WirtschaftsBlatt Kommentar vom 22.12.2004 Beamte sind uns teuer - aber warum so sehr? - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Nicht schlecht, was Österreichs Beamte verdienen, der Einkommensbericht des Rechnungshofes macht es deutlich. Ihr mittleres Jahreseinkommen beträgt brutto 37.756 Euro und macht mit 25.826 Euro sogar netto noch mehr aus als das mittlere Brutto-Einkommen der Angestellten (24.302 Euro).
Ehe allerdings die Empörung der Nicht-Beamten auf dem Humus von Neidkomplexen ungezügelt in die Höhe schiesst, darf in zwei wesentlichen Punkten beruhigt werden. Durchschnittstabellen sind nämlich fast immer irreführend. In der Einkommensstatistik wurden Teilzeitbeschäftigte gleichwertig mitgerechnet - und Teilzeitbeamte gibt es viel seltener als in der Privatwirtschaft. Schon dieser Unterschied treibt das Ergebnis bei den Beamten in schöne Höhen. Ausserdem stellt der Staat lobenswerterweise noch immer und mit Bedacht auch Akademiker in angemessener Zahl an und bezahlt sie entsprechend.
Ansonst aber muss durchaus kritisch gefragt werden, ob sich ein Acht-Millionen-Staat den Bürokratie-Luxus in dem Ausmass leisten kann. Die Antwort ist ein klares Nein. Denn zum Ausmass gehört eben nicht nur der Gehaltstarif, sondern alles, was rundherum geschehen beziehungsweise nicht geschehen ist. Trotz eineinhalbjähriger Bemühungen des Verfassungskonvents ist keine Rede davon, dass die Reform der Verfassung ein erträglicheres Verhältnis zwischen staatlicher Gunstverteilung und dem produktiven Wirtschaftsteil herstellen könnte. Das wird nicht gespielt, der Apparat war stärker als die Vernunft. Unter der Tarnkappe des Föderalismus wird in Saus und Braus weitergejubelt, als ob jemand ernsthaft ein signifikantes Wirtschaftswachstum ins Aussicht stellen könnte.
Um den Abbau bürokratischer und administrativer Hürden, der tatsächlich einige Fortschritte gebracht hat, ist es auffallend still geworden. Offenbar wird überhaupt nichts mehr abgebaut, obwohl jeder, der mit staatlichen Instanzen zu tun hat, aus eigener Erfahrung weiss, wie viel Sparpotenzial noch drinnen wäre.
Damit wird aber der erwähnte Teilzeitfaktor selber relativiert: Wenn die Vollzeitbeamten in Bund und Land bei vollen Bezügen so viele Umstände machen, dass ihre Effizienz auch mit der von geringfügig Beschäftigten in der Privatwirtschaft abgeglichen werden könnte, dann liegt das Urteil auf der Hand: Beamte verdienen zu viel. Nicht die einzelnen, sondern alle zusammen - gemessen an dem, was der Beamtenapparat leistet.

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