- 13.01.2005, 16:13:50
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 14.1.2005: Bringen wir den Strom-Markt in Gang - von Herbert Geyer
Wien (OTS) - Der Markt ist ein ganz exzellentes Mittel zur
Verteilung von Ressourcen. Wo marktwirtschaftliche Kräfte greifen,
werden Waren und Dienstleistungen in der Regel qualitativ besser oder
zumindest billiger.
Dass das beim Strom-Markt nicht so ist, ist nur zum Teil mit der Gier
der Regierung zu erklären, die die erwarteten Liberalisierungsgewinne
durch die Strom-Marktöffnung gleich vorweg durch neue Energiesteuern
weggefressen hat. Offenbar greifen am Strom-Markt die
marktwirtschaftlichen Kräfte nicht. Sonst wären wohl spätestens heute
die Zeitungen voll mit Inseraten, in denen die Konkurrenten von Kelag
und Salzburg AG den verärgerten Kunden dieser
Stromverteilungsgesellschaften ihre Dienste anbieten - und
selbstverständlich die Kostenvorteile durch die erzwungene Absenkung
der Netztarife weiter geben.
Dass das nicht geschieht, kann - wenn wir nicht an die Unfähigkeit
der Manager der Konkurrenten glauben wollen - zwei mögliche Ursachen
haben: Entweder ist die ganze Stromwirtschaft innerhalb Österreichs -
auch ohne grosse österreichische Stromlösung - so untereinander
verflochten und verhabert, dass Konkurrenz in vollster Absicht
unterbleibt.
Oder die übrigen Landesgesellschaften, die als Konkurrenzlieferanten
in Frage kämen, wollen vorerst noch abwarten, um wieviel die
E-Control auch in ihrem Bereich die Netztarife senkt - um dann, wie
ihre Kollegen in Salzburg und Kärnten, selbst ihre Strompreise um das
hinaufzuschnalzen, was sie bei den Netztarifen nachzugeben gezwungen
werden.
Beides wäre schlimm. Denn ineffizienter und teurer als öffentliche
Monopole sind bloss noch private Monopole. Und teilprivatisierte
Stromgesellschaften, die auf den Wettbewerb untereinander verzichten,
sind private Monopole.
Da die Politik offenbar nicht willens oder in der Lage ist, in der
Stromwirtschafat Marktkräften zum Durchbruch zu verhelfen, und auch
die Anbieter keine ernsthaften Anstrengungen dazu unternehmen, wird
es wohl Sache der Konsumenten sein, so etwas wie Wettbewerb zu Stande
zu bringen.
Bei den Netzgebühren ist das leider nicht möglich, weil die Netze
natürliche Monopole sind - da bleiben wir auf die E-Control
angewiesen, auch wenn ein Jahr Wartezeit auf einen
Gebührensenkungsbescheid eine ziemlich lange Zeit ist.
Aber bei den Stromlieferanten gibt es die Möglichkeit auszuwählen.
Und damit die Chance, Marktmacht auszuspielen: Nicht raunzen -
wechseln.
OTS0198 2005-01-13/16:13
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