WirtschaftsBlatt Kommentar vom 12.1.2005: Post privat: Weder Volk noch Aktie - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Können wir uns auf eines einigen: Ein Unternehmen,
das von seinem Eigentümervertreter öffentlich abgewatscht wird, weil es das umsetzt, was derselbe Eigentümer zuvor in den Businessplänen abgesegnet hat, ist ein Unding. Anders gesagt: Es kann für die Post nicht gut sein, wenn Verkehrsminister Hubert Gorbach sich öffentlich als Kundenschützer aufspielt, sobald das Unternehmen jene Straffung ihrer Filialstruktur umsetzt, die ihr ihr Eigentümer - die Republik Österreich in Gestalt ihres Verkehrsministers - aufgetragen hat. Kurz: Die Post braucht Eigentümer, die nicht populistisch auf Wählerstimmen schielen.
Dass dafür der Verkauf an eine andere - ebenfalls staatlich beherrschte - Postgesellschaft keine Lösung ist, ist logisch: Wenn schon Spielball politischer Interessen, dann lieber österreichische Interessen, nicht die der deutschen oder französischen Politik. Also an die Börse - und das nicht bloss zu 49 Prozent, sondern möglichst total. Aber Halt: Die Idee der Volksaktie wurde durch die Telekom Austria nachhaltig diskreditiert. Die wurde ja deutlich unter ihrem Schätzwert an die Börse gebracht und brauchte trotzdem drei volle Jahre, ehe die Aktie sich nachhaltig über ihrem Ausgabekurs etablieren konnte. Ein ähnliches Desaster - nur noch viel schlimmer -liesse sich für die Post unschwer vorhersagen.
Denn das Unternehmen wurde jahrelang durch Dividendenabschöpfungen ausgehungert, die in keiner Relation zu den tatsächlich erwirtschafteten Gewinnen standen. Und dieses Geld fehlt jetzt, wenn es darum geht, einen mitteleuropäischen Konzern aufzubauen, der international konkurrenzfähig ist. Denn natürlich sind die Bestrebungen von Post-Chef Anton Wais, durch Kooperationen mit südöstlichen Nachbarstaaten eine kritische Masse zu erreichen, erfolgversprechend. Dafür braucht es aber Kapital.
Vor allem aber müssen vor einer Privatisierung die Hausaufgaben gemacht werden: Im Gegensatz zu den privaten Konkurrenten, die bereits im Markt nach Rosinen picken, muss die Post eine flächendeckende Versorgung mit strengen Qualitätsauflagen garantieren. Ehe an eine private Zukunft auch nur gedacht werden kann, muss da - etwa durch ein Lizenzsystem - Waffengleichheit geschaffen werden. Auch dann wird es noch Jahre dauern, ehe die Post als ernst zu nehmendes Unternehmen an die Börse gebracht werden kann. Die Weichen dafür müssen aber schnell gestellt werden. Jetzt.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/279
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001