Zum Inhalt springen

SPÖ-Neujahrskonferenz: Gedenkjahr-Diskussion (2) - Cap befürchtet Regierungsjubel ohne Ende

Wien (SK) Anlässlich der im Rahmen der SPÖ-Neujahrskonferenz stattfindenden Diskussion zum Thema "Aufrichtig für unsere Geschichte - offen für die Zukunft. Gedenkjahr 2005" ortete Wolfgang Kos, Direktor der Museen der Stadt Wien, eine "Wurstigkeit gegenüber all diesen Dingen, die heuer begangen werden". Interessant sei es aber vor allem, sich der Frage zu stellen, was aus dem westeuropäischen Staat geworden ist und hier eine Zukunftsdebatte anzuhängen. Armin Thurnher, Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung "Falter" formulierte sieben Thesen zum Jubiläumsjahr. Es diskutierten außerdem: Peter Huemer, Journalist und Historiker, und Karin Liebhart vom Institut für Politikwissenschaft. Moderiert wurde die Diskussion von dem gf. SPÖ-Klubvorsitzenden Josef Cap, der den Bundeskanzler kritisierte:
"Schüssel feiert auch 30 Jahre Hustinettenbär, wenn es ihm nützt". Cap stellte fest, dass sich die Bundesregierung als eine Ära großer Persönlichkeiten darstellen wolle, zugleich aber Brüche - hier nannte er die Bereiche Bildung, Frauen, Sozialstaatlichkeit - stattgefunden hätten: Die ÖVP kaschiere, was in den letzten Jahren passiert sei, so Cap.*****

Thurnhers Thesen lauteten: Gegen ein Jubiläumsjahr gibt es nichts einzuwenden, es wird Österreich-fokussiert sein, es wird eine "hegemoniale Anstrengung" der ÖVP, die ÖVP wird "repräsentativen Kulturalismus" verwenden, Repräsentation wird dominieren, es gibt natürlich eine Zukunftsorientierung in diesem Jubiläumsjahr, man könnte und sollte versuchen, in der Öffentlichkeit einen anderen Umgang mit diesem Thema zu finden. Zwar habe man jetzt ein vorgegebenes Programm zum Jubiläumsjahr, man solle allerdings jetzt damit beginnen, Zukunftsfragen anzugehen, so Thurnher.

Kos bedauerte, dass 50 Prozent der Österreicher mit dem Jahr 1945 nichts anzufangen wüssten. Er ortete eine Situation, wo fundiertes Wissen geringer wird und Mythen wieder wichtiger werden: "Heldensagen und Personalisierung stehen im Vordergrund", konstatierte Kos, der dies als eine sehr "holzschnittartige Geschichtsbetrachtung" bezeichnete. Das Jubiläumsjahr werde vor allem für ältere Menschen wichtig sein, die jedoch in ihrem Wahlverhalten gefestigt sind. Es sei legitim, dass Gemeinschaften feiern, es stelle sich aber die Frage, wie künstlich man Anlässe erfinde, so Kos. "Die Art, wie man Jubiläen feiert, wird nie objektiv sein, sie hängt mit den Interessen der Regierung zusammen", hielt Kos fest.

"Die SPÖ wird versuchen, sich massivst einzubringen", unterstrich Cap. Er kritisierte, dass die Programmbroschüre des Jubiläumsjahres zwar in großer Auflage erscheint und mit Steuergeldern bezahlt wird, dass das 50-jährige Bestehen des ASVG allerdings keinen Platz findet. "Unsere Aufgabe wird es sein, nicht den Kampf um bloße historische Bedeutungsmonopole zu führen", es sei auch notwendig, die gesamte Thematik in Verbindung mit der Tagespolitik zu diskutieren. (Forts.) sk

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der SPÖ
Tel.: (++43-1) 53427-275
http://www.spoe.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0011