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SPÖ-Neujahrskonferenz: Gedenkjahr-Diskussion(3) - Huemer für Einbeziehen des ASVG-Beschlusses im Jubeljahr

Liebhart: Geschichte eine Frage der Deutung

Wien(SK) Peter Huemer, Journalist und Historiker, betonte am Mittwoch bei der Neujahrskonferenz der SPÖ im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema "Aufrichtig gegenüber unserer Geschichte - offen für die Zukunft, Gedenkjahr 2005", dass das Ansehen Österreichs zwei massive, beschädigende Schläge erhalten habe. Einer dieser Imageschläge sei durch den Schlüsselbegriff "Waldheim" beschrieben, der Zweite durch den "Schüssel-Haider-Pakt". Huemer betonte, dass "diese beiden Schläge von der Volkspartei gekommen sind". Für Huemer wäre im Jubeljahr zusätzlich auf den 8. September 1955 einzugehen, an diesem Tag wurde das ASVG beschlossen. Karin Liebhart vom Institut für Politikwissenschaften bemerkte zu Beginn, dass "Geschichte als solche nicht existiert, sondern nur eine Frage der Deutung ist". Liebhart betonte, dass "die Geschichte immer durch die Interessen der Gegenwart dargestellt wird" und dass es zu erwarten wäre, dass "die Regierung versucht, sich das Deutungsmonopol anzueignen". ****

Für Huemer sei es zwar "völlig öd", die Jubiläen parteipolitisch zuzuordnen, aber "es wird passieren". Für den Journalisten und Historiker stehe "bei der Wiedererrichtung im April 1945 die sozialdemokratische Politik eindeutig im Zentrum". Das Jahr 1955 gehöre mehr der Volkspartei, das dritte Jubiläum - der Beitritt zur EU vor zehn Jahren - sei unter einem sozialdemokratischen Regierungschef passiert.

Huemer strich die Bildungsoffensive der 70er Jahre als einen "Meilenstein der Bundesrepublik" hervor. Des weiteren befand sich für Huemer "die Regierung der Sozialdemokraten ab den 70er Jahren auf einem guten Weg zur Chancengleichheit von Frauen", und der Journalist und Historiker bedauerte, dass diese beiden Errungenschaften momentan rückläufig wären. Abschließend äußerte Huemer einen Wunsch an die Regierung, "nämlich heuer, im Jubeljahr, kein verfassungswidrigen Gesetze zu beschließen".

Für Liebhart "gibt es in Österreich nur einige Ereignisse, die sich für eine Mythologisierung eignen". Dazu würden der Staatsvertrag, die Neutralität und die Zeit des Wiederaufbaus zählen. Die zentrale Frage im Jubeljahr sei für Liebhart, in welchem Verhältnis die Jahre 1945 und 1955 stehen und gefeiert werden. Es wäre "natürlich zu erwarten, dass die Regierung versucht, sich das Deutungsmonopol über die Geschichte anzueignen". Für Liebhart wäre es eine Idee, den Feierlichkeiten einen internationalen, weltoffenen Touch zu geben und nicht nur im "nationalen Biotop" zu verbleiben. Es wäre wichtig, über den "österreichischen Tellerrand rauszuschauen". Denn besonders jüngere Leute beziehen ihr Identitätsbewusstsein auch aus dem europäischen Raum.(Schluss) sf

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