"Kleine Zeitung" Kommentar: "Konjunkturaufschwung: Der Vergleich macht uns sicher" (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 23.12.2004

Graz (OTS) - Zu früh gefreut. Nur zwei Monate nach ihrer letzten Prognose haben die deutschen Wirtschaftsweisen ihre Vorschau am Dienstag ganz massiv nach unten schrauben müssen. Mit dem Aufschwung in deutschen Landen wird es nichts, wenn alles gut geht kommt Deutschland 2005 auf ein mageres Wirtschaftswachstum von maximal einem Prozent.

Österreich blickt nicht gerade rosigen Zeiten entgegen, hat es aber deutlich besser. Die letzte Konjunkturprognose von 2,5 Prozent muss nicht zum Altpapier geschmissen werden, der permanente Tiefflug des US-Dollars und der nach wie vor sehr stolze Ölpreis haben aber natürlich auch in den gestrigen Prognosen der Wirtschaftsforscher markante Spuren hinterlassen. 2 1/4 Prozent Wachstum sollten im kommenden Jahr trotzdem drin sein. Kein berauschender Wert, aber immer noch um in Hauseck mehr als in Deutschland.

Die (Prognose-)Rechnung geht allerdings nur dann auf, wenn Dollar und Öl auch 2005 einigermaßen im "grünen" Bereich bleiben. Von den österreichischen Exporten werden zwar nur 15 Prozent direkt in Dollar fakturiert, weitere 20 Prozent sind indes indirekt von der US-Währung abhängig. Fällt sie noch tiefer in den Keller wäre das ein starker Dämpfer für die exportierende Wirtschaft, die in den letzten Monaten sehr mitgeholfen hat, die Wirtschaft auf Trab zu halten. In ähnlicher Form trifft das auch auf weiter steigenden Ölpreise zu, die nicht nur das private Einkommen schmälern und damit den Konsum dämpfen, sondern über Energie- und Materialkosten auch die Unternehmen empfindlich treffen.

Diese beiden negativen Szenarien haben aber auch ihre positiven Seiten. Blickt man in die Vergangenheit zurück, so hat es nicht nur beim Dollar, sondern auch beim Ölpreis immer wieder steile Auf- und Abwärtsbewegungen gegeben. Weniger professionell-vorsichtige Leute als unsere Wirtschaftsforscher könnten daher der Meinung sein, die in die jüngsten Prognosen eingearbeiteten Dollar- und Ölpreise seien zu pessimistisch angesetzt, es könne eigentlich nur besser werden. Stimmt dieser Ansatz müssten die Vorhersagen sogar nach oben revidiert werden.

Wie auch immer, es gibt weitaus schlimmere Aussichten als die gestern präsentierten. Zumal wenn man bedenkt, dass uns der Finanzminister im Jänner mit der Senkung der Lohn- und Einkommenssteuer doch etwas von dem zurückgibt, was er uns mit den letzten, schleichenden Erhöhungen längst genommen hat. Aber das ist eine andere Geschichte. ****

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