Chefarztpflicht - NEU ist ein Desaster in der Medikamentenversorgung für die Patienten

NÖ Ärztekammer fordert die Gesundheitsministerin zum sofortigen Handeln auf

Wien (OTS) - "Seit 1.1.2005 ist die Chefarztpflicht - NEU in
Kraft. Diese umfasst sowohl für die Patienten als auch für Ärzte enorme Schlechterstellungen. Bis vor wenigen Tagen waren wir Ärzte über die wahren Auswüchse der Verordnung gar nicht informiert. Das Ministerium und der Hauptverband haben ein völliges Chaos bei der Verschreibung von Medikamenten verursacht, indem sie die Ärzte - noch dazu unter Androhung drastischer Strafen - gezwungen haben, ein gänzlich neues System der Medikamentenverschreibung ohne ausreichende Vorinformation innerhalb einer Woche einzuführen. Wir forderten bereits vor längerem Gesundheitsministerin Maria Rauch Kallat auf, unseren Patienten und uns Ärzten einen Zeitpolster von drei Monaten zu gewähren, um in den Arzt-Ordinationen die notwendigen Vorkehrungen treffen zu können. Die Uneinsichtigkeit der Gesundheitsministerin wird die Medikamentenversorgung vieler Menschen in nächster Zeit in Frage stellen - ein Desaster, das ein verantwortungsvoller Politiker wohl kaum den Menschen zumuten würde!" so heute Dr. Johann Jäger, Chef der niedergelassenen Ärzte in NÖ, über die angeblichen "Vorteile" für Patienten durch die Chefarztpflicht NEU.

Die Chefarztpflicht-Neu sieht im Detail vor, dass nur mehr einige Medikamente (vorwiegend Generika) ohne größeren bürokratischen Aufwand verordnet werden dürfen. Welche dies jedoch sind, wurde den Ärzten erst Ende Dezember 2004 mitgeteilt. Bei der Verordnung jedes anderen Medikamentes hat der Arzt seit 1.Jänner eine ausführliche schriftliche Begründung abzugeben. Sollten die Chefärzte im Nachhinein zu der Meinung gelangen, dass die Verordnung unrechtmäßig war, hat der Arzt mit umfangreichen Sanktionen - bis zum Verlust seines Kassenvertrages - zu rechnen.

Dr. Günther Wawrowsky, Chef der Fachärzte in NÖ: "Was das Ministerium damit bezwecken will ist klar: Die Verschreibung von Arzneimitteln soll so kompliziert und für den Arzt derartig mühsam gemacht werden, dass auf diese Art und Weise weniger Medikamente verschrieben werden - oder nur mehr jene, die keiner Begründung bedürfen, also die allerbilligsten. Für mich ist dies eine staatliche Verordnung zu einer qualitativen Schlechterstellung der Patientenversorgung und ein direkter Eingriff von Bürokraten in die Behandlungsfreiheit von uns Ärzten. Abgesehen davon ist die Organisation seitens des Ministeriums und des Hauptverbandes derart oberflächlich, wie dies noch selten zuvor im Gesundheitswesen in Österreich der Fall war. Wir Ärzte werden auch mit den unsinnigsten Anordnungen irgendwie zurechtkommen. Diejenigen, die so auf der Strecke bleiben, werden unsere Patienten sein.."

Die NÖ Ärzte können Ihre Patienten vor diesen unüberlegten und ausgereiften bürokratischen Schikanen alleine nicht mehr schützen. Nunmehr wäre es Aufgabe der Verantwortlichen in den Krankenkassen, einen Schulterschluss mit den Ärzten im Sinne einer patientenfreundlichen Gesundheitsversorgung zu suchen.

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