Kärntner Schulversuch soll Jugendliche fordern und fördern

LH Haider und LSR-Präsidentin Egger: Gemeinsame Schule für Sechs- bis 15jährige und geordnete Schuleingangsphase - Verstärkte Berufsvorbereitung im neunten Schuljahr

Klagenfurt (LPD) - Kärnten will eine gemeinsame Schule für Sechs-bis 15jährige bereits in den Schuljahren 2005/06 oder 2006/07 in einem Schulversuch umsetzen. Das teilten heute, Freitag, Schulreferent Landeshauptmann Jörg Haider und die amtsführende Präsidentin des Landesschulrates, Claudia Egger, in Klagenfurt mit. Bei dieser Neuordnung sollen die Schüler im Mittelpunkt stehen, auch wolle man Schwächen im bestehenden System korrigieren. Besonderes Augenmerk solle auf das neunte Pflichtschuljahr gelegt werden, das allen Schülern die gleichen Chancen sowie eine Berufsvorbereitung bieten solle. Laut Haider sind für die Umsetzung des Kärntner Schulversuchs noch die Genehmigung des Bildungsministeriums sowie eine Änderung entsprechender Bundesgesetze notwendig. Einleiten wolle man in Kärnten auch die Zusammenlegung von Landesschulrat und Landesbildungsabteilung, die bereits im Herbst d.J. vollzogen sein könnte.

Kärnten wolle mit seinem Schulversuch die Konsequenzen aus den in der PISA-Studie dargelegten Schwächen des Schulsystems ziehen und dabei österreichweit Vorbildwirkung haben, meinte der Landeshauptmann. Wichtig sei es, bereits für eine geordnete Schuleingangsphase zu sorgen. Dies solle durch eine formelle Vorschule erreicht werden bzw. müsste dem Nachwuchs bereits im letzten Kindergartenjahr die Schulreife vermittelt werden. Damit wolle man vermeiden, dass begabte und reife Kinder mit entwicklungsschwachen Kindern in der selben Volksschulklasse sitzen, verwies Haider auf eine Ursache für überforderte Lehrer und Qualitätsverluste im Unterricht. In diesem Zusammenhang sei auch die mangelnde Sprachkompetenz vieler Schulanfänger hervorzuheben, an Kärntens Volksschulen betrage der Anteil von Kindern mit nicht deutscher Muttersprache rund sieben Prozent.

Für den Landeshauptmann ist es auch entscheidend, in der Volksschule verstärkt die Kulturtechniken Schreiben, Lesen und Rechnen zu vermitteln, zeitaufwändigen Projekten im Unterricht erteilte er damit eine Absage. Gelehrt werden sollten aber auch der richtige Umgang miteinander, klassische Tugenden, Anstand und Kommunikationsfähigkeit. So wolle man über die Schule ein Gegenprogramm zum immer brutaler werdenden Umfeld der Jugendlichen schaffen.

Besonderen Vorrang hat für Haider die Diskussion über das neunte Pflichtschuljahr. Dieses solle die Aufgabe haben, die Jugendlichen auf ihren weiteren Bildungs- oder Berufsweg gut vorzubereiten und ihre Entscheidungsfähigkeit zu erhöhen. Bisher sei es eher als "Schwachstelle" bzw. "Krücke" zu betrachten, kritisierte der Landeshauptmann. Viele Schüler würden anstelle des Polytechnikums ohne diesbezüglichem Interesse die erste Klasse einer Höheren Schule besuchen und seien damit vorprogrammierte Schulabbrecher. Für Schüler die nach der geplanten neunjährigen gemeinsamen Schule eine Handelsakademie oder HTL besuchen, sollte es für Haider aber keine Zeitnachteile geben. Die weiterführenden Höheren Schule sollten entsprechend um ein Schuljahr verkürzt werden.

Um eine ganztägige Schülerbetreuung zu ermöglichen, müsste durch eine Bundesgesetzesänderung die Pflichtanwesenheit der Lehrer erhöht werden, forderte der Landeshauptmann außerdem. Der Kärntner Schulversuch werde derzeit an das Bildungsministerium herangetragen, man hoffe auf baldige Genehmigung. Gesetzgeberische Vorbereitungen seien auch für die Zusammenlegung von Landesschulrat und Landesbildungsabteilung bereits veranlasst worden, bei rascher Genehmigung könnte diese im Herbst d.J. umgesetzt werden. Geplant sei, dass künftig der Landesschulrat die Aufgaben der Bildungsabteilung übernimmt.

Landesschulratspräsidentin Claudia Egger verwies auf eine breite Basis von Experten und Vertretern des Schulbereichs, die in einer Arbeitsgemeinschaft und einem offenen Bildungsforum die Schulreform diskutieren. Dabei würden alle Schulformen berücksichtigt, auch betone man den Bildungsauftrag des Kindergartens. Speziell betrachte man die Bruchlinien am Bildungsweg der Kinder und Jugendlichen, Übergänge von u.a. Kindergarten zu Volksschule oder Volkschule zu Hauptschule müssten fließend werden. Das Prinzip der gemeinsamen Schule laute nämlich "fordern und fördern", erklärte Egger. Zum Beginn der Schulpflicht meinte sie, dass die bisherige Stichtagsregelung neu zu überdenken sei. Kinder sollten nicht nach Datum sondern nach der jeweiligen Schulfähigkeit ihren Bildungsweg starten.
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