Chefarztpflicht neu: Laut Ärztekammer seit Montag "Chaos pur" (1)

Brettenthaler: Erstattungskodex "dümmste und unpraktikabelste Regelung, die je erfunden wurde"

Wien (OTS) - Mit scharfer Kritik hat der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler, auf das seit Jahresbeginn eingetretene Chaos rund um die Neuregelung der Chefarztpflicht reagiert. "Was wir seit Montag in den Ordinationen erleben, ist Chaos pur", berichtete der Ärztekammerpräsident in einer Aussendung am Donnerstag. In vielen Ordinationen herrsche "Katastrophenstimmung". Grund sei die "überfallsartige und planlose Einführung der Übergangsregelung zur Chefarztpflicht neu" durch den Hauptverband. Dieser habe unter anderem die Erstattungskodizes, nach denen Ärzte von der Kasse bezahlte Medikamente verordnen können, nicht rechtzeitig versendet, so dass Ordinationen diese vielfach erst kurz vor oder zu Jahresschluss in der Post fanden. Zusätzlich seien im neuen Erstattungskodex mit der Verschreibung bestimmter Medikamente "aberwitzige und unpraktikable Dokumentationsschikanen" verbunden worden.

Die Ärztinnen und Ärzte bemühten sich so gut sie könnten, um eine geordnete Abwicklung jeder Verschreibung. Wartezeiten in den Ordinationen und Engpässe bei der Medikamentenversorgung seien aber an der Tagesordnung, zumal die chefärztlichen Faxgeräte vielfach überlastet und Ärzte bei vielen bewilligungspflichtigen Medikamenten gezwungen seien, nach Beratung der Patienten Dokumentationsblätter mit zahlreichen Detailangaben auszufüllen. Aus allen Landesteilen erreichen die Ärztekammern seit Wochenbeginn wütende Proteste und Beschwerden von Ärzten und Patienten.

Boxenmodell nicht schlüssig

Im neuen Erstattungkodex seien die verschiedenen Boxen (Zuordnung von frei verschreibbaren oder bewilligungspflichtigen Medikamenten) nicht in sich schlüssig, lautet ein weiterer Kritikpunkt des ÖÄK-Präsidenten. Der so genannte grüne Bereich enthalte entgegen früherer öffentlicher Aussagen des Hauptverbands nicht nur frei verschreibbare Medikamente, sondern sehe wie bisher durchaus Beschränkungen vor. So könnten weiterhin manche Präparate nur vom Facharzt verschrieben werden, was dazu führe, dass Allgemeinmediziner einen bereits in der Ordination befindlichen Patienten zum Facharzt schicken müssen, um eine Erstverordnung zu erwirken. Ferner werde für verschiedene Verordnungen aus dem so genannten gelben Bereich eine Begründung seitens des Arztes gefordert. "Wir verwehren uns aber dagegen, dass von uns in den Dokumentationsblättern eine Begründung dafür gefordert wird, weswegen wir kein Medikament aus dem grünen Bereich genommen haben. Das kann man nur machen, wenn man vorher mit dem Patienten experimentiert hat. Eine solche Versuchskaninchen-Taktik lehne ich schärfstens ab", so Brettenthaler.

"Abgesehen von der unzureichenden und verspäteten Information der Ärzte und der logistischen Fehlleistungen hat der Hauptverband mit dem neuen Erstattungskodex und den so genannten Dokumentationsblättern die dümmste und unpraktikabelste Regelung ersonnen, die jemals im medizinischen Bereich getroffen worden ist", lautet Brettenthalers vernichtendes Fazit. "Dies können sich nur Leute ausgedacht haben, die niemals den Betrieb in einer Praxis kennen gelernt haben." (Fortsetzung)

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