Starker Träger für die weitere Fachhochschulentwicklung im Bundesland Salzburg

WK und AK Salzburg unterzeichneten Gesellschaftsvertrag - Eigene Forschungsgesellschaft Forschung Urstein GmbH gegründet

Salzburg (OTS) - Salzburg, 13. Jänner 2005. Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer Salzburg betreiben ab 1. März 2005 gemeinsam die Fachhochschule Salzburg (FHS). Nach den Beschlüssen im Vorstand der AK und in einem außerordentlichen Wirtschaftsparlament der WKS am 11. Jänner wurden heute von den Spitzen der WK und der AK Salzburg die dazu notwendigen Gesellschaftsverträge unterzeichnet. In einem Pressegespräch gemeinsam mit Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller wurde über die Details des Zusammenschlusses informiert.
Die beiden Sozialpartner AK und WK wollen mit einer gemeinsamen Trägerschaft Lehre und Forschung der Fachhochschule Salzburg verstärken und im Einvernehmen mit dem Land Salzburg die FHS weiterentwickeln - im Interesse der Unternehmer und Arbeitnehmer des Wirtschaftsstandortes Salzburg.
Der neue Gesellschaftervertrag für die FH Salzburg Fachhochschulgesellschaft sieht eine Kapitalerhöhung der Gesellschaft um 350.000 Euro auf 700.000 Euro Stammkapital vor, die zur Gänze von der Arbeiterkammer Salzburg einbezahlt wird. AK und WK sind somit 50%-Partner in der FHS. Gleichzeitig kommt es zur Gründung der Forschung Urstein GmbH, wobei der Gesellschafter FH Salzburg Fachhochschul GmbH 50% der Anteile hält, 25% entfallen auf die Akademie Schloss Urstein Privatstiftung, Eigentümerin des Schlosses Urstein. Ebenfalls 25% hält die Salzburger Arbeiterkammer Bildungs-und Forschungsförderungs GmbH. Die Forschung Urstein GmbH als Zentrum für Zukunftsstudien hat schwerpunktmäßig die Aufgabe, Tourismus- und Freizeitwissenschaften zu betreiben und ab Mitte 2005, in unmittelbarer Nähe zur Fachhochschule Urstein, die interdisziplinäre Forschung der Fachhochschule Salzburg zu verstärken. Geschäftsführer der FHS ist Mag. Raimund Ribitsch. Rektor der FHS ist seit 22. 10. 2004 Vizekanzler a. D. Dr. Erhard Busek. Fortgeführt wird ein Beirat, in dem neben der Landeshauptfrau ein Vertreter des Amtes der Salzburger Landesregierung sowie Präsidenten und Direktoren von WK und AK auch die Vertreter des Fachverbandes der Holzindustrie und des Vereins Holztechnikum Kuchl vertreten sind.

Ztl.: Ein neues Kapitel in der Bildungspolitik und in der Sozialpartnerschaft

"Mit der gemeinsamen Fachhochschule wird ein neues bildungspolitisches Kapitel in Salzburg aufgeschlagen und wohl auch ein neues Kapitel im Verhältnis zwischen gesetzlicher Unternehmer-und Arbeitnehmervertretung. Erstmals in der Geschichte der österreichischen Sozialpartnerschaft betreiben Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer Salzburg ab sofort gemeinsam eine Fachhochschule", hob WKS-Präsident Komm.-Rat Julius Schmalz die Bedeutung der gemeinsamen Trägerschaft hervor. "Gleichzeitig erfüllen wir mit dieser gemeinsamen Gesellschaft nicht nur den Wunsch des Fachhochschulrates nach länderweiser Konsolidierung hin zu einem einzigen FH-Anbieter im Bundesland, wir bündeln damit auch unsere Kräfte in Lehre und Forschung. Gerade in letzterem Bereich entsteht mit der Forschung Urstein GmbH ein Institut für zukunftsorientierte Studien mit Schwerpunkt Tourismus- und Freizeitwissenschaften, das in Österreich ohne Beispiel ist."
AK-Präsident Siegfried Pichler bekräftigte die Bereitschaft zur Zusammenarbeit in der Bildung: "Bildung und Forschung ist wohl der mächtigste Einflussfaktor für gesellschaftliche Wohlfahrt im 21. Jahrhundert. Mit der Übernahme einer gemeinsamen Verantwortung in diesem zentralen Handlungsfeld dokumentieren die Sozialpartner in Salzburg sowohl die elementare Wichtigkeit dieses Bereiches als auch die Bereitschaft, über die oft gegensätzliche Tagespolitik hinaus in den wichtigsten Fragen unserer Gesellschaft und ihren Entwicklungen auch zusammenarbeiten zu können."
WKS-Direktor Dr. Wolfgang Gmachl erinnerte daran, dass AK und WK bereits seit längerem im FH-Bereich zusammenarbeiten. "AK und WK haben durchaus unterschiedliche Interessen, sind aber in wichtigen, außer Streit zu stellenden Bereichen schon immer gemeinsame Wege gegangen, zum Beispiel in der Frage der Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, was zur gemeinsamen Gründung des Arbeitsmedizinischen Dienstes führte. Wir haben aber auch im FH-Bereich zusammengearbeitet, auf der Ebene des einstigen Research-Trägervereins und später, nach Übernahme der FH-Studiengänge durch die WK und die Gründung des FH-Studiengangs für Soziale Arbeit, im Trägerverein des Landes. Bereits 1999 haben sich AK und WK darauf verständigt, im Fachhochschulsektor zu kooperieren und diesen in enger Abstimmung mit dem Land Salzburg weiterzuentwickeln."
Die nunmehrige direkte Partnerschaft verstärke die Impulse, die die Wirtschaftskammer mit ihrem Bildungsengagement für den Wirtschaftsstandort Salzburg bereits gesetzt habe. WKS-Direktor Dr. Gmachl erläuterte die Motivation der WK Salzburg für den Zusammen-schluss: "Es gilt nun, aus dieser standortpolitischen Verantwortung heraus, die FH-Ausbildung im Bundesland Salzburg weiter auch in neue Richtungen und Größenordnungen auszubauen - durch Hereinnahme eines starken und gleichberechtigten Partners und gemeinsamen Nutzung aller Kräfte und Ressourcen. Das ist ein nächster logischer Schritt für die Fachhochschule und für den Bildungsstandort Salzburg, den wir heute vollzogen haben!"
AK-Direktor Mag. Gerhard Schmidt sieht in der Forschung Urstein GmbH eine Fortführung der sozialpartnerschaftlichen Forschungstradition: "Die Entwicklung einer gemeinsamen Forschungseinrichtung für Zukunftsstudien mit Schwerpunkt Tourismus-und Freizeitwissenschaften setzt ein bemerkenswertes Zeichen der gemeinsamen Verantwortung für den Standort Salzburg. Die jahrzehntelange sozialpartnerschaftliche Tradition des Beirates für Wirtschafts- und Sozialfragen wird hier standortspezifisch und damit einzigartig für Österreich fortgesetzt und weiterentwickelt. Ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung der Sozialpartner wird sich in der konkreten Forschung in hohem Maße widerspiegeln."

Ztl.: Gemeinsame FH Salzburg - die bildungspolitisch beste Lösung

Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer Salzburg sehen in der FH-Partnerschaft eine Reihe von Vorteilen.
- Eine gemeinsam von WK und AK getragene FHS, seit Dezember 2004 auch offiziell im Status einer "Fachhochschule", darf mit Fug und Recht den Anspruch erheben, einzige praxisorientierte Hochschule im Bundesland zu sein - mit Strahlkraft über Salzburg und Österreich hinaus.
- Im nationalen und internationalen Wettbewerb der Hochschulen werden außerdem nur größere Einheiten mit ausreichenden Ressourcen, einem klaren Profil samt Forschungsanspruch wahrgenommen.
- Eine gemeinsame FHS ist die bildungspolitisch beste Lösung. Die länderweise Konsolidierung hin zu einem einzigen Erhalter wird vom Österreichischen Fachhochschulrat, der Akkreditierungsbehörde, ausdrücklich gefordert. Sie entspricht auch dem Forschungsleitbild des Landes Salzburg.
- Größere Einheiten haben auch die bessere Möglichkeit der Kostenoptimierung und können zentrale Dienste (Qualitätsmanagement, Personalentwicklung, IT, Bibliothek etc.) gemeinsam und effizienter nutzen. Die bisher getrennten FH-Studiengänge erlangen gleichzeitig eine größere Finanzierungssicherheit.
- Zurzeit werden die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen, die Ausbildung in den medizinisch-technischen Diensten im Gesundheitswesen auf Fachhochschulniveau anzuheben, eine große Chance zur Weiterentwicklung, die von einer gemeinsamen Fachhochschule Salzburg besser genutzt werden kann.
- Die neue, derzeit in Bau befindliche Fachhochschule Urstein, die im Oktober 2005 eröffnet wird, bietet eine hervorragende bauliche und organisatorische Basis für die Weiterentwicklung und Zusammenführung der FH-Studiengänge. Der FH-Studiengang Soziale Arbeit wird daher nach Urstein übersiedeln, ebenso wie der bisher in Kleßheim angesiedelte FH-Studiengang "Entwicklung und Management touristischer Angebote".
- Die bisher erfolgreich gebündelten Kompetenzen in Forschung, Lehre und Organisation zwischen den FH-Studiengängen am Standort Kuchl, (derzeit noch) Salzburg und zukünftig Puch-Urstein erfahren durch die Zusammenführung mit dem FH-Studiengang "Soziale Arbeit" eine weitere wertvolle Ergänzung.
- Nicht zuletzt können in der Lehre durch Verstärkung des Lehrenden-Teams und neuer zusätzlicher Inhalte die Studienangebote gemeinsam verbessert, modularisiert und interdisziplinär aufgewertet werden. Die Fachhochschule Salzburg weist somit drei Schwerpunkte (Fakultäten) auf: Wirtschaft & Technik, Medien & Design, Gesundheit & Soziales.

Ztl.: Der Tradition des Humanismus und der Aufklärung verpflichtet

Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer haben durchaus und auch weiterhin verschiedene, oft kontroversielle Aufgaben zu erfüllen. Dennoch findet dieses Zusammengehen von AK und WK in eine Fachhochschulgesellschaft vor dem Hintergrund eines gemeinsamen gesellschafts- und bildungspolitischen Verständnisses statt. Beide Kammern sehen sich bei dieser Aufgabe dem Erhalt der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet, der europäischen Tradition des Humanismus und der Aufklärung, der Freiheit der Wissenschaften, aber unter Einhaltung ethischer Werte, wie sie Hans Jonas als "Prinzip Verantwortung" formulierte: "Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden."

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Salzburg, Chefredakteur Dr. Kurt Oberholzer, Tel.: 0662/8888 Dw. 346, E-Mail:bbauer@wks.at
AK Salzburg, Roman Hinterseer, Leiter der Medienabteilung, Tel. 0662/8687-234, E-Mail: r.hinterseer@ak-sbg.at

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