Chefarzt-Chaos: "Ärzte-Bedenken werden von Rauch-Kallat komplett ignoriert"

Ärztekammer empfiehlt Patienten, Beschwerden direkt an das Ministerium zu richten

Wien (OTS) - "Mit Befremden" reagiert der Wiener Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart auf die jüngsten Aussagen von Maria Rauch-Kallat, wonach die Ärztekammer seit einem Jahr in die Verhandlungen zur Chefarztpflicht NEU einbezogen gewesen wäre. "Die Wiener Ärztekammer hat von Beginn an ihre massiven Zweifel und Proteste an dieser Regelung kundgetan. Diese wurden jedoch über ein Jahr lang gekonnt von der Ministerin ignoriert", so Steinhart. Rauch-Kallat habe die Fax-Regelung dann trotz aller Kritikpunkte seitens der Ärzteschaft und ohne Abwägung des unglaublich hohen bürokratischen Aufwands durchgesetzt.****

Erfreut zeigte sich Steinhart zwar über den Vorstoß der Wiener Gebietskrankenkasse, die in ihrem Bereich auf die "Faxereien" verzichten will. Allerdings sei das "mehr ein Signal des guten Willens und keine wirkliche Alternative". Die Verordnung der Ministerin habe nun einmal Rechtskraft, so Steinhart. Man könne daher als Standesvertretung den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten nicht guten Gewissens raten, auf die Genehmigung chefärztlicher Medikamente durch Fax oder postalischen Weg zu verzichten. "Tut ein Arzt das trotzdem, dann handelt er auf eigenes Risiko und läuft Gefahr von der Kasse mit Vertragskündigung bedroht zu werden."

"Sofortige Rücknahme des Dokumentationspapiers"

Für Steinhart steht jedenfalls fest, dass die Ministerin offensichtlich keine Ahnung hat, welche Auswirkungen die Neuregelung auf den Ordinationsalltag hat: "Wenn Rauch-Kallat meint, dass am neuen Dokumentationspapier nur durch 'wenige Worte und in aller Kürze' nachvollziehbar gemacht werden soll, ob die Verschreibung ökonomisch sinnvoll ist, dann frage ich mich, warum uns für diese Kürze zwei A4-Seiten vorgelegt werden? Wir laden die Ministerin gerne in eine Ordination ein, damit Sie sich ein Bild davon machen kann, wie ihre Kürze in der Realität aussieht."

Steinhart fordert jedenfalls ein Ende der bürokratischen Schikanen und die sofortige Rücknahme des "völlig insuffizienten Erstattungskodex". Jenen Patientinnen und Patienten, die mit langen Wartezeiten oder anderen Hürden in Sachen Chefarztpflicht NEU konfrontiert sind, empfiehlt Steinhart, direkt beim Büro der Ministerin unter 01/711 00 4300 anzurufen, um dort zu deponieren, wie "toll" die Medikamentenversorgung in Österreich durch Kassenordinationen nun funktioniere. Steinhart: "Scheinbar ist die Ministerin noch immer davon überzeugt, dass die Regelung ein guter Wurf war. Die Patienten werden sie vom Gegenteil überzeugen, wenn sie von ihren Erfahrungen berichten."

Bekenntnis zur ökonomischen Verschreibweise

Die Ärztekammer hat sich seit jeher zu einer ökonomischen Verschreibweise bekannt. Steinhart: "Wir verstehen auch den Wunsch der Sozialversicherung, einen gewissen Kontrollmechanismus bei den Medikamentenverschreibungen auszuüben." Wenn die Einholung der chefärztlichen Bewilligung, wie ursprünglich angedacht, erst mit Einführung der E-Card verändert worden wäre, hätte man wahrscheinlich kein Problem damit gehabt. "Aber die Faxerei und Ausfüllerei ist einfach nur unnötig, dumm und bringt rein gar nichts."

Nicht nachvollziehbar ist für Steinhart auch, dass die Genehmigung von Heilbehelfen, CT und MR ebenfalls weiterhin durch den Chefarzt persönlich erfolgen muss. "Ersparen tut man sich hier nichts. Man hat damit nur erreicht, dass das System komplizierter wird und die Patienten sich in unseren Ordinationen die Füße in den Bauch stehen. Ich appelliere an die Ministerin, die derzeitige Regelung bis zur Einführung der E-Card im Sinne unserer Patienten nochmals zu überdenken." (bb)

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