WirtschaftsBlatt Kommentar vom 14.1.2005: Bringen wir den Strom-Markt in Gang - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Der Markt ist ein ganz exzellentes Mittel zur Verteilung von Ressourcen. Wo marktwirtschaftliche Kräfte greifen, werden Waren und Dienstleistungen in der Regel qualitativ besser oder zumindest billiger.
Dass das beim Strom-Markt nicht so ist, ist nur zum Teil mit der Gier der Regierung zu erklären, die die erwarteten Liberalisierungsgewinne durch die Strom-Marktöffnung gleich vorweg durch neue Energiesteuern weggefressen hat. Offenbar greifen am Strom-Markt die marktwirtschaftlichen Kräfte nicht. Sonst wären wohl spätestens heute die Zeitungen voll mit Inseraten, in denen die Konkurrenten von Kelag und Salzburg AG den verärgerten Kunden dieser Stromverteilungsgesellschaften ihre Dienste anbieten - und selbstverständlich die Kostenvorteile durch die erzwungene Absenkung der Netztarife weiter geben.
Dass das nicht geschieht, kann - wenn wir nicht an die Unfähigkeit der Manager der Konkurrenten glauben wollen - zwei mögliche Ursachen haben: Entweder ist die ganze Stromwirtschaft innerhalb Österreichs -auch ohne grosse österreichische Stromlösung - so untereinander verflochten und verhabert, dass Konkurrenz in vollster Absicht unterbleibt.
Oder die übrigen Landesgesellschaften, die als Konkurrenzlieferanten in Frage kämen, wollen vorerst noch abwarten, um wieviel die E-Control auch in ihrem Bereich die Netztarife senkt - um dann, wie ihre Kollegen in Salzburg und Kärnten, selbst ihre Strompreise um das hinaufzuschnalzen, was sie bei den Netztarifen nachzugeben gezwungen werden.
Beides wäre schlimm. Denn ineffizienter und teurer als öffentliche Monopole sind bloss noch private Monopole. Und teilprivatisierte Stromgesellschaften, die auf den Wettbewerb untereinander verzichten, sind private Monopole.
Da die Politik offenbar nicht willens oder in der Lage ist, in der Stromwirtschafat Marktkräften zum Durchbruch zu verhelfen, und auch die Anbieter keine ernsthaften Anstrengungen dazu unternehmen, wird es wohl Sache der Konsumenten sein, so etwas wie Wettbewerb zu Stande zu bringen.
Bei den Netzgebühren ist das leider nicht möglich, weil die Netze natürliche Monopole sind - da bleiben wir auf die E-Control angewiesen, auch wenn ein Jahr Wartezeit auf einen Gebührensenkungsbescheid eine ziemlich lange Zeit ist.
Aber bei den Stromlieferanten gibt es die Möglichkeit auszuwählen. Und damit die Chance, Marktmacht auszuspielen: Nicht raunzen -wechseln.

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