"Kleine Zeitung" Kommentar: "Spiel mit Mücken und Elefanten auf dem Rücken der Patienten" (von Carina Kerschbaumer)

Ausgabe vom 12.01.2005

Graz (OTS) - Die Ärztekammer macht mobil, der Hauptverband wäscht seine Hände in Unschuld, die Gesundheitsministerin spricht von Anlaufschwierigkeiten. Das übliche Spiel, bei dem oft Mücken zu Elefanten gemacht werden.

Die Chefarztpflicht Neu ist zwölf Tage alt und soll - wie Ärztevertreter warnen - im Chaos versinken. Oder ist das Chaos ein inszeniertes, weil Ärzte nicht kontrolliert werden wollen? Und weil sie bereits im Vorfeld Sturm gegen Ersatzregelungen bei der Chefarztpflicht gelaufen sind?

Zum einen war der Protest der Ärzte gegen die Faxregelung nachvollziehbar. Die Regelung bedeutet zwar, dass künftig das Rezept "läuft" und nicht der Patient. Die Regelung bedeutet aber auch Wartezeiten für den Patienten und bei einer österreichweiten Umsetzung, dass bis zur Einführung der E-Card fünf Millionen Faxe hin und her geschickt hätten werden müssen.

Zum anderen ist aber die laufende Mobilmachung der Ärzte gegen die Zweitlösung neben der Faxregelung, gegen die Dokumentation bei der Verschreibung mit späterer Kontrolle, ebenfalls verständlich. In einer Husch-Pfusch-Aktion wurde der Fragebogen für die Dokumentation im Dezember erstellt und den Ärzten als Paket Ende Dezember zugeschickt. Mit dem Ergebnis, dass viele erst im Jänner die Unterlagen erhielten. Ob aber das alles bei gutem Willen ein "Chaos" hervorrufen kann? Zumal täglich nur drei bis fünf chefarztpflichtige Medikamente pro Praxis verschrieben werden. Zumal auch der Hauptverband eingesteht, die Fragen für die Dokumentation seien nicht der Weisheit letzter Schluss und durchaus verbesserungsfähig.

Korrekturen werden also nötig sein. Wie bei der Beschränkung, dass bestimmte Augentropfen nur noch vom Facharzt verschrieben werden können. Wie viele Korrekturen aber auch nötig sein werden: Angesichts der Kostenexplosion bei den Pillen wird es eine einheitliche Dokumentation und Kontrolle geben müssen.

"Stümperhaft" nennt Ärztekammerpräsident Reiner Brettenthaler die erfolgte Umsetzung. In einem Brief der Wiener Kammer werden bereits kämpferisch alle Ärzte aufgefordert, ein Rundschreiben der Kasse zur Chefarztpflicht Neu zu ignorieren: "Ablegen, vernichten, was auch immer, nur beachten Sie es nicht."

So stümperhaft gewisse neue Beschränkungen bei der Verschreibung sein mögen, so stümperhaft ist auch der Vorschlag der Ärztekammer.Dass "jeder Arzt auf seine Art dokumentieren soll". Ein Ergebnis wäre da ziemlich sicher: Chaos ohne Ende. ****

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