Ö1-Radiokolleg-Reihe zu UNESCO-Liste "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit"

Wien (OTS) - Seit 2001 gibt es die von der UNESCO
zusammengestellte "Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit". Die Ö1-Reihe "Radiokolleg" präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur zwischen Jänner und Juni 2005 einige dieser "Meisterwerke". Der erste Teil dieser "Radiokolleg"-Reihe widmet sich der Jemaa el Fna in Marrakesch und steht von Montag, den 17. bis Donnerstag, den 20. Jänner jeweils um 9.05 Uhr auf dem Programm von Ö1 (Wiederholung: 22.15 Uhr).

"Kan Ya Makan …" - "Früher einmal vor langer Zeit … als die Blinden nähen konnten und die Gelähmten über die Mauern sprangen …", so beginnen die Erzähler vom Platz Jemaa el Fna in der marokkanischen Königsstadt Marrakesch ihre Geschichten, umgeben von einer "halqa", einem Kreis von Zuhörer/-innen. Zwei, drei Meter neben dem Geschichtenerzähler eine weitere "halqa", rund um einen Heiler, der Mittel gegen Impotenz und Rückenleiden anpreist. Über den Platz verstreut Schlangenbeschwörer, Musikgruppen der Berber, tanzende Transvestiten, Wahrsager, Affendresseure, Koranleser. Diesem Platz widmet sich das "Radiokolleg" von 17. bis 20. Jänner jeweils um 9.05 Uhr in Ö1. "Agora, Theater, Sammelpunkt, offener und pluraler Raum, Weideland der Ideen", so charakterisiert der spanische Autor Juan Goytisolo jenen Platz und kulturellen Raum, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft er seit 20 Jahren wohnt. Als dieser Platz in Gefahr stand, durch Autos, Parkgaragen und mehrstöckige Geschäftsgebäude zu Grunde gerichtet zu werden, schrieb Juan Goytisolo für "El Pais" und für "Le monde diplomatique" einen Artikel über die Wichtigkeit des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit.

Die Idee wurde von der UNESCO aufgegriffen und 2001 setzte eine Jury unter dem Vorsitz von Juan Goytisolo 19 "kulturelle Räume und Formen des kulturellen Ausdrucks" auf die erste "Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit", die als eine Ergänzung und als ein komplementäres Instrument zu der bekannten Weltkulturerbeliste gesehen wird. Neben dem Jemaa el Fna befinden sich auf dieser Liste u. a. der Oruro Karneval in den Anden Boliviens, die Kunqu-Oper von China, eine der ältesten Formen der Oper, die Gbofe-Trompeten der Tagbana-Gemeinschaft an der Elfenbeinküste, das Kutiyattam-Sanskrit-Theater von Kerala in Indien, die Hudhud-Gesänge der Ifugao auf den Philippinen und die Kultur der im amazonischen Regenwald lebenden Zapara (Ecuador und Peru). 2003 wurde die Liste der "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" um weitere 28 Meisterwerke erweitert, darunter die Totenrituale in Mexiko, die Pansori-Gesänge aus Korea, die Sandzeichnungen im südpazifischen Vanuatu, das Wayang-Puppentheater von Indonesien. Bei ihrer Beurteilung eines möglichen "Meisterwerkes" bewertet die UNESCO-Jury folgende Kriterien: herausragender Wert, Verwurzelung in der kulturellen Tradition, zeitgenössische kulturelle und soziale Rolle, Ausgangspunkt von Inspiration und kulturellem Austausch, Zeugnis gelebter kultureller Tradition, gesellschaftliche Bedeutung, Gefahr des Verlustes und Gefahr von mangelnder Qualität in der Ausübung handwerklicher Fähigkeiten.

Von Jänner bis Juni werden in der Ö1-Reihe "Radiokolleg" einige der "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit" vorgestellt, darunter die Garifuna von Belize, auch "Black Caribs" genannt, eine einzigartige Mischung aus afrikanischer und karibischer Kultur mit eigener Sprache (6. bis 9. Juni), weiters die Gelede-Masken der westafrikanischen Republik Benin, die Teil der Yoruba/Nago-Tradition sind. Gelede-Rituale, bei denen Männer die Maske tragen, singen und tanzen, werden zu Ehren der Frauen aufgeführt (18. bis 21. April). Das japanische Noh-Theater, ein weiteres "Meisterwerk", kann auf eine 500-jährige Tradition verweisen. Extreme Langsamkeit, absolute Stilisierung und Ästhetisierung sind seine Kennzeichen. Die Masken, charakteristisch für das Noh, werden verwendet, um Geister, Frauen, Kinder, ältere Menschen darzustellen (7. bis 10. März). Reiterspiele als Geschicklichkeitstest für Männer sowie eine intensive musikalische Tradition gehören zur Kultur der Boysun-Region in Usbekistan (14. bis 17. Februar). Und von 9. bis 12. Mai steht das japanische Puppentheater Bunraku auf dem Programm des "Radiokollegs". Mehr zum Programm von Österreich 1 ist abrufbar unter http://oe1.ORF.at

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