"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Weniger Gläubige, weniger Geld" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 18.01.2005

Wien (OTS) - Mehr Menschen denn je haben der Kirche im Vorjahr den Rücken gekehrt. Manchen war es ein ehrliches Anliegen, sich durch den Austritt von katholischer Doppelmoral zu distanzieren. Für andere lieferten der Sexskandal in der Diözese von Bischof Kurt Krenn und die Vorwürfe gegen Kaplan Paterno wohl nur den Vorwand, sich von lästigen Beitragszahlungen zu befreien.
Im Gegensatz zum "Fall Groer" haben Österreichs Bischöfe diesmal relativ schnell und entschlossen reagiert. Sie haben die Fehler weder ignoriert noch bagatellisiert. Bei Groer waren die Anschuldigungen sexueller Übergriffe gegen Jugendliche im Priesterseminar zunächst empört zurückgewiesen worden, ehe sich Kardinal Schönborn später bei den Betroffenen entschuldigte.
Das Krisenmanagement ist also besser geworden, aber von einer ernsthaften Erneuerungsdiskussion ist wenig zu merken. Immerhin hat vor fast genau zehn Jahren mehr als eine halbe Million Menschen das "Kirchenvolksbegehren" unterschrieben. Frohbotschaft statt Drohbotschaft, eine positive Bewertung der Sexualität und die freie Wahl der Priester zwischen zölibatärer und nicht zölibatärer Lebensform waren die Hauptanliegen.
Um den damals gestarteten "Dialog für Österreich" ist es inzwischen sehr still geworden. Die Rechnung bekommt die Kirche jetzt präsentiert. Der Abgang an Mitläufern schmerzt vor allem finanziell, der Verlust an Gläubigen sollte zu denken geben.

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