister Scholten zu.

1993 erhielt sie als eine der wenigen Frauen die Ehrendoktorwürde der TU Berlin. Im Sommer des gleichen Jahres ehrte sie das Museum für Angewandte Kunst (MAK) mit eine große Ausstellung.

Sie war Österreichs erste Architektin. Sie war Widerstandskämpferin und Kommunistin. Mehr als ein halbes Jahrhundert wohnte sie in Margareten.

Aus gegebenem Anlass zeigt das Filmcasino am 6. Februar 2005 um 11 Uhr in einer Sonntagsmatinée den Dokumentarfilm "Margarete Schütte-Lihotzky - Erinnerungen aus dem Widerstand" von Uwe Bolius und Robert Angst.

Der Regisseur des Films, Uwe Bolius, und Dipl.Ing. Wolf Jurjans, beide Margaretner, werden die Filmvorführung kurz kommentieren.

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