AK-Dinkhauser: Soziales Gleichgewicht steht auf dem Spiel

Vollbeschäftigung in Tirol Leitthema für kommendes Jahr

Innsbruck (OTS) - Das soziale Gleichgewicht in der Gesellschaft
und die Wiedererlangung der Vollbeschäftigung sind die wichtigsten gesellschaftspolitischen Herausforderungen im kommenden Jahr, erklärt AK-Präsident Fritz Dinkhauser. Da besteht in Tirol akuter Handlungsbedarf! Niemand darf ohne Beschäftigung bleiben. Das muss gemeinsames Ziel sein.
Das Neue Jahr wird den Tiroler Beschäftigten wiederum einiges abverlangen. Der Staat spart auf Kosten der Menschen. Egal, ob bei Pensionen, bei der Gesundheit oder bei der Daseinsvorsorge. Die Schwächsten sind am Stärksten betroffen, ob Mindestrentner, Alleinerzieher, chronisch Kranke oder Kleinverdiener. Wer hat, dem wird gegeben, wer wenig hat, ist selber schuld. Gegen dieses Unrecht müssen wir gemeinsam ankämpfen. Das soziale Gleichgewicht in unserer Gesellschaft steht auf dem Spiel.
Gerade jetzt brauchen die Arbeitnehmer die AK als ihren starken Partner. Geschehen doch die gravierendsten Einschnitte in unser Sozialsystem seit dem Zweiten Weltkrieg. Einrichtungen und Errungenschaften - in der bittersten Not entstanden - sind in der heutigen Überflussgesellschaft scheinbar zu teuer geworden. Die Löhne und Gehälter sind in den letzten Jahren so gering gestiegen, dass durch Inflation und Gebührenerhöhungen kaum ein Wohlstandswachstum zu verzeichnen war. Der Anteil von Löhnen und Gehältern am Volkseinkommen sinkt laut WIFO seit 25 Jahren und auch die Schere innerhalb der unselbstständig Beschäftigten öffnet sich immer mehr. Löhne und Gehälter wachsen Jahr für Jahr langsamer als das gesamte Volkseinkommen. Wer aber weniger Geld im Sack hat, kann auch weniger ausgeben. Dadurch wird der Konsum geschwächt. Gleichzeitig findet ein Umverteilen von unten nach oben statt.

Kein Tiroler ohne Arbeit

Die Wiederlangung der Vollbeschäftigung im Land ist das höchste Ziel für das Neue Jahr. Darauf muss die gesamte Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik des Landes ausgerichtet sein. Mindestens 25.000 Menschen sind in Tirol ohne Arbeit. Das sind 25.000 zu viel. Besondere Sorge bereitet aber auch die immer größer werdende Zahl an Lehrstellensuchenden. Mehr als 1.000 junge Tirolerinnen und Tiroler haben derzeit keine geeignete Lehrstelle, das ist ein Alarmsignal, das die Politik aufrütteln muss.

Brückenarbeitsplätze

Arbeitslos darf kein Schicksal sein. Deshalb schlägt die AK Tirol die Schaffung von Brückenarbeitsplätzen vor für nicht sofort vermittelbare Arbeitsuchende befristet bei öffentlichen und halböffentlichen Einrichtungen, um den Betroffenen einen beruflichen Neustart zu erleichtern. Entscheidend ist die sofortige Einbindung in die berufliche Gesellschaft, statt in der sozialen Warteschleife zu landen.

Fehlen Ideen, fehlt die Arbeit

In den letzten Monaten haben sich kaum neue Betriebe angesiedelt. Jede zweite neue Firma besteht nur aus dem Chef. In einigen Branchen sind wichtige Leitbetriebe in Tirol in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Tirol braucht ein regionales Betriebsansiedelungskonzept, um besonders den Jungen berufliche Perspektiven bieten zu können. Wenn im Bezirk Landeck nur noch jeder zweite dort Beschäftigte länger als sechs Monate im Jahr beschäftigt ist, dann müssen im Land die Alarmglocken schrillen. Die Ursachen dafür liegen auf der Hand. Es wurde jahrelang verabsäumt, neben dem Tourismus ein zweites wirtschaftliches Standbein aufzubauen. Solche Fehler rächen sich. Angesichts der Krise in Deutschland, einer stotternden Konjunktur, sowie immer größerer Konkurrenz von anderen Urlaubsländern bleibt zu hoffen, dass zumindest die Nächtigungszahlen zufriedenstellend bleiben.

1.000 bleiben auf der Strecke!

Pisa hin oder her - Viel Schlimmeres und Dramatischeres passiert abseits dieser öffentlichen Erregung: Pro Jahr bleiben in Tirol 1.000 junge Menschen ohne Schul- oder Berufsabschluss! Diese jungen Tiroler brauchen eine zweite oder dritte Chance für einen beruflichen Neustart. Das ist ein volkwirtschaftlicher Unsinn, denn unqualifizierte Junge von Heute werden zu sozialen Problemfällen von Morgen.

Endlich Nägel mit Köpfen machen

Die Fakten hat die AK aufgedeckt, nun muss sofort eine Qualifizierungs-Offensive für diese Jungen gestartet werden. Die AK tut ihren Teil dafür mit speziellen Angeboten zum Nachholen des Hauptschulabschlusses durch das bfi und für den Berufsabschluss durch sein Metallzentrum. Vollbeschäftigung darf kein Lippenbekenntnis sein! Die AK ist zur Umsetzung bereit, jetzt sind Land und Wirtschaft am Zug, um gemeinsam dieses Ziel zu erreichen.

Vom Trott in den Trab

Wir müssen in Tirol noch stärker aus liebgewordenem Trott in raschen Trab wechseln, um einen Aufschwung zu erreichen: Durch stärkere Wirtschaftsimpulse Vollbeschäftigung anstreben, soziale Sicherheit schaffen, Qualifizierungs- und Bildungsoffensive beschleunigen, neue Perspektiven für Junge bieten, Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau herstellen, familienfreundliches Klima und erschwingliches Wohnen forcieren sowie den Nahverkehr massiv ausbauen. Dazu muss das Landesbudget radikal durchforstet werden, um neue Prioritäten zu setzen.

Mehr Spielraum für neue Akzente

Wir brauchen bedeutend mehr Mittel für Bildungswege und mehr Risikokapital für Forschung und Innovationen. Wir sind kein reines Bauernland mehr und nicht nur ein Tourismusland, sondern ein Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftsland, das sich täglich im Wettbewerb der europäischen Regionen behaupten muss.

Ideen statt Ideologien

Statt ideologische Barrieren zu verteidigen sollten wir neue Ideen zulassen. Genauso wie in Europa und in Österreich endlich die Wertschöpfungsabgabe eingeführt gehört, um das Kapital stärker zu besteuern und menschliche Arbeit steuerlich zu entlasten, müssen wir auch in Tirol alte Zöpfe abschneiden. Etwa bei der Kinderbetreuung durch mehr Ganztagesbetreuung und durch Einrichtung von Ganztagesschulen, durch Mobilisierung von Bauland durch die Einführung einer Bodenwertabgabe, durch die Einrichtung einer Gleichbezahlungskommission gegen die unterschiedlichen Verdienste zwischen Mann und Frau, durch die Lehrlingsausbildung in Lehrwerkstätten oder direkt in den Berufsschulen. Auch bei der Mietzinsbeihilfe in allen Gemeinden wünschen wir uns endlich die sofortige Umsetzung statt der neuerlichen Ankündigung. Als Sofortlösung könnte das Land seinen 70-Prozent-Anteil in jeder Gemeinde bereitstellen.

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Kammer für Arbeiter und Angestellte für Tirol
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Tel: 0512/5340 - 1280
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