Tsunami: Trauma als Langzeitfolge für Überlebende des Seebebens

Wien (OTS) - Viele Österreicher, die die Katastrophe überlebt haben, leiden unter Alpträumen und Schlafstörungen. Um schweren Erkrankungen vorzubeugen, rät Primar David Vyssoki dringend zur medizinischen Begutachtung und Behandlung.

"Wir behandeln bereits einige Österreicher, die als Folge des Seebebens im Indischen Ozean an depressiv gefärbten akuten Belastungsreaktionen leiden", sagt David Vyssoki, Primar an der psychosozialen Ambulanz ESRA in Wien. Vyssoki ist auf die Behandlung von Menschen spezialisiert, die ein belastendes Ereignis, eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes wie den Tsunami erlebt haben.

Vyssoki: "Menschen, die am Ort der Erholung unerwartet so eine Extremsituation, die die üblichen menschlichen Erfahrungswerte übersteigt, erlebt haben, entwickeln bald eine akute psychische Belastungsreaktion." Das heißt, diese Personen leiden unter massiven depressiven Verstimmungen, Flashbacks, Schlafstörungen und unter Albträumen. "Bei Menschen mit einer guten Abwehrkraft können diese Symptome nach etwa einem Monat wieder abklingen. Bei Anderen kann aufgrund der Massivität des Traumas und ihrer jeweiligen situativen Vulnerabilität aus der akuten Belastung eine psychische Erkrankung beträchtlichen Ausmaßes werden: die posttraumatische Belastungsstörung", sagt Vyssoki.

Das bedeutet: "Bei ihnen kommt die Welle jede Nacht wieder. Die erlebte Zerstörung kommt jede Nacht im Traum wieder. Oder die Toten kommen jede Nacht wieder." In solchen Fällen sollten die Menschen "unbedingt einen Arzt aufsuchen. Und zwar einen Spezialisten", rät Vyssoki.

Erste Patienten

Inzwischen behandelt der Primar bereits etliche Überlebende des Tsunamis. Vyssoki: "Einer meiner Patienten hat vor Jahren einen schweren Verkehrsunfall verursacht. Nun hat er die Welle erlebt. Er kann aber jetzt nicht mehr unterscheiden, ob er nicht auch die Welle verursacht hat."

Vier Punkte für die Behandlung

Bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen lassen sich laut Vyssoki gute Erfolge erzielen.

1. Die Diagnose ist Voraussetzung für die weitere Behandlung. 2. Klärung, ob bei dem Patienten eine Vortraumatisierung stattgefunden hat. Vyssoki: "Erst wenn wir das wissen, können wir die medikamentöse Einstellung des Patienten durchführen." 3. Medikamentöse Einstellung. Der Primar empfiehlt SSRIs als goldenen Standard für die Behandlung. 4. Traumaspezifische Psychotherapie.

Medizinische Hilfe angelaufen

Um auch die Menschen in den vom Tsunami betroffenen Ländern medizinisch zu versorgen, hat Lundbeck, der Hersteller von Arzneimitteln zur Behandlung von Depressionen und anderen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, großzügig gespendet. Franz Blatnek, Geschäftsführer von Lundbeck Österreich: "Die Österreicher sind dank ESRA und anderer psychosozialer Einrichtungen hervorragend versorgt. Da die Menschen in den vom Tsunami heimgesuchten Ländern ebenfalls von posttraumatischen Belastungsstörungen betroffen sein werden, leisten wir unseren Beitrag, damit auch sie gut behandelt werden können. "

Über ESRA

Das Ambulatorium ESRA hilft bei akut auftretenden psychischen Krisen und psychiatrischen Erkrankungen, die im Zusammenhang mit posttraumatischen Belastungsstörungen stehen, sofern diese infolge ihrer Komplexität keiner stationären Behandlung bedürfen. Alle Leistungen werden auf Krankenschein erbracht. Auch Nichtversicherte werden in vollem Umfang betreut.

Über Lundbeck Österreich

Die Lundbeck Austria GmbH ist ein 100prozentiges Tochterunternehmen der Lundbeck A/S mit Sitz in Dänemark. Lundbeck ist auf die Erforschung von neurologischen Erkrankungen und deren Behandlung spezialisiert. In Österreich ist das Unternehmen seit den 50er Jahren tätig. Seit Anfang der 60er Jahre gibt es eine Österreich-Niederlassung bei der 50 Mitarbeiter beschäftigt sind.

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