AKNÖ-Arbeitsmarktbilanz: 2004 höchste Arbeitslosenzahl seit 1945

In Niederösterreich erstmals mehr als 40.000 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt

Wien (AKNÖ) - Die Arbeitsmarktbilanz für das Jahr 2004 fällt äußerst düster aus: Sowohl im Dezember mit 53.151 Arbeitslosen als auch im Gesamtjahr 2004 verzeichnet Niederösterreich die höchste Zahl an Arbeitslosen seit 60 Jahren. Die AKNÖ fordert mehr aktive Arbeitsmarktpolitik.

Der Zahl der als arbeitslos Gemeldeten stieg im Dezember 2004 (Jahresvergleich) um 804 Personen oder 1,5%. Besonders betroffen sind Frauen - hier beträgt der Anstieg der Arbeitslosigkeit 5,2%. Vor allem jugendliche Frauen (plus 6,1%) und integrierte Ausländerinnen (plus 20,5%) leiden unter der stagnierenden Wirtschaftsentwicklung. Besonders in den Dienstleistungsbranchen bewirkt die schwache Kaufkraft der Arbeitnehmer eine hohe Frauenarbeitslosigkeit.
Im Dezember verlangsamte sich der Anstieg der Arbeitslosenzahl zwar, doch dies konnte nur durch verstärkte Schulungsmaßnahmen des AMS erreicht werden. Denn Arbeitslose in Schulungsmaßnahmen zählen nicht als arbeitslos und fallen somit "aus der Statistik". Ende Dezember 2004 befanden sich 5.510 Personen in Schulungsmaßnahmen des AMS. Das sind um 761 Personen oder 16% mehr als im Jahr zuvor.

40.000 Arbeitslose in Niederösterreich

Für das Gesamtjahr 2004 wurden im Jahresdurchschnitt 40.507 Arbeitslose verzeichnet. Historisch betrachtet lag die Zahl der Arbeitslosen in Niederösterreich schon von 1952 bis 1954 und seit 1992 bei über 30.000, doch noch nie zuvor mussten im Jahresdurchschnitt mehr als 40.000 Arbeitslose registriert werden. 2004 beschleunigte sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit sogar noch:
2003 stieg die Arbeitslosigkeit um 2%, 2004 um 3,3%.

Aktive Arbeitsmarktpolitik gefordert

Die hohe internationale Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Unternehmen brachte 2004 einen Exportboom und Rekordgewinne - auch zu Gunsten niederösterreichischer Betriebe. Der Großteil der Arbeitnehmer ist jedoch in Dienstleistungsbranchen beschäftigt, die unter der schwachen Kaufkraft der Bevölkerung leiden. AKNÖ-Arbeitsmarktexperte Mag. Marc Pointecker: "Genau das ist die direkte Folge einer Wirtschaftspolitik, die vor allem internationale Konzerne begünstigt und LohnbezieherInnen belastet:
NiedriglohnbezieherInnen bekommen durch die Steuerreform keinen Cent zusätzlich, haben aber durch neue Belastungen wie etwa Verteuerungen im Gesundheitswesen sogar noch zusätzliche Ausgaben."
Die AKNÖ fordert daher eine Negativsteuer, damit Niedriglohnbezieher mehr zum Leben haben. Dies würde auch den noch zaghaften Konjunkturaufschwung unterstützen und könnte die Arbeitslosigkeit endlich senken. Weiters fordert die AKNÖ einen massiven Ausbau der aktiven Arbeitsmarktpolitik, um den Strukturwandel zu unterstützen und Arbeitslosen neue Perspektiven zu eröffnen.
Für 2005 sieht die AKNÖ weiterhin keine Besserung der Arbeitsmarktsituation: Es wird mit anhaltend hohen Arbeitslosenzahlen gerechnet. Denn eine schwächere Weltkonjunktur und der Anstieg des Euro verschlechtern die Exportaussichten. Steigende Energiepreise und erhöhte Gesundheitskosten fressen die Impulse der Steuerreform, von der Niedriglohnbezieher nichts haben, auf.

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