TOURISMUSBERICHT 2003: ÖSTERREICHS FREMDENVERKEHR IN ZAHLEN Internationale Spitzenposition gehalten, Zukunftsperspektiven gut

Wien (PK) - Österreich hat seine Spitzenposition im internationalen Tourismus im Jahr 2003 ausgebaut: 19,1 Millionen Gäste aus dem Ausland, um 2,5 % mehr als 2002, besuchten heimische Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze. Die Zahl der Nächtigungen stieg um 1 % auf 118 Millionen, der Umsatz um 4,2 % auf 17,87 Mrd. €: Der Tourismus wuchs sechsmal schneller als die Gesamtwirtschaft mit 0,7 %. Die Pro-Kopf-Einnahmen der Österreicher aus dem internationalen Reiseverkehr nahmen 2003 um 2,6 % auf den Spitzenwert von 1.515 € zu. Es folgen die Schweiz (1.118,7 €), Dänemark (1.077,7 €), Island (986,7 €) sowie Belgien-Luxemburg (927,3 €), der Europäische Durchschnitt lag bei 458 €. Dies geht aus dem Tourismusbericht 2003 hervor, den Wirtschaftsminister Bartenstein dem Nationalrat kürzlich vorlegte (III-117 d.B.).

Addiert man die Ausgaben in- und ausländischer Gäste, die Freizeitaufwendungen der Österreicher am Wohnort und die Ausgaben für Dienst- und Geschäftsreisen erhält man für das Jahr 2003 eine Summe von 48,41 Mrd. €. Der Anteil der Tourismusausgaben heimischer und ausländischer Gäste am BIP betrug 2003 9,6 %, unter Einbeziehung des Freizeitkonsums der Inländer um Wohnort erreichte die Branche einen BIP-Anteil von 17,9 %.

Das neue TSA-Konzept ("Tourismus-Satelliten-Konto") erfasst die Reiseausgaben der Österreicher im Inland wesentlich besser als bisher und ergab, dass die Österreicher für Inlandsaufenthalte um 5,1 % mehr ausgaben als 2002. Der Überschuss der Reiseverkehrsbilanz stieg von 3,08 Mrd. € (2002) auf 3,2 Mrd. € (2003) und machte 1,4 % des BIP aus.

Die gesamte Wertschöpfung, die von der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Österreich 2003 ausging, beziffern Experten mit 42,6 Mrd. € bzw. 19 % des BIP. 56,6 % davon entfallen auf den Reiseverkehr, der Rest auf den Freizeitkonsum der Österreicher am Wohnort. Dienst- und Geschäftsreisen bleiben dabei unberücksichtigt, weil sie statistisch zur Wertschöpfung anderer Branchen zählen.

Profitiert hat Österreich im Jahr 2003 von Qualitäts- und Strukturverbesserungen sowie von seinem Image als qualitativ hochwertiges und zugleich sicheres Reise- und Urlaubsland. Die wechselkursbedingte Verbilligung von Konkurrenzangeboten im Dollarraum wirkte sich 2003 kaum aus.

GUTE AUSSICHTEN: DIE ERFOLGSSTORY TOURISMUSWIRTSCHAFT GEHT WEITER

Experten erwarten wegen der zunehmenden Nachfrage österreichischer Gäste und von Touristen aus den EU-Beitrittsländern weitere Marktanteilsgewinne Österreichs. Für 2004 wird ein Zuwachs der Tourismusumsätze um 4,5 % erwartet. Der nicht-touristische Freizeitkonsum dürfte 2004 um 3,25 % gewachsen sein, die gesamte Tourismus- und Freizeitbranche um 4 % und der Umsatz könnte 50,36 Mrd. € erreicht haben. 2005 sollen die Tourismusumsätze um 6 % und der nicht-touristische Freizeitkonsum um 4 % weiter zunehmen. Die gesamte Tourismus- und Freizeitwirtschaft kann sich auf einen Umsatzzuwachs von 5,25 % und in Summe auf 52,98 Mrd. € freuen.

UNTERSCHIEDLICHE ENTWICKLUNGEN IN DER WINTER- UND SOMMERSAISON

Die Tourismusumsätze nahmen im Winter 2002/03 gegenüber dem Vorjahr um 3,6 % (2001/02: +1,8 %) zu, wobei die Auslandsnachfrage mit +4 % stärker wuchs als die Inlandsnachfrage (+1,7 %). Gäste aus Tschechien, Ungarn, Japan, der Schweiz, Großbritannien, den USA, Belgien und den Niederlanden übernachteten deutlich häufiger, Deutsche, Italiener und Schweden seltener in Österreich.

Der Tourismus im Sommer 2003 wuchs gegenüber 2002 schwächer (+4,8 %; 2002: +7,2 %), wobei sich heimische Gäste mit +6 % ausgabenfreudiger zeigten als ausländische Gäste mit +4,5 %. Ungarn, Tschechen, Slowaken, Italiener, Schweizer, Spanier, Niederländer, Franzosen und Belgier kamen häufiger als zuletzt, die Übernachtungen Deutscher stagnierten, bei Japanern, US-Amerikanern, Briten und Polen waren Einbussen zu verzeichnen. Der Städtetourismus boomte ganzjährig, insbesondere in Graz (Kulturhauptstadt), aber auch in St. Pölten, Linz, Klagenfurt und Salzburg.

PROBLEMFELDER UND ZUKUNFTSTHEMEN IM ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS

QUALITÄTSTOURISMUS - Der Bericht dokumentiert die Anstrengungen der Tourismusbranche um Verbesserungen ihres Angebotes. Während 5-/4-Sterne-Hotels ihr Bettenangebot seit 1990 im Sommer um 39,7 % und im Winter um 50,7 % erweiterten, werden Kapazitäten in den niedrigeren Kategorien und in Privatquartieren abgebaut. Stattdessen stieg die Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten in Ferienhäusern und -wohnungen im Sommer von 123.000 auf 236.000 (+ 91,9 %) und im Winter von 102.000 auf 214.100 (+ 109,8 %) an.

REISEBÜROS - Man erfährt vom rasanten Konzentrationsprozess in der Europäischen Touristikbranche und von integrierten deutschen Konzernen, die auch den heimischen Tourismusmarkt kontrollieren, während kleine Reisebüros unter dem Preisverfall der Flugtickets und den Provisionskürzungen der Fluggesellschaften und Reiseveranstalter leiden, da sie weniger Spielraum für Kostensenkungen haben. Experten raten den Reisebüros, ihre Vorteile zu nützen: die "physische Nähe" zum Kunden, die persönliche Beratung "von Angesicht zu Angesicht" sowie ihre speziellen Produkt- und Destinationskenntnisse. Reisebüros müssen bessere, kompetentere Berater bleiben, zugleich aber neue Systeme, Medien und Techniken nutzen. Unternehmen, die sich schnell anpassen, haben große Chancen, am Markt zu bestehen.

WIRTSCHAFTLICHE LAGE DER BETRIEBE: Dank steigender Nächtigungszahlen und Umsätze konnten viele Betriebe ihre finanzielle Situation -Stichwort Eigenkapitalmangel - verbessern. Viele Tourismusbetriebe leiden aber nach wie vor unter hohen Schulden und können nur wegen günstiger Zinsen überleben. Die Insolvenzquote (Zahl der Insolvenzen pro 100 lebenden Unternehmen) ist mit 1,48 % in der Hotellerie und Gastronomie aber geringer als in der Gesamtwirtschaft mit 1,82 %.

INVESTITIONEN - Nach mehreren Jahren mit Nächtigungszuwächsen haben Optimismus und Investitionsbereitschaft in der Tourismuswirtschaft wieder zugenommen. Der Umbau der Unternehmen in Richtung qualitativ hochwertiges Angebot ist voll im Gange. Österreich entwickelt sich zum Qualitätstourismusland. Das geförderte Investitionsvolumen stieg auf 830 Mill. €, wovon 69 % in die Hotellerie flossen, 21 % in regionale Infrastruktur und 10 % in Restaurants. Im Vordergrund stand der Bau von Wellnesseinrichtungen, Seminar- und Fitnessräumen sowie die Optimierung der Betriebsgrößen, die von durchschnittlich 37 Betten pro Betrieb (1996) auf 42 Betten 2003 zunahm. Die Tourismus-Investitionen belebten die vor- und nachgelagerte Wirtschaft, ohne dass sich die Eigenkapitalsituation im Tourismus insgesamt verschlechtert hätte, liest man im Tourismusbericht 2003.

BESCHÄFTIGUNG - Im Jahresdurchschnitt 2003 waren in der Tourismusbranche 156.500 unselbständige und 38.900 selbständige Arbeitskräfte tätig. Die im Vergleich zur Gesamtwirtschaft hohe Arbeitslosenquote von 17,3 % wird von Experten mit der Mismatch-These erklärt. Zwischen Arbeitskräfteangebot und -nachfrage bestehen hinsichtlich Qualifikation, Alter, Verfügbarkeit sowie Einkommenserwartungen, Arbeitsbedingungen und Karrierechancen Widersprüche. Junge und qualifizierte Arbeitskräfte mit Lehr- oder Fachschulabschluss sind zwar auch von Saisonarbeitslosigkeit betroffen, kaum aber von der überraschend hohen Sockelarbeitslosigkeit in den Hauptsaisonen, da junge, mobile und qualifizierte Arbeitskräfte von den Betrieben stärker nachgefragt werden.

Laut Experten sind geeignete Arbeitskräfte für die Tourismusbetriebe eine Zukunftsfrage, denn trotz hoher Arbeitslosigkeit und Saisonarbeiterregelung nehmen die Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen im Tourismus zu. Der Grund liegt im Lohnkostendruck, der von Branchen mit höheren Produktivitätszuwächsen ausgeht - diesem Druck kann das Hotel- und Gaststättengewerbe nur mit wettbewerbsfähigen Einkommen auf Grund von rascherem Wachstum begegnen. Für das TOURISMUSMARKETING folgt draus die Aufgabe, rasch wachsende Märkte erschließen und neu zu entwickeln. Die drei Länder mit mäßigem Wachstum (Deutschland, Österreich, Niederlande), aus denen 80 % der Gäste stammen, dürfen nicht vernachlässigt werden, zugleich müssen aber Wachstumsmärkte in Nordamerika, China, Indien, Russland, im Nahen und Mittleren Osten sowie in den neuen EU-Ländern forciert werden. Daher will das Ressort zusätzliche Mittel für die Österreich Werbung und eine Internationalisierungsoffensive einsetzen.

GESUNDHEITSTOURISMUS - Da im Jahr 2010 ein Viertel der Österreicher über 60 Jahre alt sein wird, orten Experten einen Trend in Richtung Gesundheitstourismus. Auf den wachsenden Markt der Zielgruppe 50+ reagieren die Hotels mit Entstressungs-, Wellness-, Anti-Aging- und Gesundheitsangeboten. Diesen Trend bestätigt auch der Präsident der Internationalen Vereinigung der Reiseveranstalter, Martin Brackenbury, der im Tourismusbericht 2003 mit einem Gastkommentar vertreten ist. Brackenbury verweist aber auch auf andere Entwicklungen: Die Touristen schätzen zunehmend nahe gelegene, sichere und vertraute Urlaubsorte und legen Wert darauf, dort willkommen zu sein. Die Branche müsse auch auf die neuen Formen der Identitätsfindung junger Menschen achten sowie auf die Einflüsse, die vom Internet auf das Konsum- und Reiseverhalten ausgehen. Reisen werden etwa immer später gebucht und sie dauern immer kürzer, zugleich steige die Erwartung an die Vielfalt des Angebots und die Intensität der Erlebnisse.

Wirtschaftlich leiden die Anbieter laut Brackenbury unter der schwachen Einkommensentwicklung infolge des langsamen Wachstums. In der Eurozone kommen hohe Arbeitskosten, Preisauftrieb bei touristischen Konsumartikeln und verschärfte Konkurrenz wegen der jährlich um 5 % zunehmenden Bettenzahl dazu. Daraus resultieren Preisdruck, wachsende Werbeaufwendungen, zunehmendes Qualitätsbewusstsein der Anbieter und intensiver Einsatz neuer Technologien und Organisationsformen (Lastminute-Angebote, Internet-Buchungen und Billigflugangebote). Die Reiseveranstalter passen ihre Angebote rasch an, Brackenbury rechnet daher in den kommenden Jahren mit einer Fortsetzung der dynamischen Veränderungen im Tourismus. (Schluss)

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