Was bleibt, ist Ernüchterung

"Presse"-Glosse von Hans Kronspieß

Wien (OTS) - Nach der großen Flut tauchte ein kleiner Hoffnungsschimmer auf: Die Katastrophe werde Menschen zur Zusammenarbeit, ja Feinde zum Frieden zwingen.
Der Optimismus erhielt rasch einen Dämpfer. Bereits wenige Tage nach dem apokalyptischen Tsunami wurden die USA verbal angegriffen: Dass Washington auch militärische Mittel für die Hilfe einsetzte, wurde als listiger Schachzug zur Sicherung langfristiger Machtinteressen gebrandmarkt.
Nun sagt der indonesische Vizepräsident klipp und klar, dass Jakarta ausländische Truppen in der von der Flutwelle verheerten Provinz Aceh nur bis Ende März dulden werde. Der Mann will freilich nicht nur die - angeblich machtgierigen - Amerikaner wieder heimschicken, sondern zum Beispiel auch Schweizer Soldaten. Den Eidgenossen wird man aber wohl ein eher begrenztes Interesse auf politischen Einfluss in Südostasien unterstellen können. Was also will Indonesiens Regierung? Vielleicht bei der Verfolgung der Separatisten in Aceh weiterhin nicht durch ausländische Truppen gestört werden? Möglich wär's. So wie es auf Sri Lanka möglich sein soll, dass die Regierung bei der Verteilung der Hilfsgüter die Gebiete, wo Tamilen-Rebellen aktiv sind, benachteiligt.
Was nach dem ersten Versöhnungsoptimismus bleibt, ist Ernüchterung. Und eine traurige Frage: Wie groß muss eine Katastrophe eigentlich sein, damit Friedenshoffnungen nicht enttäuscht werden?

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