WirtschaftsBlatt Kommentar vom 11.1.2005: Nothilfe:Jetzt stimmt Österreichs Kurs - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Dieser Schwenk war hocherfreulich. Die Regierung hat
am Sonntag abend die staatliche Hilfe an die von der Flutkatastrophe in Asien betroffenen Länder urplötzlich von acht auf 50 Millionen Euro erhöht. Der Druck seitens der Opposition, der Medien und mehrerer Hilfsorganisationen hat also etwas bewirkt. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel schlug bei diesem Gipfelgespräch mit Vertretern der Regierung, der Länder, des Städte- und des Gemeindesbundes sowie der Sozialpartner spät, aber doch eine Krisenstrategie ein, die als durchaus professionell einzustufen ist. Deshalb sollten jetzt auch die schrillsten Kritiker einsehen, dass Österreich einen namhaften Beitrag zur Bewältigung dieser Naturkatastrophe zu leisten bereit ist. Und zugleich wäre es sinnvoll, auch die gewohnten Lizitierversuche einzustellen, die darauf abzielen, eine noch höhere Summe aus dem Budget flüssig zu machen.
Es geht jetzt primär darum, die staatlichen und privaten Spenden aus Österreich sofort bzw. auch in den kommenden Jahren möglichst sinnvoll zur Verfügung zu stellen. Und das wird wohl ohne enge Kooperation der staatlichen Stellen mit den zahlreichen Hilfsorganisationen nicht oder kaum funktionieren. Die Regierung zeigt diesbezüglich schon gute Ansätze, die über die klassische Spendenvergabe hinausgehen - etwa die Idee, Ausbildungsmöglichkeiten im touristischen Bereich anzubieten. Die zur Verfügung stehenden Hilfsgelder sollten möglichst nicht nach dem Giesskannen-Prinzip verteilt, sondern lieber geballt für klar definierte Projekte verwendet werden. Die Vorschläge von Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und ihres Partners Hilfswerk Austria, im Rahmen einer Bausteinaktion so genannte "Austrian Villages" zu errichten, ist meines Erachtens ausgezeichnet. Diese Dörfer wären nämlich bestens geeignet, um den Wiederaufbau von Schulen, die Errichtung von Gesundheitszentren oder eine Starhilfe für das Kleingewerbe zu ermöglichen.
Man darf jedenfalls optimistisch sein, dass nun auch Österreich - so wie etwa die Kanadier, die mit jeder Menge guter Ideen aufwarten - in der Lage sein wird, ein optimales, weil gut durchdachtes und professionell koordiniertes Hilfsprogramm aus einem Guss auszuarbeiten. Es ist allerdings schade, dass Ex-Minister Ernst Strasser als zentraler Koordinator bloss auf Zeit zur Verfügung steht - und sich in ein paar Wochen, wenn’s dann ernst wird, einfach wieder verabschieden wird.

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