"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Der lange Weg zum Börsenglück" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 14.01.2005

Wien (OTS) - Der große Katzenjammer ist vorüber: Die Aktienkurse haben sich im vorigen Jahr überwiegend zufrieden stellend bis gut entwickelt. Von den Höchstständen des Jahres 2000 sind die meisten Weltbörsen zwar noch meilenweit entfernt. Die Kursindices sind aber andererseits deutlich höher als 1996: Damals begann die Blase, die dann gut vier Jahre später platzte und zum Börsencrash führte. Analysten und Anlageberater sind seither viel vorsichtiger. Sie empfehlen "selektieren und fokussieren" oder im Klartext: Nicht blindlings draufloskaufen, sondern Risiken und Chancen sorgfältig gegeneinander abwägen. Am besten wäre natürlich, könnte man den "Geheimtipp" befolgen, den altgediente Börsianer gern für jene parat haben, die nach möglichst hohen Gewinnen gieren: "Die Aktien billig einkaufen und teuer verkaufen" - so lautet ihr augenzwinkernd verkündetes Patentrezept.
Leider weiß man immer erst im Nachhinein, welche Papiere man wann hätte erwerben sollen und welche man besser längst abgestoßen hätte. Recht interessant ist aber eine Analyse, die die Experten der Constantia Privatbank jüngst angestellt haben. Sie haben die insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro schweren Depots risikofreudiger und sicherheitsorientierter Kunden verglichen und festgestellt, dass die Unterschiede im Gesamtertrag über einen längeren Zeitraum hinweg unerwartet gering waren.
Daran wird sich vermutlich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Verlässliche Börsenprognosen sind derzeit ebenso rar wie sichere Voraussagen der Konjunkturentwicklung. Sicher ist nur eines: Die Herde der Anleger trabt seit geraumer Zeit immer ziemlich einheitlich und flott in dieselbe Richtung.
Daran sind nicht zuletzt so genannte "Trendfolge-Modelle" schuld, mit denen Vermögensverwalter und Fondsmanager auf Nummer sicher gehen wollen. Wer möglichst schnell auf einen Trend aufspringt, liegt selten ganz falsch. Sobald der Trend allerdings dreht, kann es auch ganz schnell wieder in die andere Richtung gehen. Sind beispielsweise weltweit genügend Anleger der Meinung, dass das niedrige Dollarkursniveau einen Einstieg attraktiv macht, wird die US-Währung sehr rasch wieder steigen. Die Mehrheit der Analysten glaubt allerdings nicht, dass das bereits heuer der Fall sein wird.
Wer aber hätte Anfang vorigen Jahres gedacht, dass just langfristige europäische Rentenfonds der "Hit des Jahres 2004" werden könnten und mit einem ziemlich risikolosen Wertzuwachs um 7,5 Prozent ihren Besitzern viel Freude machen würden? Der Weg zum Börseglück ist mit Überraschungen gepflastert, und die alten Rezepte führen nicht immer zum Ziel: Hohes Risiko muss längst nicht immer hohe Ertragschancen bedeuten.
Umgekehrt allerdings gilt nach wie vor: Wer viel gewinnen will, muss auch viel riskieren - und schneidet langfristig trotzdem nicht zwangsläufig besser als der konservative Anleger, der dem Risiko aus dem Weg geht. Daran zumindest wird sich auch 2005 nichts ändern.

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