Land der Zukunft 3: Schüssel: Neue Balancen sind notwenig

Expertendiskussion zu Politik, Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft im Rahmen der ÖVP-Auftaktveranstaltung in Graz

Graz, 10. Jänner 2005 (ÖVP-PD) "Nur wer das Rückwärts kennt, kann auch den Weg für die Zukunft bestimmen", so ÖVP-Bundesparteiobmann Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel zu Beginn der Expertendiskussion im Rahmen des ÖVP-Jahresauftakts "Land der Zukunft". 15 Experten aus sämtlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens diskutierten heute, Montag, unter der Leitung des Bundeskanzlers im Grazer Kunsthaus mehr als drei Stunden intensiv über die Zukunft Österreichs. ****

Schüssel wies in seinen Ausführungen darauf hin, dass das Gedankenjahr 2005 Anlass zur Reflektion sei. "Allerdings haben wir uns den Start in dieses Jahr anders vorgestellt. Die Flutkatastrophe macht aber auch die vorhandene Kraft, Energie und den Glauben spürbar", sagte der Bundeskanzler.

Außenministerin Dr. Ursula Plassnik ging ebenso wie der Kanzler auf die Katastrophe in Südost-Asien ein. "Das Unglück war auch ein Lernschub im Umgang mit dem Unvorstellbaren. Unser inneres Nachdenken hat zu einem konkreten und gemeinsamen Paket für die Angehörigen der Opfer geführt." Die Außenministerin hob auch den Weitblick der politisch Verantwortlichen in den 80-er Jahren hervor und sprach von der "Dramatik der europäischen Entwicklung". "Sechs Monate vor dem Fall der Berliner Mauer den österreichischen Antrag für Beitrittsverhandlungen zur EU zu stellen - und diese Situation mit der heutigen zu vergleichen zeigt die unglaubliche Dynamik innerhalb Europas."

Dr. Ivo Sanader, seit 2003 Premierminister Kroatiens, der von Schüssel als "lebendes Beispiel für den gelebten europäischen Traum" bezeichnet wurde, sparte nicht mit Lob für Österreich. "Ohne Alois Mock und die ÖVP und ohne die internationale Anerkennung, hätte Kroatien nicht den heutigen Status. Besonderer Dank gilt auch Wolfgang Schüssel, der es ermöglicht hat, dass am 17. März die Aufnahme der Beitrittsverhandlungen für den EU-Beitritt erfolgen wird", so Sanader. Auf dem kroatischen Weg in die EU betonte Sanader die Integration von Minderheiten, die Stärkung der Ökumene oder beispielsweise die Brückenfunktion Kroatiens für Brüssel nach Süd-Ost-Europa.

Karl Schwarzenberg, Senat im tschechischen Parlament, beleuchtete unter anderem die mitteleuropäische Situation. "Ich fürchte, dass das optimistische Bild eines zusammenwachsenden Europas zu einem föderalistischen Gebilde wieder stärker im Nebel verschwindet. Die lokale Hegemonialrolle wird wieder eine stärkere Rolle einnehmen", so Schwarzenberg, der eine exakte Definition der nationalen Interessen einforderte - sowohl innerhalb als auch außerhalb von Europa - und sich etwa eine mitteleuropäische Wissenschafts- und Forschungspolitik vorstellen könne.

Der gebürtige Villacher, Dkfm. Peter Brabeck-Leitmathe, Chef des gesamten Nestlé-Konzerns mit Sitz in Vevey (Schweiz) referierte neben dem Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien, Univ.Prof.Dr. Christoph Badelt, Janet Kath, Leiterin der Filialen des Einrichters Interio und den Unternehmern Dkfm. Hans Staud und DI Prof. Helmut List zum Thema Wirtschaft und versuchte die Bedeutung der Einzelstaaten bzw. einen globalen Denkansatz in den Vordergrund zu rücken. "Europa ist nicht das Zentrum der Welt. Wenn man sich die Dynamik, etwa bei der Bevölkerungsentwicklung, der letzten 50 Jahre ansieht, weiß man, dass Österreich Teil Europas ist und bleiben wird - die Bedeutung Österreichs und anderer Einzelstaaten ist aber relativ", so Brabeck-Leitmathe.

Dr. Susanne Riess-Passer, Generaldirektorin des Wüstenrot-Konzerns, appellierte an die Teilnehmer der Veranstaltung, den notwendigen Mut für die anstehenden Herausforderungen und Veränderungen aufzubringen und dies zu einem Gebot der Stunde zu erheben.

Der Direktor der Wiener Staatsoper, Prof. Ioan Holender, agierte neben dem Künstler Peter Pakesch als Experte auf dem Gebiet der Kunst und sprach jene Angst an, sich auf die eigene Vergangenheit berufen -"die in Österreich sehr stark ausgeprägt ist". Österreich, so Holender, sei zu allen Zeiten der Geschichte als Kulturnation anerkannt worden. "Dies gilt auch für die Zeit zwischen 1938 und 1945", betonte Holender. Die Identifikation der Österreicher mit ihrer Oper sei weltweit einmalig. Die Anziehungskraft, insbesondere der Bundeshauptstadt, sei schon in den vergangenen Jahrhunderten unglaublich groß gewesen und habe unzählige Künstler nach Österreich geführt. Holender sprach auch die Tatsache an, dass die heimische Kultur die stärkste finanzielle Unterstützung von politischer Seite im weltweiten Vergleich genieße "und sich Österreich keine Angst um den Rohstoff Kultur brauchen muss".

Univ.Prof.Dr. Hildegunde Piza, Fachärztin für Chirurgie und plastische Chirurgie und "Wissenschafterin des Jahres" im Jahr 2000, leitete die Expertenrunde zum Thema Wissenschaft über. Die Ärztin betonte, dass eine Gesellschaft, die Kinder verleugnet, nicht zur eigenen Kindheit stehe. "Frauen müssen Neugierde bekommen für das Kind, das im eigenen Körper heranwächst", so Piza, die zudem daran appellierte, dass den Frauen der Weg in die Wissenschaft nicht verwehrt werden dürfe.

Der Theologe und Erziehungswissenschafter Pater Georg Sporschill stellte die Frage "wie wird unsere Jugend selbstbewusst und optimistisch bei all unserer Informationsflut, und wie erlernt sie die Kunst zu lieben" in den Raum. "Es gibt ein diffuses Bewusstsein bei den Jugendlichen, dass sie nicht gebraucht werden. Wenn sie müssen, dann können sie aber kämpfen. Hier muss auch die Politik ansetzen", erklärte Sporschill, der sich seit 1991 um die Straßenkinder in Bukarest kümmert. Weitere Impulse zu diesem Themenfeld wurden von der evangelischen Pfarrerin Mag. Christine Hubka gesetzt.

Der Wissenschafter des Jahres 2003, Univ.Prof.Dr. Josef Penniger führte aus, dass die Gesellschaft in einer genetischen Welt lebe. Die damit verbundene Angst sei dabei eine logische Konsequenz. "Es geht um die ehrliche Kommunikation und klare Strukturen, sodass den Wissenschaftern vertraut werden kann", so Penninger. Die genetische Welt sei aber auch mit großen Hoffnungen verbunden. "Die Biotechnologie kann jedoch nur im Verbund mit der freien Wissenschaft und der freien Grundlagenforschung funktionieren", sagte Penninger.

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