- 13.01.2005, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Der lange Weg zum Börsenglück" (Von Kurt Horwitz)
Ausgabe vom 14.01.2005
Wien (OTS) - Der große Katzenjammer ist vorüber: Die Aktienkurse
haben sich im vorigen Jahr überwiegend zufrieden stellend bis gut
entwickelt. Von den Höchstständen des Jahres 2000 sind die meisten
Weltbörsen zwar noch meilenweit entfernt. Die Kursindices sind aber
andererseits deutlich höher als 1996: Damals begann die Blase, die
dann gut vier Jahre später platzte und zum Börsencrash führte.
Analysten und Anlageberater sind seither viel vorsichtiger. Sie
empfehlen "selektieren und fokussieren" oder im Klartext: Nicht
blindlings draufloskaufen, sondern Risiken und Chancen sorgfältig
gegeneinander abwägen. Am besten wäre natürlich, könnte man den
"Geheimtipp" befolgen, den altgediente Börsianer gern für jene parat
haben, die nach möglichst hohen Gewinnen gieren: "Die Aktien billig
einkaufen und teuer verkaufen" - so lautet ihr augenzwinkernd
verkündetes Patentrezept.
Leider weiß man immer erst im Nachhinein, welche Papiere man wann
hätte erwerben sollen und welche man besser längst abgestoßen hätte.
Recht interessant ist aber eine Analyse, die die Experten der
Constantia Privatbank jüngst angestellt haben. Sie haben die
insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro schweren Depots
risikofreudiger und sicherheitsorientierter Kunden verglichen und
festgestellt, dass die Unterschiede im Gesamtertrag über einen
längeren Zeitraum hinweg unerwartet gering waren.
Daran wird sich vermutlich auch in den nächsten Jahren nichts ändern.
Verlässliche Börsenprognosen sind derzeit ebenso rar wie sichere
Voraussagen der Konjunkturentwicklung. Sicher ist nur eines: Die
Herde der Anleger trabt seit geraumer Zeit immer ziemlich einheitlich
und flott in dieselbe Richtung.
Daran sind nicht zuletzt so genannte "Trendfolge-Modelle" schuld, mit
denen Vermögensverwalter und Fondsmanager auf Nummer sicher gehen
wollen. Wer möglichst schnell auf einen Trend aufspringt, liegt
selten ganz falsch. Sobald der Trend allerdings dreht, kann es auch
ganz schnell wieder in die andere Richtung gehen. Sind beispielsweise
weltweit genügend Anleger der Meinung, dass das niedrige
Dollarkursniveau einen Einstieg attraktiv macht, wird die US-Währung
sehr rasch wieder steigen. Die Mehrheit der Analysten glaubt
allerdings nicht, dass das bereits heuer der Fall sein wird.
Wer aber hätte Anfang vorigen Jahres gedacht, dass just langfristige
europäische Rentenfonds der "Hit des Jahres 2004" werden könnten und
mit einem ziemlich risikolosen Wertzuwachs um 7,5 Prozent ihren
Besitzern viel Freude machen würden? Der Weg zum Börseglück ist mit
Überraschungen gepflastert, und die alten Rezepte führen nicht immer
zum Ziel: Hohes Risiko muss längst nicht immer hohe Ertragschancen
bedeuten.
Umgekehrt allerdings gilt nach wie vor: Wer viel gewinnen will, muss
auch viel riskieren - und schneidet langfristig trotzdem nicht
zwangsläufig besser als der konservative Anleger, der dem Risiko aus
dem Weg geht. Daran zumindest wird sich auch 2005 nichts ändern.
OTS0205 2005-01-13/17:00
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