Wunder des Lebens, Zeit des Aufbaus

"Presse"-Glosse" von Manfred Seeh

Wien (OTS) - Glück? Zufall? Schicksal? Wie konnten Menschen in völlig zerstörten Küstenabschnitten überleben? Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn spricht von Wundern: Wenn man die "Wucht dieser Flut" gesehen habe, so sei "jeder Überlebende eigentlich ein Wunder".
Ein religiöser, vor allem aber ein positiver Ansatz: Was aber (abgesehen von der dringend notwendigen materiellen Hilfe) hilft den Menschen, angesichts einer Opferbilanz, die seit dem 26. Dezember täglich nach oben wandert? Was hilft's, wenn die Welt flehentlich einen Stopp dieses quälenden "Nach-oben-Korrigierens" herbeisehnt? Wohl nur die Hinwendung zu positiven Ansätzen, die zu begreifen auch jenen schwer fällt, die fernab der Katastrophe leben. Gerade jetzt, da die internationale Gemeinschaft in Jakarta den Wiederaufbau koordiniert, ist "positiv denken" ein Gebot der Stunde. Freilich ist die Großzügigkeit von Geberländern wie Deutschland, Australien, USA oder etwa Japan auch als Teil eines geopolitischen Wettlaufs anzusehen. Trotzdem gilt: Hauptsache, es wird rasch und effizient geholfen.
Der Versuch, das Positive zu sehen, erhält auch durch die Tatkraft der Überlebenden Auftrieb: Man sieht Menschen, die wieder in ihre Dörfer zurückkehren, um ihre Hütten wieder aufzubauen. Auch die -leider seltenen - Geschichten von Überlebenden machen Mut. Man denke etwa an jenen Fischer, der mehr als eine Woche auf einer Palme am offenen Meer trieb, ehe er gerettet wurde.
Ein positiver Ansatz hilft auch, die älteste aller (Religions-)Fragen zu verstehen: Wenn es einen allmächtigen Gott gibt, warum lässt dieser Gott derartiges Leid zu? Kardinal Schönborn hat seine Antwort schon gegeben: Wir Menschen sind nur Gäste auf dem Planeten Erde -und dafür sollten wir dankbar sein.

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