"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nach der Flut: Die schnelle Rückkehr in die Normalität"(von Hans Winkler)

Ausgabe vom 13.01.2005

Graz (OTS) - Die erste Meldung einer Radiosendung war gestern die Nachricht, wen Richard Lugner als seinen Gast zum Opernball bringen wird. Nichts könnte besser illustrieren, dass Österreich nach zwei Wochen medialen, politischen und emotionalen Ausnahmezustands wieder in den banalen, bisweilen schäbigen Alltag zurückgekehrt ist.

Zu dieser Normalität gehört auch, dass man sich an die österreichische Opferbilanz der Flutkatastrophe gewöhnt hat. Die Österreicher sind seit dem 26. Dezember durch alle Höhen und Tiefen des Schreckens und der Hoffnung gegangen. Da die Zahl der Vermissten fast täglich um dutzende zurückgegangen ist, erscheint selbst die dreistellige Zahl, bei der es wohl bleiben wird, nicht mehr so erschreckend.

Bei etlichen Verschollenen wird eine letzte Sicherheit über ihr Schicksal nie zu gewinnen sein. Südasien, und besonders Thailand, ist ja nicht nur ein beliebtes Ziel für Familienurlauber, sondern auch ein Refugium für Aussteiger und Zivilisationsflüchtlinge verschiedenster Art. Manche von ihnen wollen gar nicht gefunden werden.

Mit einer Normalität ganz anderer Art sind nun Regierung und Hilfsorganisationen konfrontiert. Sie müssen die riesigen Summen, die gesammelt oder aus dem Budget zur Verfügung gestellt wurden, vernünftig verwenden und dafür sorgen, dass sie wirklich an jene kommen, für die sie gedacht sind. Beispiele von Katastrophen, wo das Geld nie bei den eigentlichen Adressaten angekommen ist, gibt es genug: von Sizilien bis Iran.

Zunächst gilt es überhaupt sinnvolle Projekte ausfindig zu machen, denn Leute und Organisationen, die gern Geld annehmen, aber keine Garantie dafür geben können, dass sie es auch richtig verwenden können, gibt es genug.

Es ist auch nicht unanständig darauf hinzuweisen, dass in manchen der jetzt betroffenen Länder die Korruption zum Alltag gehört und Regierung und Bürokratien es für selbstverständlich halten, ihren Anteil an Hilfsgeldern "einzubehalten". Unsinnig freilich wäre es, politische Bedingungen, etwa "Demokratisierung", an die Empfängerländer zu stellen, denn das würde sich mancherorts in Jahrzehnten nicht erfüllen.

Aber es ist nicht ehrenrührig und verletzt den Respekt vor der Würde der Hilfsbedürftigen keineswegs, wenn die Geber den Einsatz der Spendengelder auch effektiv kontrollieren. Es könnte sogar politische Beispielwirkung haben, wenn demokratische Länder vorführen, wie man mit gespendetem Geld oder Steuermitteln verantwortungsvoll umgeht. ****

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