ÖGB-Csörgits fordert Maßnahmen zur Schließung der Einkommensschere

Lange Babypausen bringen lebenslang Nachteile im Einkommensverlauf

Wien (ÖGB) - Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern haben sich im Vorjahr weiter vergrößert, zeigt der gestern präsentierte Einkommensbericht des Rechnungshofes. ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits forderte heute im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Institut für Trendanalysen und Krisenforschung ein Maßnahmenbündel zur Schließung der Einkommensschere. Wichtigster Forderungspunkt der ÖGB-Frauenvorsitzenden: "Der Wiedereinstieg muss erleichtert werden. Denn lange Familienpausen bringen Einkommensnachteile, die den gesamten Berufsverlauf über nicht mehr aufgeholt werden können."++++

Die ÖGB-Frauen fordern deshalb die Schaffung von mehr Kinderbetreuungsplätzen und eine Reform des Kindergeldes. Eltern sollen wählen können, ob sie das Kindergeld in der bisherigen Höhe und für die bisherige Dauer beziehen wollen oder ob sie eine höhere Geldleistung für einen kürzeren Zeitraum beziehen wollen.

Atypisch Beschäftigte müssen besser entlohnt werden, fordern die ÖGB-Frauen weiter. Csörgits: "Teilzeitbeschäftigte erhalten bei Überschreiten der mit ihnen vereinbarten Arbeitszeit für die Mehrarbeit nur das normale Stundenentgelt. Parallel zu den Überstundenzuschlägen der Vollzeitbeschäftigten muss es auch für Teilzeitbeschäftigte bei Mehrarbeit einen Zuschlag geben."

Die ÖGB-Frauenvorsitzende fordert aber auch die BetriebsrätInnen auf, noch aktiver ihre Mitbestimmungsrechte wahrzunehmen. "BetriebsrätInnen haben das Recht, beim Aufnahmegespräch vor der Einstellung neuer MitarbeiterInnen dabei zu sein. Sie sollten das vom Arbeitgeber einfordern, um etwaige Diskriminierungen und falsche Einstufungen von Anfang an zu unterbinden", erklärte Csörgits.

Die Anwendung von Gender Mainstreaming im Rahmen der Kollektivvertragspolitik, um Formen der versteckten Diskriminierung aus den Kollektivverträgen zu beseitigen, ist ein weiteres Anliegen der ÖGB-Frauen. "Die Gewerkschaft Metall-Textil hat ihre Kollektivverträge bereits auf versteckte Diskriminierungen hin untersucht. Gender Mainstreaming muss aber in allen Kollektivverträgen angewandt werden", so Csörgits. An die Sozialpartner, und damit auch an die Gewerkschaften, richtete die ÖGB-Frauen die Forderung mehr Frauen in die Kollektivvertragsverhandlungsteams zu entsenden. Zusätzlich müssten die niedrigeren Einkommen verstärkt angehoben werden. "Die Arbeitgeberseite muss auf die entsprechenden Forderungen der Gewerkschaften eingehen", sagte Csörgits.

An den Gesetzgeber richten die ÖGB-Frauen die Forderung, dass Karenzzeiten voll auf alle arbeitsrechtlichen Ansprüche angerechnet werden müssen. "Ein Teilerfolg gelang den ÖGB-Frauen da bei der Abfertigung Neu. Zeiten der Karenz werden - so wie Präsenz- und Zivildienst - für die Abfertigung Neu angerechnet", erklärte Csörgits. Offen ist eine Anrechnung aber nach wie vor im alten Abfertigungsrecht, bei der Anrechnung von Vordienstzeiten, bei Vorrückungen und bei Jubiläumsgelder. Auch die Einkommensunterschiede im Alter sprach die ÖGB-Frauenvorsitzende an. Damit die Einkommensschere in der Pension nicht noch weiter aufgehe, sei eine bessere Bewertung der Kindererziehungszeiten nötig. "Das, was die Regierung im Zug der Pensionsharmonisierung beschlossen hat, reicht da bei weitem nicht", so Csörgits abschließend.

ÖGB, 21. Dezember
2004
Nr. 850

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